Mit Weiterbildung zurück in Arbeit

Jobcenter-Chef Schwab: Langzeitarbeitslose partizipieren nur unzureichend von Wirtschaftslage

Sonnige Zeiten herrschen derzeit auf dem Arbeitsmarkt – aber für die Klientel des Jobcenters bewegt sich trotz florierender Wirtschaft bislang wenig. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Das Jobcenter Rems-Murr legt auch in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf die berufliche Weiterbildung. Fehlende Qualifikation sei das Haupthemmnis für die Aufnahme einer Beschäftigung – zielgerichtete Qualifizierung erziele daher die höchste Wirkung, um Arbeitslose zurück in Jobs zu bringen. Das verdeutlichte Geschäftsführer Gunnar Schwab bei einer Sitzung des Kreissozialausschusses im Landratsamt.

Ziel sei es weiterhin, die Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren und so auch den Aufwand für die Stütze zu senken. Das Jobcenter sieht sich dabei auf einem guten Weg: Die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung sei 2016 trotz Zuwanderung gegenüber dem Vorjahr mit knapp 5000 nahezu unverändert geblieben. Gleichzeitig sei die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und der erwerbsfähigen Leistungsbezieher erwartungsgemäß angestiegen – eine Folge der Zuwanderung. So betreute das Jobcenter an seinen drei Standorten in Waiblingen, Backnang und Schorndorf im vergangenen Jahr 9533 Bedarfsgemeinschaften (Vorjahr: 9362) und 12585 erwerbsfähige Leitungsbezieher (Vorjahr: 12568).

Trotz florierender Wirtschaft und einer prächtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt bleiben die Probleme für Langzeitarbeitslose bestehen: Sie partizipierten nach wie vor nur unzureichend von der Konjunktur, machte Schwab deutlich. Er sprach von „heterogenen Problemlagen“: fehlende Qualifikation und mangelnde Sprachkenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen, aber auch geringe Motivation. Das erfordere „eine weitere Ausdifferenzierung der Lösungsansätze“. So wurde ein eigenes Projektteam gebildet, das „Netzwerk ABC“ (Aktivierung, Beratung, Chancen). Dessen Aufgabe ist die intensive Betreuung Langzeitarbeitsloser. Ferner sollen Fördermittel passgenau eingesetzt werden, um Defizite in der Qualifikation zu beseitigen.

Parallel will das Jobcenter auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten auftun und die Zusammenarbeit mit Partnern verstärken. Um möglichst von vornherein zu verhindern, dass der Fall der Langzeitarbeitslosigkeit eintritt, pflegt das Jobcenter die Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Landratsamt. Dabei geht es vor allem um die Beratung und Förderung Jugendlicher.

Im Rahmen der Prävention soll ferner, so Schwab in seinem Bericht vor den Kreisräten, ein Projekt betrieben werden, das eine spezialisierte Betreuung von Schwerbehinderten vorsieht. Zudem werden Maßnahmen und Angebote zur Gesundheitsförderung verfolgt.

Mehr Geld für Vorhaben zur Aktivierung und Eingliederung

Nach Schwabs Worten stehen 2017 rund 1,5 Millionen Euro mehr für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung als 2016. Im Vorjahr war es eine Summe von 9,7 Millionen Euro. Mit diesen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten hat das Jobcenter im vergangenen Jahr unterschiedliche Formen der Unterstützung praktiziert. Dazu gehörten Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung in insgesamt über 3000 Fällen. 554 Personen bekamen die Chance, berufliche Weiterbildungsmaßnahmen zu absolvieren. Für 146 Menschen wurden Arbeitsgelegenheiten geschaffen, und in 112 Fällen bekamen Arbeitgeber Eingliederungszuschüsse.

Außerdem hat sich das Jobcenter an zwei Programmen beteiligt, die auf Personengruppen mit besonders langer Arbeitslosigkeit und vielfältigen Vermittlungshemmnissen zugeschnitten sind: Über das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe“ wurden 60 Langzeitarbeitslose integriert und über das Programm des Europäischen Sozialfonds zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser 30 Betroffene in Beschäftigung vermittelt. Bewährt habe sich dabei, so Schwab, der Einsatz eines Betriebsakquisiteurs, der einen engen persönlichen Kontakt zu Arbeitgebern herstellt. Diese Programme stehen auch im laufenden Jahr wieder auf dem Plan.

Zur Integration geflüchteter Menschen haben Landkreis, Agentur für Arbeit und Jobcenter das übergreifende IBA-Team (Integration, Beratung, Arbeit) gebildet. Es betreut derzeit 2800 Flüchtlinge.