Emotionale Debatte über Killerspiele – Medienpädagoge Professor Hartmut Warkus hatte als Referent keinen leichten Stand
Eine kontroverse Diskussion über den Einfluss so genannter Killerspiele auf das Aggressionspotenzial der Nutzer löste der Vortrag von Professor Hartmut Warkus aus. Die SPD Weissacher Tal hatte den Inhaber des Lehrstuhls für Medienpädagogik an der Universität Leipzig auf den Roten Stuhl eingeladen.
Von Claudia Mann
WEISSACH IM TAL. Eine wilde Verfolgungsjagd Vermummter mit heftigem Gebrauch von Schusswaffen fand vor den Augen des Publikums auf einer Leinwand statt. Dazu ertönten Schreie und das Nachladen der Gewehre. Ab und zu leuchtete der Schriftzug „You killed an enemy“ (Du hast einen Feind ermordet) auf. Mit diesem Einblick in das Computerspiel Counter Strike 1.6 wollten die Veranstalter Unwissenden im Publikum im Bildungszentrum zeigen, wo-rüber debattiert werden sollte. „Verständnis für beide Positionen“ wollte SPD-Mann Jürgen Hestler an dem Abend erreichen. Jedoch regte sich bald schon Unmut im Publikum, lautstark wurde das Abschalten gefordert.
Auch wenn die Wortbeiträge nicht enden wollten, eine echte Diskussion oder gar Verständnis füreinander war zwischen Spielern und Skeptikern nicht zu erkennen. Ein Ding der Unmöglichkeit, ein sachliches Gespräch zwischen den begeisterten Anwendern auf der einen Seite und Betroffenen des Amoklaufs in Winnenden im Publikum auf der anderen Seite zu erreichen.
Professor Hartmut Warkus und sein Doktorand Benjamin Biegl hatten es mit ihrer prinzipiellen Befürwortung der Computerspiele bei großen Teilen im Publikum nicht leicht. Die Frage im Veranstaltungstitel „Killerspiele – Vorhölle zum Amoklauf?“ verneinten sie durch ihre Ausführungen klar. Biegl beurteilte diverse Studien zum Aggressionsverhalten von Spielern als fragwürdig und kritisierte, dass Jugendliche zu den Folgen ihres Spielens am Computer kaum befragt würden. Medienpädagoge Warkus stand zu seiner eigenen Freude am Shooter-Spiel, sprach sich aber für einen maßvollen und altersgemäßen Umgang damit aus. Auch zieht er die schnell zum Ziel führende Version vor und rät Eltern, Zeitgrenzen zu setzen. Ganz klar sieht er den Zusammenhang von Gewalt-Spielen und der Aggression der Spieler im realen Leben nicht erwiesen. Er bezeichne die Spieler nicht als Killer. „Wir haben es hier nicht mit dem Problem von Jugend zu tun, sondern mit dem von Spielern und Nichtspielern“, ist seine These. Es sei ein großer Unterschied, ob jemand mit Lust ein Spiel spiele oder jemand nur von außen draufschaue. Die meisten dieser Spiele würden in einer Gruppe gespielt, dabei stünden der Spaß, die Lust am Gewinnen und die gegenseitigen Absprachen im Vordergrund, „wer zusieht und es analysiert, sieht’s anders“. Und: „Die Frage nach dem Wert eines Spiels können wir nicht beantworten.“
Um Spielern und die beobachtenden Erwachsenen Medienkompetenz zu vermitteln, haben Warkus und seine Kollegen von der Uni Leipzig eine Computerspielschule gegründet, in der Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeleitet und beim Spielen begleitet werden. Lehrern empfiehlt er, eines der angesagten Spiele auszuprobieren, um mit den Schülern darüber sprechen zu können. „Erst dann werden Sie ernst genommen und können die richtigen Fragen stellen.“
Den Wortmeldungen derer, die solche Spiele verboten sehen wollen, entgegnete Warkus: „Solche Spiele braucht man nicht, aber es gibt sie.“ Wenn ein Kind Zugang zu Software hat, die nicht für seine Altersklasse freigegeben ist, sei dafür nicht das Kind verantwortlich, denn „ein Erwachsener lässt es zu: Verkäufer, Eltern oder Geschwister“.
Am Ende blieben
Positionen unvereinbar
Am Ende der emotional geführten Debatte rund um den Roten Stuhl blieben die zwei Lager zurück: die aus reinem Spaß am Computer spielenden Jugendlichen, die die geäußerten Befürchtungen nicht verstanden, und die besorgten Eltern und Lehrer, die glauben, dass die Anwendung von Gewaltspielen eben doch Auswirkung auf das Verhalten im wirklichen Leben hat.