Grundschule Spiegelberg rückt mit allen Klassen zum Kinobesuch an – Über 600 Teilnehmer an der Schulkinowoche
Einen großen Tag erlebten gestern die Grundschüler aus Spiegelberg. Alle vier Klassen besuchten gemeinsam in Backnang das Kino – und einhellig befanden sie, dass der böse Zauberer Hieronymus in dem Film „Hexe Lilli“ sein bitteres Ende in einem Einweckglas verdient hat.
Von Armin Fechter
BACKNANG. Schulleiter Oliver Kurr findet es „eine tolle Sache“: Das Kino wird zum Klassenzimmer, die Schüler erleben Kultur im Medium Film. Den Tag hat er gemeinsam mit den Lehrerinnen gründlich vorbereitet. Die Zweitklässler haben sogar das Buch von Knister gelesen, das die Grundlage zu dem Film „Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch“ bildet. Ein Countdown hat im Vorfeld für zusätzliche Spannung gesorgt, und bei den Eltern hat die Schule mit ihrer Bitte, den Transportdienst zu übernehmen, sogleich Unterstützung gefunden. Dafür hat ihnen Kurr einen Oscar überreicht.
So herrschte gestern Vormittag große Vorfreude, als sich die Sechs- bis Zehnjährigen im Universum-Kino in der Sulzbacher Straße einfanden. Empfangen wurden sie von Dieter Schmidgall, dem Leiter des Kreismedienzentrum in Backnang, der die landesweite Schulkinowoche vor Ort betreut. Das Angebot, das bereits zum dritten Mal gemacht wird, ist auf große Resonanz gestoßen. 625 Schüler sind, wie die Kinobetreiber Annegret und Bernhard Eppler erklären, zu den ausgewählten Filmen angemeldet. Es könnten aber durchaus noch mehr sein. Unter den Teilnehmern finden sich nämlich verhältnismäßig wenige Backnanger Schulen und auch relativ wenige Realschulen und Gymnasien, während die Grund- und Hauptschulen aus dem Umland bis hin nach Kirchberg und Spiegelberg recht gut vertreten sind. Sogar von der Haselsteinschule in Winnenden war eine Schülergruppe angemeldet.
Als es zur Sache geht, fiebern die Erst- bis Viertklässler aus Spiegelberg mit der kleinen Filmheldin Lilli mit, die sich anschickt, das Erbe der alternden Hexe Surulunda anzutreten und die Weltherrschaftspläne des bösen Zauberers Hieronymus zu vereiteln. Mit von der Partie ist der etwas korpulente Flugdrache Hektor, der mit missglückten Manövern ein ums andere Mal für Lacher sorgt. Die Kinder genießen den Film. Nur manchem Erstklässler, der kaum Erfahrung mit bewegten Bildern hat, wird die eine oder andere Szene gar zu spannend oder gruselig.
Gleichwohl bleiben die Kinder keine Antwort schuldig, als Schmidgall beim anschließenden Filmgespräch nachfasst. Wer würde gern in die Rolle der Lilli schlüpfen, fragt der Pädagoge. Es melden sich lauter Mädchen und vereinzelt Buben. Und wer würde gern den lustigen Drachen spielen? Wieder fliegen die Hände hoch, aber jetzt sind es die Buben und mit ihnen etliche Mädchen, die sich melden. Schmidgall geht Schritt für Schritt vor und führt die aufgeweckte Schar auch an Grundlagen des Films heran: Wie können Stimmungen erzeugt werden? Farben, Musik, Gesichter und Beleuchtung werden angesprochen. „Hexe Lilli“ stellt aber auch – eine weitere Besonderheit – einen Mix aus Real- und Animationsfilm dar. Und schließlich die Frage: Was hätten die Kinder anders gemacht, wenn sie selbst den Film gedreht hätten? „Dass die Hexe noch mehr zaubert“, lautet der Wunsch, der vielleicht in einer Fortsetzung erfüllt wird.
Während die Kinder aus Spiegelberg schon wieder abgeholt werden, kommt eine Gruppe Zehntklässler vom Murrhardter Heinrich-von-Zügel-Gymnasium aus einem anderen Kinosaal. Auf Initiative von Nathalie Holzwarth haben sie zusammen „Wüstenblume“ angeschaut. Die 16-Jährige aus Fornsbach hatte den Film, der die traditionelle Beschneidung von Frauen anprangert, bei einem Blick ins Kinoprogramm entdeckt. Die Jugendlichen wirken sichtlich erschüttert – die Schulkinowoche bietet auch Begegnungen mit aufwühlenden Inhalten.