Merzbacher steigt zum Rekordspieler auf

40-jähriger Handballtorwart bestreitet im Drittliga-Heimspiel des HCOB gegen Köndringen/Teningen seine 375. Partie für die Erste

Nervös sei er nicht, sagt Stefan Merzbacher, der erfahrene Handballtorwart des HC Oppenweiler/Backnang. Eher voller Vorfreude und auch etwas stolz. Darf er auch sein, denn der 40-Jährige spielt im morgigen Drittliga-Heimspiel (20 Uhr, Gemeindehalle) gegen Köndringen/Teningen zum 375. Mal für die Erste. Damit avanciert er zum alleinigen Rekordspieler in der TVO- und HCOB-Historie.

Sein Ehrgeiz ist ungebrochen: Keeper Stefan Merzbacher will die HCOB-Handballer auch in seinem Rekordspiel zum Sieg führen.Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Seit dem Sprung des TV Oppenweiler auf die Verbandsebene 1980 wird Statistik geführt. Gezählt werden alle Meisterschafts-, aber keine Pokalspiele. Lange lag mit 374 Einsätzen der vierfache Regionalliga-Torschützenkönig Bernhard Scheib alleine an der Spitze. Im letzten Drittliga-Spiel der Vorsaison schloss Merzbacher zu ihm auf. Mit seinen Paraden trug er zum Heimsieg gegen die TGS Pforzheim und zur Rettung bei und wurde mit tosendem Applaus aus der ersten Mannschaft verabschiedet.

Trotzdem ist der Torwart auch ein Jahr später mittendrin statt nur dabei. Mit der Zweiten hat er den Bezirksliga-Meistertitel und den Landesliga-Aufstieg schon vor dem letzten Spiel eingetütet. Als sich Sven Grathwohl bei der Ersten verletzte, setzte sich Merzbacher auf die Bank. Als Ersatz für Thomas Fink musste er nicht eingreifen, war darüber aber nicht enttäuscht. Im Gegenteil: „Es freut mich sehr, dass sich mein Torwartkollege so positiv entwickelt hat und zu einem echten Leistungsträger geworden ist.“ Merzbachers Engagement wird trotzdem belohnt. Er nimmt gegen Köndringen/Teningen den Platz zwischen den Pfosten ein – als Dank für die Unterstützung in der laufenden Runde und als Anerkennung seiner großen Leistungen in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten.

Merzbacher hat in Oppenweiler und in der Handballszene der Region den Status einer Torwartlegende. Ins Murrtal gelockt wurde der Sportler mit Wurzeln bei der TSG Oßweil von Jürgen Buck. „Wir waren damals Gegenspieler, er hat mich für den TVO gewonnen“, erinnert sich der Keeper und ist ihm dafür bis heute dankbar. Sein Debüt feierte Merzbacher im Herbst 2002 im Heimspiel gegen Kronau/Östringen II – damals an der Seite von Frank Deißer, einer weiteren prägenden Figur des Oppenweiler Handballs. „Das war eine super Zeit mit ihm“, erinnert sich Merzbacher und betont, auch mit den anderen Keeper- Kollegen gut ausgekommen zu sein. „Ob Tobias Tauterat, Marcel Wolf oder zuletzt Thomas Fink – wir haben uns stets gegenseitig geholfen und unterstützt, aber auch einen Konkurrenzkampf geliefert.“ Davon profitierte das Team, das sich über viele Jahre auf starke Torhüter verlassen durfte.

Dass Merzbacher dem Verein schon eine so lange Zeit treu ist, überrascht ihn selbst im Rückblick nicht besonders, denn „ich bin hier so herzlich aufgenommen worden, habe vom ersten Moment an eine tolle Unterstützung von den Zuschauern und den Verantwortlichen erlebt, in guten, aber besonders auch in schlechten Zeiten“. Damit macht er deutlich, warum er keine Ambitionen entwickelte, sich ein neues Ziel zu suchen. „Das Familiäre hat diesen Verein schon immer ausgezeichnet. Das hat über die Jahre nicht abgenommen, es ist eher noch mehr geworden. Der Klub ist mir ans Herz gewachsen.“ Er ging 2011 auch den bitteren Gang in die Württembergliga mit und durfte so 2013 den Gewinn der Württembergischen Meisterschaft und 2015 den Drittliga-Aufstieg miterleben – und vor allem mitgestalten. In vielen Spielen machte Merzbacher den Unterschied. Auch zum Nichtabstieg trug er in der Vorsaison viel bei – mit dem Spiel gegen Pforzheim als finalem Höhepunkt und Schlussakkord.

Nun folgt mit dem 375. Einsatz noch ein Höhepunkt. Dabei geht’s nicht nur um das Symbolische, er will sein Team zum Sieg führen. Sein Ehrgeiz ist ungebrochen, er ist fit wie ein Turnschuh und „stolz, so etwas in einem solch großartigen Verein erreicht zu haben“. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Die Sympathien werden dem Keeper morgen erneut zufliegen.