Mit seiner Gosch’ sorgt er doppelt für Lacher

Winter-Kultur-Tage: Timo Meindl begeisterte mit seinem Programm „Klapp uff & Äktsch!“ im Rentamtskeller in Oppenweiler

Ihm entgeht nichts: Timo Meindl in der Rolle des neugierigen Nachbars. Foto: E. Layher

Von Florian Muhl

OPPENWEILER. Unglaublich, diese Gosch’. So bezeichnet Mundart-Comedian Timo Meindl selbst sein Mundwerk. Dieses verzieht er so extrem, von rechts oben nach links unten, dann im nächsten Moment von links oben nach rechts unten, wie kaum ein anderer. Allein schon diese Grimassen verleiten zum Losbrüllen. Eine Zuschauerin in der dritten Reihe kann sich nicht mehr halten vor Lachen. Meindl bringt’s fast aus dem Konzept. Der muss sich beherrschen, um nicht selbst einen Lachanfall zu bekommen.

Dazu feuert der 28-Jährige aus der Nähe von Pforzheim einen Witz nach dem anderen ab. Eigentlich solle ma ja keine Witze unter der Gürtellinie machen. Diese Regel wirft er an diesem Abend im Rentamtskeller in Oppenweiler so nebenbei ein. Aber wer hält sich nicht an diesen Grundsatz? Meindl selbst. Seine Gürtellinie jedenfalls scheint bei dieser Aufführung im Rahmen der Winter-Kultur-Tage deutlich verrutscht zu sein. Kaum eine Szene, die der „Justin Bieber der Tiefenbronner Komikszene“ gestenreich spielt, endet ohne schlüpfrige Details. Dem Publikum – kaum ein Platz ist an diesem Abend unbesetzt geblieben – gefällt’s sichtlich.

„Nur der Bürgermeister lässt seine Tassen rumstehen, der Drecksack“

Selbst, als er, oder sollte es nun besser heißen „sie“, die Besucher selbst aufs Korn nimmt, können diese noch lachen. Als Putzfrau Anita stellt Meindl fest: „In Oppenweiler geht man in den Keller, um zu lachen.“ In blauer Kittelschürze, reich behängt mit Modeschmuck, auf dem Kopf eine mächtige dunkelbraune Dauerwellen-Perücke und die Lippen Ferrari-rot bemalt, lässt Anita ihre Zuhörer wissen, dass sie seit 14 Tagen im Rathaus putzt und ganz zufrieden dort ist mit ihrem neuen Job. „Nur der Bürgermeister“, klagt sie, „der lässt immer seine Kaffeetassen rumstehen, der Drecksack.“ – „Der ist doch gar nicht da“, ruft da jemand aus dem Publikum.

In diesem Moment unterbricht Cornelia Köhnlein-Bass das Programm. Der Mitarbeiterin im Rathaus – sie ist unter anderem zuständig für das Kulturprogramm – ist die Situation sichtlich unangenehm: „Der Fahrer des Wagens mit dem Kennzeichen WN-...“. Steilvorlage für Meindl. Diese Chance lässt er sich nicht entgehen. „...und wenn der Fahrer zurück ist, in die vorderste Reihe setzen“, fordert der Komiker die zunächst unbekannte Person auf. Er wirft seinen Blick weit in den Gewölbekeller hinein. „Wo ist er denn? Aha, hinterste Reihe. Und Ausmarsch.“ Allein an diesem letzten Ausspruch hätte jeder Zuschauer erkennen können, dass Meindl von der Fasnet her kommt. Er erzählt es dann aber auch selbst, dass seine Wurzeln bei den Narren liegen. Wie es dazu kam? Vor vielen Jahren hat er mal eine Gruppenreise mitgemacht. Mit dabei auch eine Frau aus einem Elferrat. Im Bus hat er nur einen einzigen Witz erzählt. Das hat gereicht. Seit dem steht er in der Bütt und schreibt zwei Programme pro Jahr. Ob das Publikum den Witz aus dem Bus auch hören will? Na klar will es. Also: Ein Mann will seiner Frau einen Stringtanga kaufen. „Welche Größe hat denn ihre Frau“, will die Verkäuferin wissen. Der Mann zuckt mit den Schultern. Er denkt nach und sagt dann schlagartig: „76“. Die Verkäuferin ist irritiert. 76, das könne doch nicht sein, wie er darauf käme. Er: „Wir haben einen großen Fernseher mit 80er Bildschirm. Wenn meine Frau davor steht, dann seh’ ich davon links und rechts grad mal 2 Zentimeter.“

Das Publikum biegt sich vor Lachen, da kommt in diesem Moment der Falschparker zurück. Putzfrau Anita hat ihn entdeckt und fest im Blick. Sie verlässt die Bühne, in der einen Hand mit der WC-Bürste wedelnd, in der anderen mit dem Putzlappen. Dann setzt sie sich auf seinen Schoß. „Na, hast Du vor dem Loch geparkt, dass Deine Frau nicht nass wird?“ Ohne seine Antwort abzuwarten, tänzelt Anita wieder in Richtung Bühne. Da entdeckt sie einen weiteren attraktiven Herrn mittleren Alters mit bereits lichtem Haar aus Allmersbach im Tal. Sie lässt ihren Putzlappen auf seiner hohen Stirn kreisen und ereifert sich: „Schaut mal wie die wieder glänzt!“

Vorn angelangt beginnt die geschiedene Reinigungskraft an zu schluchzen. Sie trauert um ihre Beziehung, die in die Brüche ging. Anita sucht Trost auf dem Schoß eines Gastes in der ersten Reihe. Sie heult im den Kragen voll, streicht ihm unentwegt übers Haar. Aber nicht mit der Hand, sondern mit der WC-Bürste. Nach einer knappen halben Stunde verabschiedet sich Anita, sie müsse noch ein wenig putzen gehen. Donnernder Applaus. Bereits wenige Wimpernschläge später springt ein junger Mann hinter dem Paravent hervor. In Hemd und Hose mit Brille und noch etwas Lippenstift auf dem Mund schlüpft Meindl in die nächste Rolle. Er lässt sein Publikum wissen, dass er gelernter Maler ist und dass er an diesem Abend sein Programm „Klapp uff & Äktsch!“ letztmals spielt.

„Ich wart’ nur noch druff, bis mein roter Corsa ausgerufen wird“

Da unterbricht Köhnlein-Bass erneut. Es sei ihr wirklich peinlich aber: „Der Fahrer des Wagens mit dem Kennzeichen WN-...“. Meindl kommentiert: „Ich wart’ jetzt nur noch druff, bis ein roter Corsa mit Pforzheimer Nummer ausgerufen wird.“ Jetzt zieht der Mundart-Comedian seine Jogginghose bis über den Bauchnabel, wirft sich einen Bademantel über, die Perücke kommt später. Nun ist er der Nachbar, der Stunden aus dem Fenster schaut und seine Hausbewohner beobachtet. Wenn er einen Spiegel weit aus dem Fenster streckt, kann er sogar ins Schlafzimmer seiner Nachbarn stieren.

Meindl erscheint noch als Bauarbeiter Walter, der vor Gericht erklären muss, warum er seine Frau erschlagen hat, schlüpft in Rolle einer dreifachen Witwe, erzählt frivol, trocken und ungeniert zugleich, warum sie all’ ihre Männer mit einem leckeren Pilzgericht um die Ecke gebracht hat. In einer liebevollen und lustigen Weise unterhält Meindl sein Publikum zweieinhalb Stunden lang prächtig.