Letzte Minute bringt die Entscheidung

Knapper geht es nicht: Beim Riva-Handball-Cup hat die SG BBM Bietigheim die Nase hauchdünn vor dem HC Oppenweiler/Backnang

Spannung pur beim Riva-Handball-Cup: Zweitligist SG BBM Bietigheim gewann bei der 23. Auflage des Turniers in der Backnanger Karl-Euerle-Halle zum zweiten Mal. Gastgeber HC Oppenweiler/ Backnang war nach einer starken zweiten Halbzeit im entscheidenden Spiel gegen die SG nur noch ein Tor vom Turniersieg entfernt. Eine tolle Leistung zeigte auch die kurzfristig eingesprungene Mannschaft des TV Plochingen.

Florian Schöbinger (beim Wurf) steigerte sich mit dem Drittligisten HC Oppenweiler/Backnang. Fotos: A. Becher

Von Alexander Hornauer

 

Diesen Spannungsbogen hätten sich die Organisatoren um den bereits seit der ersten Veranstaltung im Jahr 1995 federführenden Jürgen Rauth nicht besser ausdenken können. Eine Konstellation, bei der das nächste Tor entscheidet, als finaler Höhepunkt des Vorbereitungsturniers sorgte für Nervenkitzel bis in die Schlusssekunden und machte Lust auf den Punktspielstart in rund sechs Wochen.

Dabei begann der Wettbewerb mit einer Überraschung und aus Sicht der Hausherren auch mit einer Enttäuschung: Die Drittliga-Mannschaft des HC Oppenweiler/Backnang unterlag mit 24:25 gegen den Baden-Württemberg-Oberligisten TV Plochingen. Das Team von Trainer Matthias Heineke fand in dieser Begegnung nie richtig zu seinen Abläufen, spielte mit zu wenig Bewegung, vergab immer wieder gute Gelegenheiten und war in der Abwehr nicht richtig bei der Sache. Die von Daniel Brack trainierten Plochinger spielten schnörkellos und zielstrebig, hatten in Marvin Fuß und Henrik Bischoff zwei hervorragende Schützen in ihren Reihen, waren aber auch auf den Flügeln und im Konterspiel gefährlich. Sie verdienten sich den Erfolg außerdem durch großen Einsatz. Der TVP lag in der ersten Halbzeit schon mit drei Toren hinten, warf die Flinte aber ebenso wenig vorzeitig ins Korn wie kurz nach der Pause, als der HCOB durch den treffsicheren Ruben Sigle (acht Tore) mit 15:13 in Front lag. Plochingen ging nach einem von Benjamin Röhrle verworfenen Siebenmeter in Führung und legte vor. Fuß besorgte das 25:24. Der HCOB ließ zwei Chancen ungenutzt. Die Überraschung war perfekt.

Zweitligist SG BBM Bietigheim war gewarnt, tat sich gegen Plochingen aber auch schwer. Für das Team von Trainer Hartmut Mayerhoffer war es der erste Auftritt in der noch jungen Saisonvorbereitung, der Ball hatte bisher eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Der Favorit leistete sich einige Fehler. In den Minuten vor der Pause zog Bietigheim erstmals davon, führte mit 15:10. Doch der TVP blieb am Ball, schloss zum 19:20 auf und war auch beim 21:23 wenige Minuten vor dem Ende im Bereich einer zweiten Überraschung. Dann machten sich die nachlassenden Kräfte bemerkbar. Ungenaue Abspiele im Angriff wurden von Bietigheim in den Schlussminuten zu Kontern genutzt. Die SG setzte sich auf 27:22 ab. Für Plochingen gab’s allemal anerkennenden Applaus. Das kurzfristig für die TGS Pforzheim eingesprungene Team hatte einen beachtlichen Auftritt absolviert.

Fürs abschließende Match war schnell ausgerechnet: Sowohl der HC Oppenweiler/Backnang als auch die SG BBM Bietigheim konnten Turniersieger werden. Der HCOB musste dazu mit vier Toren Vorsprung siegen. Bei einem Erfolg mit drei Toren wäre eine „unlösbare“ Patt-Situation entstanden. In allen anderen Fällen würde die SG den ersten Platz einnehmen. Und nach Variante drei sah es zunächst aus. Beide Mannschaften lieferten sich ein temporeiches Spiel mit schön herausgespielten Toren. Ab Mitte der ersten Halbzeit aber setzte sich der Favorit leicht ab und lag nach einem exakt mit der Sirene erzielten Tor von Max Emanuel beim Seitenwechsel mit 16:12 vorn.

Gleich nach der Pause erhöhte die SG den Abstand auf fünf Tore – in diesem Moment schien der Wettbewerb eher unaufgeregt zu Ende zu gehen. Doch Oppenweiler/Backnang bewies großes Kämpferherz. Die Abwehrleistung wurde besser. Torwart Thomas Fink avancierte zum Schrecken der Bietigheimer Angreifer und wehrte auch vermeintlich unhaltbare Bälle ab. Er ließ in Durchgang zwei gerade mal sechs Gegentore zu. Immer öfter kamen die Hausherren durch mutig vorgetragene Konter zu einfachen Treffern. Rund zehn Minuten vor dem Ende war das erste Etappenziel erreicht: der Ausgleich durch Philipp Maurer. Als Florian Schöbinger kurz darauf vom Kreis die Führung erzielte, waren die Zuschauer in der Halle hellwach. Das Heineke-Team setzte alles auf eine Karte, eroberte hinten Bälle und überrannte die SG-Abwehr mehrmals. Als Philipp Maurer 90 Sekunden vor dem Ende das 24:21 erzielte, war die Spannung nicht mehr zu überbieten. Eine Patt-Situation war geschaffen, das nächste Tor würde über den Turniersieg entscheiden. Bietigheims Patrick Rentschler gelang dieser entscheidende Treffer. Der HCOB stürmte nochmals an, doch die neuerliche Drei-Tore-Führung wollte nicht gelingen. Und so hatte das Spiel am Ende zwei Sieger: die Bietigheimer, weil sie den ersten Platz beim Riva-Handball-Cup erobert hatten, und die HCOB-Sportler, weil sie ein tolles Spiel gezeigt und einen schönen Sieg gelandet hatten.

SG-Coach Mayerhoffer sagte: „Wir trainieren seit einer Woche und dabei wenig mit dem Ball, darum war das Turnier für uns sehr willkommen.“ Die Niederlage konnte er akzeptieren, „das war ein verdienter Sieg, wir haben zu viele Torchancen liegen gelassen“. HCOB-Coach Matthias Heineke war versöhnt, „die Niederlage in der Begegnung gegen Plochingen war ein Weckruf – und die Mannschaft hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Wir haben gegen Bietigheim eindrucksvoll gekämpft und nehmen daraus nun die positiven Aspekte mit.“