Pädophiler wird erneut verurteilt

Familienvater hat nicht nur seine Tochter missbraucht, sondern auch eine 14-Jährige vergewaltigt

Von Bernd S. Winckler

BACKNANG/RUDERSBERG. Das Stuttgarter Landgericht hat einen 48-Jährigen gestern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten verurteilt. Dem bereits einschlägig vorbestraften Mann, der derzeit in Haft sitzt, wurde vorgeworfen, dass er auch noch eine 14-Jährige vergewaltigt hat. Nun bildeten die Richter eine Gesamtfreiheitsstrafe.

Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Jahren musste sich gestern ein 48-jähriger sechsfacher Vater aus Rudersberg vor dem Stuttgarter Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung eines Kindes verantworten. Der Mann wurde bereits im Jahr 2015 wegen ähnlicher Delikte zu über vier Jahren Haft verurteilt. Jetzt geht es um eine 14-Jährige, die er mehrfach in seiner Wohnung missbraucht haben soll.

Schon vor drei Jahren wurde der nunmehr vor der 2. Großen Jugendschutz-Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts Angeklagte in schwerster Weise bezüglich des Sexualstrafrechts angeklagt. Damals ging es um seine leibliche Tochter, die er in Rudersberg in insgesamt 65 Fällen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll, so der damalige Richterspruch. Vom 9. bis zum 14. Lebensjahr des Kindes dauerten die Taten, bis der Fall aktenkundig wurde (wir berichteten damals).

Von den verhängten vier Jahren und drei Monaten Haft wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes- und eines Schutzbefohlenen hat der heute 48-Jährige gut zweieinviertel Jahre verbüßt. Im November dieses Jahres sollte er aufgrund günstiger Sozialprognose vorzeitig aus der Haft entlassen werden.

Eigentlich sollte der 48-Jährige im November entlassen werden

Doch inzwischen liegt dem Gericht in Stuttgart die neue Anklage vor, mit der sich die 2. Kammer jetzt befasst. Die Verbrechen an einer 14-jährigen Rudersberger Schülerin soll der Mann aber in der Zeit zwischen 2011 und 2014 begangen haben, also zu der Zeit, in der auch die ersten Taten an der eigenen Tochter datieren, weshalb das Gericht nun eine nachträgliche Gesamtstrafe bilden muss.

Damals soll der Angeklagte die 14-Jährige in den Sommerferien betreut und das Betreuungsverhältnis missbraucht haben, heißt es in der Anklage. Insgesamt dreimal habe er mit dem Kind in seiner damaligen Rudersberger Wohnung ungeschützten Geschlechtsverkehr ausgeübt. Vergewaltigung in drei Fällen sowie sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen, so das Resümee der Staatsanwältin. Die Vorwürfe hat der 48-Jährige jetzt auch voll und ganz eingeräumt, um durch das Geständnis einen Strafrabatt zu bekommen.

Einen solchen Rabatt hatte das Gericht während der Verhandlung signalisiert. Angesichts seiner Geständigkeit müsse er zwar mit einer Strafaufstockung rechnen, die werde aber insgesamt sechseinhalb Jahre nicht übersteigen. Immerhin sind die neuen Fälle der Vergewaltigung „erheblich“, wie die Anklägerin meint, während der Verteidiger eher für eine Verfahrenseinstellung plädierte, angesichts des Umstands, dass die Taten in fast derselben Zeit geschahen, wie die bereits abgeurteilten Vorgänge an der Tochter. Der Angeklagte muss sich zudem einer Sozialtherapie stellen.