Schorndorf im Ausnahmezustand

Die zwei Seiten der SchoWo: Ein toller Start für die Vereine, Dauereinsätze für Polizei und DRK – Sexuelle Übergriffe, Flaschenwerfer und Diebstähle

Diese entspannte Momentaufnahme täuscht: Die Rettungskräfte hatten in den ersten beiden SchoWo-Nächten mehr als genug zu tun. Foto: G. Habermann

Von Hans Pöschko

 

SCHORNDORF. Eine SchoWo im Ausnahmezustand im Guten und leider auch im Schlechteren. Die Stadt war am späteren Samstagabend pickepackevoll, freie Plätze waren Mangelware, die Vereinsleute an den Ständen waren im Dauerstress. Je weiter die Zeit fortschritt, desto mehr waren aber auch Polizei und Rettungskräfte gefordert und stießen zeitweise ebenfalls an ihre Belastungs- und Kapazitätsgrenzen.

Der Samstag verlief lange Zeit friedlich und für die Vereine, wie Andreas Wieler betont, war es insgesamt ein toller und umsatzstarker Abend. „Gute Stimmung, gute Umsätze und die passenden Temperaturen“, bilanziert VG-Vorstand Jürgen Dobler. Und die größten Sicherheitsvorkehrungen waren zunächst einmal erforderlich gewesen, als die von Danny Basic vom Studio Pimpin Exklusive Tattoos in der Kirchgasse zusammengetrommelten Motorradrocker vom MC Omen vor dem Rathaus vorfuhren und die angeblich schönsten Maschinen Süddeutschlands präsentierten.

„Eine der schlimmsten Nächte,

seit es die SchoWo gibt“

 

Was in der Nacht zum Sonntag passierte, bezeichnet DRK-Bereitschaftsleiter Josef Herbert am Sonntagvormittag als „eine der schlimmsten Nächte, seit es die SchoWo gibt“. Was VG-Vorstand Jürgen Dobler grundsätzlich gelten lässt allerdings mit der Einschränkung, dass sich vieles von dem, mit dem Polizei und Rettungskräfte in der Nacht konfrontiert waren, an der Peripherie abgespielt hat. Das gilt für Einsätze im Bahnhofsbereich beim DRK und teilweise auch bei der Polizei damit begründet, dass Personal durch Einsätze anderswo im Kreis gebunden war oder erst gar nicht zur Verfügung stand, genauso wie in den Schlosswallgütern, wo, als die SchoWo offiziell längst beendet war, nach einer problemlosen ersten Nacht eine Hundertschaft der Polizei anrücken musste, um verfeindete und in Streit geratene Migranten-Gruppen zu trennen und von dem Ort, an dem zuvor weitgehend friedlich viele Hunderte von Jugendlichen traditionell ihre Art von SchoWo gefeiert hatten, zu vertreiben. „Für die Polizei war das definitiv kein lustiger Abend“, sagt Jürgen Dobler, und Gleiches gilt fürs DRK. 13 meist alkoholbedingte Abtransporte mit dem Rettungswagen mussten Josef Herbert und sein Team, die im Lauf des Abends eine zusätzliche Notfallstation aufgebaut hatten, veranlassen, fünf übermäßig alkoholisierte Jugendliche wurden an ihre Eltern übergeben. Er sei „unheimlich stolz darauf“, was seine Truppe leiste, sagt Josef Herbert, dem die zweite lange SchoWo-Nacht nicht anzusehen ist. Zu den unliebsamen Begleiterscheinungen der Nacht zum Sonntag gehört auch, dass in verschiedene Stände und Zelte von fliegenden Händlern in der Philipp-Palm-Straße eingebrochen wurde. Und aus dem Stand der Stadtkapelle am Archivplatz wurden eine Kasse samt Laptop entwendet.

Details, zitiert aus dem Polizeibericht:

Eine Widerstandshandlung und Flaschenwürfe auf Polizisten und andere Festbesucher, sexuelle Belästigungen von Festbesucherinnen und Sachbeschädigungen an Einsatzfahrzeugen sind die traurige Zwischenbilanz der ersten beiden Tage des Schorndorfer Straßenfests.

Am Freitagabend wurden der Polizei bislang drei Vorfälle gemeldet, bei denen Frauen von Männern auf dem Marktplatz sexuell belästigt wurden. In einem Fall wurde ein irakischer Tatverdächtiger ermittelt. Am Samstag kam es am Bahnhofsvorplatz zu einer sexuellen Belästigung, bei der eine 17-Jährige nach derzeitigem Ermittlungsstand von drei Männern festgehalten und am Gesäß begrapscht wurde. Dabei konnten drei afghanische Asylbewerber als Tatverdächtige ermittelt werden.

Im Schlosspark versammelten sich in der Nacht zum Sonntag zwischen 20 und 3 Uhr bis zu 1000 Jugendliche und junge Erwachsene. Bei einem großen Teil handelte es sich wohl um Personen mit Migrationshintergrund. Dabei kam es zu zahlreichen Flaschenwürfen gegen andere Festteilnehmer und Einsatzkräfte sowie gegen die Schlossfassade. Als ein Tatverdächtiger wegen einer gefährlichen Körperverletzung festgenommen werden sollte, leistete dieser Widerstand. In der Folge solidarisierten sich zahlreiche Personen mit dem Festgenommenen. Polizeibeamte mussten in Schutzausstattung die Festnahme abschirmen, um einen Angriff zu verhindern. Als sich die Einsatzkräfte zurückzogen, wurden sie erneut mit Flaschen beworfen.

Weiter zogen im Verlaufe der Nacht mehrere Gruppierungen mit 30 bis 50 Personen durch die Innenstadt. Laut Zeugenaussagen seien einzelne Personen dabei mit Messern bewaffnet gewesen. Aus einer anderen Gruppe heraus soll im Bereich des Alten Friedhofs, vermutlich mit einer Schreckschusswaffe, in die Luft geschossen worden sein.

Im Verlaufe der Nacht wurden zwei Polizeiautos mit Graffiti besprüht, ein Auto durch ein Flaschenwurf beschädigt und an sechs Fahrzeugen die Kennzeichen gestohlen. Darüber hinaus wurden während des Festes mehrere Körperverletzungen angezeigt. Im Verlaufe der Nacht mussten zahlreiche Einsatzkräfte aus umliegenden Landkreisen angefordert werden, um dem massiven Aggressionspotenzial begegnen zu können.

Die Polizei sucht Zeugen und bittet, mit dem Smartphone gefertigte Aufnahmen von den Vorfällen als Beweismaterial zur Verfügung zu stellen, an: schorndorf.prev@polizei.bwl.de.

Aufgrund der Vorfälle wird die Polizei in den nächsten Nächten mit weiteren zusätzlichen Einsatzkräften vor Ort sein. Darüber hinaus ist geplant, den Schlosspark auszuleuchten.