Ein Ehrenamt als Fulltime-Job

Serie Schaffer im Verein: Martina Kobald ist in der Viktoria-Jugend vielseitig engagiert – Auch Mann und Sohn für den FCV tätig

Mit Trainingsplänen und Infozetteln, die sie für den Coach ihres Sohnes am PC abtippte und in eine optisch ansprechende Form brachte, fing um die Jahrtausendwende alles an. Heute ist Martina Kobald das „Mädchen für alles“ im Nachwuchsbereich des FC Viktoria Backnang. Würde sie die Stunden notieren, wäre es wohl fast ein Fulltime-Job. Gut, dass auch ihr Mann Reinhard und Filius Max weite Teile ihrer Freizeit für den Verein opfern.

Haben beim Fußball-Landesligisten FC Viktoria Backnang in unterschiedlichsten Ämtern alles im Griff: Max Kobald (links) ist Spielleiter des Kreisliga-A-2-Teams, Martina Kobald das Mädchen für alles im Jugendbereich und Reinhard Kobald als Ressortleiter für die Finanzen zuständig. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Wenig sprach dafür, dass die Jagd nach dem runden Leder einmal den Familienalltag bestimmen würde. „Ich hatte weder mit dem Verein noch mit Fußball viel am Hut“, erinnert sich Martina Kobald. Ihr reichte es, bei Welt- und Europameisterschaften am Ball zu sein. Die Leidenschaft ihres Mannes war eher die Musik – nicht umsonst ist Reinhard Kobald unter dem Spitznamen „Chap“ als Inhaber des Clubs Backnang bekannt und legt in der kultigen Rockdisco oft auch selbst auf.

Als Sohn Max dann kicken wollte und in der E-Jugend der Viktoria begann, waren die Fahrdienste der Mutter gefordert. Plötzlich stand sie an den Sportplätzen in der Region und es hätte Martina Kobalds Naturell widersprochen, einfach nur zuzuschauen. Das spürte der Trainer und es gelang ihm, die eine oder andere Aufgabe auf sie abzuwälzen. Sie gestaltete Infozettel für die anderen Eltern und Trainingspläne für die Kinder. „Ich habe damals einen Computerkurs belegt und konnte das Erlernte in die Praxis umsetzen“, blickt die 56-Jährige auf die Anfänge zurück.

Auch als Stellvertreterin ganz vorne, wenn Arbeiten zu erledigen sind

Ihr Organisationstalent blieb den Verantwortlichen in der Jugendabteilung des Backnanger Landesligisten nicht verborgen, die sie verstärkt an Bord holten. Als der damalige Jugendleiter Ende 2003 aufhörte, „habe ich weitere Aufgaben übernommen, wir mussten den Spielbetrieb aufrechterhalten“. Kobald hielt Kontakt zu den Staffelleitern, im März 2004 wurde sie zur Stellvertreterin des neuen Jugendleiters Miguel Ballesteros gewählt. Auch unter Frank Schwalbe blieb sie gerne dieNummer zwei, an vorderste Front zog es sie auch nach dessen Wegzug nicht. Von Juli 2010 bis Februar 2014 gab es keinen Jugendleiter, nach außen unbemerkt. „Ich habe erledigt, was angefallen ist“, stellt Kobald lapidar fest und verweist auf die Unterstützung durch viele Mitarbeiter im Alltagsgeschäft und bei der Organisation des Internationalen Jugendturniers. Hinter der Weigerung, selbst zu kandidieren, steckte Kalkül: „Ich dachte, so lange ich Stellvertreterin bleibe, ist der Druck größer, einen Jugendleiter zu finden.“

Falsch gedacht. Nach beinahe vier Jahren ließ sich Martina Kobald doch wählen. Es passt zu ihr, dass sie mit Marvin Schygulla und Max Müller zwei junge Stellvertreter so gut einlernte, dass es im Februar 2016 schon wieder zum Stabwechsel kam. Nun steht Schygulla an der Spitze, Müller und Kobald an seiner Seite. Weniger Zeit investiert die erfahrene Funktionärin deshalb nicht. Das „Mädchen für alles“ werde sie genannt, erzählt die Backnangerin – das umfasst die Verteilung der Trainingszeiten, die Trainersuche, den Terminplan, die Spielverlegungen, die Beschaffung der Ausrüstung und den Kontakt zur Stadt. Sie wäscht die Trikots der A-, B- und C-Junioren und plant die Bewirtung bei den Jugend-Heimspielen, um am Ende „meistens selbst“ hinter der Vereinsheimthekezu stehen. Beinahe beiläufig erwähnt die Bezirkssiegerin 2010 des DFB-Ehrenamtspreises, dass „nebenher“ die verschiedenen Jugendturniere zu organisieren sind.

„Ich wollte die Stunden mal aufschreiben, habe es dann aber doch lieber gelassen“, sagt Kobald schmunzelnd. Sieben am Samstag, „manchmal Thekendienst am Sonntag“, etwa drei Stunden pro Wochentag zu Hause am PC, dazu fast tägliche Fahrten ins Klubhaus – das geht Richtung Fulltime-Job. Umso wichtiger ist, auch zu wissen, was nicht zu den eigenen Stärken gehört: „Das Sportliche überlasse ich Werner Liebentritt und Marvin Schygulla.“

Wer so viel Zeit in eine Sache investiert, braucht das Verständnis des Partners. Besser noch, wenn der ähnlich tickt. Reinhard Kobald war schon länger DJ beim Eröffnungsabend des großen Jugendturniers, so richtig infiziert mit dem Ehrenamtsvirus ist der 64-Jährige seit 2014, als er Stadionsprecher wurde. Seit einigen Monaten ist er auch noch als Ressortleiter für die FCV- Finanzen zuständig, erstellt also beispielsweise den Haushaltsplan, teilt die Platzkassierer ein oder dreht selbst eine Runde. „Der Zeitaufwand ist größer als gedacht“, verrät Martina Kobald und weist lachend auf ein Problem hin: „Wir müssen schauen, wie wir das zu Hause am PC regeln.“

Der Platz am Schreibtisch wäre noch umkämpfter, wenn der 26-jährige Sohn als Wirtschaftsinformatik-Student unter der Woche nicht in Karlsruhe wäre. Auch Max Kobald hat das Ehrenamt für sich entdeckt, ist seit 2012 Spielleiter des Kreisliga-A-2-Teams des FC Viktoria und seit einem Jahr als Webmaster für die Homepage verantwortlich. Dreimal Kobald in einem Verein, aber für alle gilt, was die Mutter mit Nachdruck betont: „Ohne das Team drumherum geht überhaupt nichts.“

  Mit der Serie stellen wir Ehrenamtliche in Vereinen und Verbänden vor, ohne die im Sport wenig gehen würde. Auch solche, die das schon viele Jahre tun, obwohl sie offiziell kein Amt bekleiden. Gerne dürfen sich auch Vereine melden, um uns auf fleißige Schaffer aufmerksam zu machen.