Nur Gewinner bei der Jubiläumswette

Die angepeilten 950 Teilnehmer werden bei der BKZ-Aktion auf dem Stiftshof zwar knapp verfehlt, gespendet wird trotzdem

„Ich gebe mich geschlagen“, verkündete Brigitte Janus am Samstag um kurz nach elf unter großem Applaus. Ihre Wette zum Stadtjubiläum hatte die Verlegerin der Backnanger Kreiszeitung zwar gewonnen: Statt der geforderten 950 waren nur knapp 900 Menschen auf den Stiftshof gekommen, um die Zahl 950 zu bilden. Eine gelungene Aktion war es dennoch, weshalb Janus spontan entschied, ihren Wetteinsatz – fünfmal 950 Euro für die Sanierung der Stiftskirche – trotzdem zu leisten.

Moderator Josh Kochhann (links) im Gespräch mit Dekan Wilfried Braun und Verlegerin Brigitte Janus. Der Dekan ist stolz auf die Backnanger und freut sich über die Spende für die Stiftskirche.

Von Kornelius Fritz

 

BACKNANG. Brigitta Buder war die Erste: Schon um halb zehn und damit eine Stunde zu früh erschien sie auf dem Stiftshof: „Ich habe mich wohl auf meiner Uhr verguckt“, stellte die Backnangerin fest, nahm ihren Irrtum aber gelassen: „Als Rentnerin hat man ja Zeit.“ Der große Strom setzte dann ab Viertel nach zehn ein: Nach und nach füllte sich der Stiftshof mit Menschen und Dekan Wilfried Braun blickte hoffnungsvoll über den Platz: „Wenn das so weitergeht, bin ich optimistisch, dass wir die 950 schaffen.“ Der Dekan und seine Mitarbeiter hatten in den vergangenen Tagen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst viele Menschen für die Aktion zusammenzutrommeln und sich den Spendenscheck über 4750 Euro zu sichern.

Pfarrerin Martina Kugler hatte noch Handzettel gedruckt, die sie am Morgen persönlich auf dem Wochenmarkt verteilte, um Passanten zum spontanen Mitmachen zu bewegen. Aus den Kirchengemeinden pilgerten zahlreiche Mitarbeiter, Kirchengemeinderäte und ehrenamtlich Engagierte auf den Stiftshof. Aber auch viele andere unterstützten die Aktion: Die Backnanger Feuerwehr unterbrach extra ihr Training für die Leistungszeichenabnahme am nächsten Wochenende, um auf dem Stiftshof vorbeizuschauen. „Bei so einer Aktion wollen wir Flagge zeigen“, erklärte der frühere Kreisbrandmeister Reinhard Kowalzik. Auch viele Stadträte, die SPD-Abgeordneten Gernot Gruber und Christian Lange sowie die Bundestagskandidatinnen Melanie Lang (Grüne) und Gudrun Wilhelm (FDP) waren mit dabei. Und natürlich auch Oberbürgermeister Frank Nopper – ausnahmsweise mal nicht im Anzug, sondern in einem knallgelben Poloshirt mit der Rückennummer 950.

Die Null hat zunächst
noch ein paar Ecken

 

Organisationsleiter Georg Beïs und seine Helfer hatten dann die schwierige Aufgabe, aus der versammelten Menge eine lesbare Zahl zu formen. Die Pylonen, die der Städtische Bauhof zur Verfügung gestellt hatte, boten zwar etwas Orientierung, doch aus dem Blickwinkel von Fotograf Alexander Becher, der sich im Dachgeschoss des Behördengebäudes postiert hatte, wirkten die Ziffern zunächst noch krumm und schief. „Die Null stellt sich als größtes Problem heraus“, befand Moderator Josh Kochhann beim Blick nach unten. Die letzte Ziffer war ziemlich eckig und erinnerte eher an ein großes D. Da musste Kochhann übers Mikro noch einige Anweisungen geben und Alexander Becher dirigierte Georg Beïs per Handy zu den Stellen, wo noch Lücken geschlossen und Ecken abgerundet werden mussten. Um kurz vor elf war die 950 dann schließlich klar erkennbar und das Fotoshooting konnte beginnen. Damit die Zahl auch farblich zum Stadtjubiläum passte, hatten alle Teilnehmer an den Eingängen zweifarbig bedruckte Papierbögen in Gelb und Blau erhalten. Die wurden nun in die Höhe gehalten – von oben ein eindrucksvolles Bild.

Offen war jetzt aber noch die Frage, wer denn nun die Wette gewonnen hat. Anhand der verteilten Blätter ließ sich das gut nachvollziehen, doch als Brigitte Janus das Ergebnis der Zählung verkündete, ging ein Raunen der Enttäuschung über den Stiftshof: „Es sind nur 900.“ Aus den Boxen erklang dazu die traurige Musik, die viele noch aus der Fernsehshow „Wetten dass...?“ kennen, wenn dort eine Wette verloren ging.

Gemeinschaftsaktion
stärkt das Wir-Gefühl

 

War also die ganze Mühe umsonst? Und das, weil gerade mal 50 Menschen fehlten? Das wollte Moderator Josh Kochhann dann doch nicht so einfach hinnehmen und bohrte noch mal nach: „Frau Janus, Sie haben das Geld, doch eh schon auf dem Konto liegen.“ Mit stürmischem Applaus unterstützte die versammelte Menge den Vorstoß. Da wollte die BKZ-Geschäftsführerin keine Spielverderberin sein, schließlich hatte sie schon morgens verkündet: „Ich bin hier, um meine Wette zu verlieren.“ Nun hatte sie zwar gewonnen, machte die Backnanger aber ebenfalls zu Gewinnern, in dem sie ihren Wetteinsatz trotzdem einlöste.

Das Geld fließt in den Spendentopf für die Sanierung der Stiftskirche, die Anfang 2018 beginnen soll. Dekan Braun strahlte aber nicht nur wegen des Geldes: „Ich bin unglaublich stolz auf unsere Stadt. Das war ein schönes Zeichen der Solidarität, das Wir-Gefühl in Backnang hat durch diese tolle Aktion gewonnen.“