Reise durch die Kulturen Europas

Unprätentiös und brillant: Das Nürnberger Frank Wuppinger Arkestra überzeugt beim Konzert im Backnanger Bürgerhaus

Der Programmtitel „Places and Roots“ (Orte und Wurzeln) versprach nicht zu viel: Das Frank Wuppinger Arkestra entführte seine begeisterten Zuhörer im Backnanger Bürgerhaus bis an die Ränder des europäischen Kontinents und weit darüber hinaus.

Die Musiker des Frank Wuppinger Arkestra beweisen Spielfreude, das Publikum im Backnanger Bürgerhaus zeigt sich beeindruckt.Foto: E. Layher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Zwischen Osteuropa und westlicher Tradition ist die in den letzten 15 Jahren entstandene Musik angesiedelt, die Frank Wuppingers Sextett dem Backnanger Publikum präsentierte. Der Bandleader kündigte eine musikalische Reise an und versprach mediterrane Musik, sommerliche Musik. „Ihr könnt euch schon mal auf den Sommer freuen, der hoffentlich bald kommt.“

Gleich zu Beginn stellten die Musiker sich in von den Zuhörern gebührend gefeierten Soli vor: Frank Wuppinger an der Gitarre, Gustavo Strauß – Violine, Norbert Emminger – Saxofon, Andrey Lobanov – Trompete, Matthias Rosenbauer – Drums und Marco Kühnl an der Bassukulele. Sie alle sind studierte Musiker mit exzellenten Referenzen, Künstler, denen es um nichts als die Musik geht und die deshalb keine Showeffekte brauchen. Bei aller Brillanz und Präzision klingt das Arkestra keineswegs verkopft oder akademisch, sondern zutiefst volksverbunden und kosmopolitisch.

Die Musiker eröffneten ihr Konzert mit „Tcai Shukarie“, einem bulgarischen Tanz, wie Wuppinger sagte, „über ein hübsches Mädchen“, mit einer wundervollen Melodie voller Temperament und auch Traurigkeit. Auf einer Reise nach und durch Südspanien, dorthin wo der europäische und nordafrikanische Kulturkreis verschmelzen, entstand „Carava“, das sich in genau diesem Spannungsfeld bewegt und von einem Walzer, dem „Waltz für Leni“, abgelöst wurde.

„Europhil“ nennen die Künstler ihre Musik, aber sie geht weit über unseren Kontinent hinaus, finden sich doch beispielsweise im von schottischen Tänzen inspirierten „Osmosis Reels“ auch amerikanische Jazz-Rock-Elemente. Es ist Weltmusik, die diese Bezeichnung auch verdient, und alle erdenklichen, meist europäischen Einflüsse ineinander webt. Eine besondere Liebe scheint das Frank Wuppinger Arkestra für die Balkanländer zu haben. Ein Stück ist „Ostwärts“ auf einer Tour nach Mazedonien entstanden, ein anderes dann erinnert an eine Wohngemeinschaft in Barcelona, wo die Musiker „schöne Erlebnisse hatten“.

Der rumänische Hochzeitstanz

und die Musik, in der es

um Tiere geht

Der Rückblick löst Spielfreude aus, und nach der Pause erklingt mit „Vlascencuta“, ein rumänischer Hochzeitstanz in moderner Fassung im 7/8-Takt, der „für den hiesigen Hochzeiter wahrscheinlich schwer zu tanzen ist“, meint Frank Wuppinger und ergänzt: „Wir nehmen’s musikalisch.“ Der ost- und westeuropäischen Tradition gemeinsam ist wohl die tiefe Melancholie, die aus der Sehnsucht nach einem besseren Leben kommt und von Menschen erzählt, die ihren Trost in der Musik fanden. Von „einer fränkisch-französischen Liaison“ handelt die „Musette für Hanna“ – mit einer traumhaft schönen Melodie, die ins Jazzige gleitet. Russisch geprägt hingegen die allmählich Fahrt aufnehmende „Hora Munteneasca“. Von Tieren inspiriert wurden „Black Vardarska“, das ist ein schwarzes mazedonisches Pferd, widerspenstig und energiegeladen, sowie „Bubamara“, das in serbischer Tradition eine schwarze Katze mit einem weißen Kater spielen lässt. Man kann die Tiere förmlich imaginieren: tapsend (Bass), schleichend (Violine), spielend und müde werdend (Gitarre und andere Instrumente). Mit der Zugabe „Sofyiski Tantz“ schloss sich der Kreis des Konzertes, entführte dieser, leidenschaftlich und lebendig, doch noch einmal nach Bulgarien.

Bandleader Wuppinger gab schon im Alter von 14 Jahren Gitarrenkonzerte. Seit seiner Jugend liebt er die Musik von Jimi Hendrix und Frank Zappa. Er studierte an der Hochschule für Musik in Nürnberg. Konzertreisen führten ihn nach Süd- und Osteuropa, aber auch westliche Gefilde haben es ihm angetan. Wuppingers Anliegen ist die Zusammenführung unterschiedlichster Einflüsse und deren Verschmelzung mit moderner improvisatorischer Musik. Besonders auch seine Eigenkompositionen sind es, die, wenigstens für die Dauer des Musikerlebnisses, Grenzen vergessen lassen.