Der letzte Siebenmeter sitzt dann doch

Drittliga-Handballer des HCOB verballern sechs Strafwürfe, ehe Lukas Köder mit seinem Treffer das 22:22 in Pfullingen rettet

Handballkrimi in der Kurt-App-Halle: Der HC Oppenweiler/Backnang verballerte im württembergischen Drittligaduell beim VfL Pfullingen sechs Siebenmeter – und rettete ausgerechnet durch einen Strafwurf am Ende doch noch ein Remis. Lukas Köder behielt im richtigen Moment die Nerven, das 22:22 war unter dem Strich auch leistungsgerecht.

Half mit seinen sechs Toren im zweiten Durchgang entscheidend mit, den Abstand nicht zu groß werden zu lassen: Kevin Wolf.Foto: A. Hornauer

Von Alexander Hornauer

Die letzte Minute bot Nervenkitzel in besonderem Maße. Zuerst erzielte Christian Jabot mit seinem Tor vom rechten Flügel das 22:21 für den VfL, dann stürmte der HCOB zum letzten Angriff. Dieser wurde durch ein Foul unterbrochen – der soeben noch gefeierte Jabot krallte sich den Ball und begrub ihn unter sich, ehe ihn Chris Hellerich hätte greifen können. Der Pfullinger wollte wohl ein paar Sekunden von der Uhr nehmen, ahnte aber schnell, dass das keine so gute Idee war. Er rückte das Leder wieder heraus, aber da war’s schon passiert. Für den Versuch, in den letzten 30 Sekunden einen Freiwurf regelwidrig zu unterbinden, kennt das Regelwerk nur eine Konsequenz: Rot für den Sünder und Strafwurf fürs benachteiligte Team. Nach kurzer Beratung entschieden die beiden Schiedsrichter exakt so, nun bot sich den Gästen die Möglichkeit zum späten Ausgleich. Köder schnappte sich die Kugel und verwandelte nervenstark zum 22:22.

Im Duell zweier personell dezimierter Truppen – der HCOB spielte ohne Tobias Hold und Jonas Frank, beim VfL fehlten Daniel Schliedermann, Nico Hiller, Lukas List und Micha Thiemann – hatten die Murrtaler in den ersten 20 Minuten klare Vorteile. Die Abwehr stand hervorragend. Der Angriff nutzte die Räume, die durch Pfullingens offensive Verteidigung da waren, weidlich aus und kam immer wieder zu besten Torchancen. Der HCOB zog auf 8:4 davon, doch das war zu wenig. Vier versiebte Siebenmeter, vier Lattentreffer, weitere ungenutzte Hundertprozentige – die Gäste hätten viel deutlicher vorne liegen müssen. In Überzahl verkürzte Pfullingen auf 6:8, erzielte gegen das offensiv nun nachlassende Team von Trainer Matthias Heineke dann sogar den Ausgleich und – mit einem Siebenmeter – die 9:8-Pausenführung. Ein Zwischenstand, mit dem der HCOB ordentlich haderte.

Im zweiten Abschnitt fanden die Gäste zu größerer Treffsicherheit zurück. Rückraumspieler Kevin Wolf setzte Akzente, die Murrtaler führten 14:13. Es folgte die zweite Schwächephase, wieder kassierte man fünf Tore in Serie. Fehler im Spielaufbau luden den VfL zu Kontern ein, beim 14:18 schienen die Hausherren zu enteilen. Die Truppe von Till Fernow hatte sogar die Chance aufs Fünf-Tore-Polster, scheiterte aber zweimal an Thomas Fink, der sein Team im Rennen hielt.

Die letzten 18 erinnerten an die ersten 20 Minuten. Die Abwehr von Oppenweiler/Backnang ließ kaum noch etwas zu. Benjamin Röhrle und Köder münzten die Ballgewinne in Konter um, trafen zum 19:19 (52.). Köder hatte auch die Führung auf der Hand, scheiterte nun aber am guten VfL-Keeper Simon Tölke. Gegenüber kassierte Philipp Maurer eine Zeitstrafe. Pfullingen, in Überzahl zuvor arg unsortiert, schlug jetzt zu: Florian Möck und Robin Keupp sorgten fürs 21:19. Doch die Gäste blieben dran. Röhrle verwandelte einen Siebenmeter, danach schloss Köder einen Konter zum 21:21 ab. Beide Teams hätten mehrmals vorlegen können, doch es ging mit einem Unentschieden in die letzte Minute. Die hatte es wie erwähnt in sich, am Ende war das Remis wohl okay.

VfL Pfullingen: Schlipphak, Tölke – Wolf, Klusch (2), Wittlinger (5), Breckel (1), Keupp (3), Hipp, Jabot (5), Möck (2), Müller, Prinz (1), Bauer (n.e.), Hertwig (3/1).

HC Oppenweiler/Backnang: Grathwohl (n.e.), Fink – Florian Frank (2), Hellerich, Köder (4/2), Kuhnle, Maurer (2), Röhrle (3/1), Florian Schöbinger (1), Philipp Schöbinger (3), Sigle (1), Wolf (6/1).

Schiedsrichter: Fähnle/Schulle (Königsbronn/Oberkochen). – Zuschauer: 700. – Zeitstrafen: 8:6 Minuten (Prinz/2, Breckel, Jabot – Philipp Schöbinger/2, Maurer).