Entscheidende Verbesserungen nicht zu erwarten

Ernüchterung im Rems-Murr-Kreis nach den jüngsten Aussagen des Verkehrsministeriums zur Landesstraßensanierung

Eine der Problemstrecken im Kreis: L1120 zwischen Stöckenhof und Althütte. Archivfoto: E. Layher

Von Armin Fechter

 

WAIBLINGEN. Optimal ist was anderes: Das Landesstraßennetz mit einer Streckenlänge von fast 10000 Kilometern befindet sich nach wie vor in einem betrüblichen Zustand. Zwar hat die jüngste landesweite Erfassung und Bewertung eine Verbesserung um 0,1 Punkte von 3,5 auf 3,4 ergeben, wobei eine Skala von 1 bis 5 zugrunde liegt. Doch die geht wohl vor allem auf einen geänderten Berechnungsalgorithmus zurück.

Das zumindest vermutet Matthias Straus, der Leiter des Straßenbauamts im Landkreis, im Einklang mit Landrat Richard Sigel. Und dass diese marginale Verbesserung dann auch noch von Verkehrsminister Winfried Hermann mit einem gewissen Stolz verkündet wurde, gibt dem Experten im Landratsamt doch zu denken: „Da muss man sich schon fragen“, ließ er jüngst im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags Bedenken anklingen. Nach Straus’ Schätzung ist der Landesstraßenetat chronisch unterfinanziert. Derzeit würden etwa 60 Millionen Euro für die Erhaltung ausgegeben, nötig wären aber rund 140 Millionen Euro. Dieses Manko habe sogar ein Gutachten des Ministeriums selbst aufgezeigt. Straus’ Resümee: „Entscheidende Verbesserungen sind auf der derzeitigen Investitionsbasis nicht zu erwarten.“

Unter dieser Situation leiden auch die Strecken im Rems-Murr-Kreis. So taucht die L1119, deren Sanierung zwischen Sechselberg und Vorderwestermurr im vergangenen Jahr schon versprochen, dann aber kurzfristig wieder verworfen worden war, in der Prioritätenliste des Landes gar nicht mehr auf. Auch die viel befahrene L1120, die vom Stöckenhof über Kallenberg nach Althütte führt, befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Nicht zuletzt die schweren Unfälle, die sich dort immer wieder ereignen, haben den Ruf nach baldiger Sanierung laut werden lassen. Doch auch diese Piste findet sich nicht auf den vorderen Rängen der Prioritätenliste des Landes. Etwas größere Chancen auf eine Sanierung bestehen bei der L1153/Alfdorf aus: Sie liegt immerhin auf Platz 70 von insgesamt 1174 Vorhaben. Auf den Plätzen 95 und 96 folgenden, die L1199/Stetten und die L1140/Rohrbronn, auf Platz 160 wird die L1127/Winnenden geführt. Die weiteren 22 Maßnahmen im Rems-Murr-Kreis finden sich erst weiter hinten auf der Liste, die meisten auf Rängen jenseits der 500 – obwohl auch sie sich, so Straus, nach Augenschein in schlechtem Zustand befinden.

Aus diesem Grund hielt Landrat Sigel in der Sitzung des Ausschusses fest, es sei zu wünschen, dass es rascher vorangeht, denn es gebe Nachholbedarf.

Landesregierung will Entlastung durch Radschnellwege schaffen

 

Um die Hauptverkehrsachsen Straße und Schiene zu entlasten, will die Landesregierung gemäß dem Koalitionsvertrag ein Netz aus Radschnellwegen errichten. Bis zum Jahr 2025 soll es im Land zehn solche Verbindungen geben. Viele Fragen dazu sind noch offen, unter anderem ist unklar, wer Baulastträger sein wird, sprich: wer die Vorhaben finanziert. Im Gespräch ist, dass Bund oder Land dafür aufkommen werden. Aber die Pläne befinden sich ohnedies noch in den ersten Anfängen. So sollen zunächst Machbarkeitsstudien erstellt werden, um Klarheit über das Potenzial solcher Strecken zu erhalten.

Für das Gebiet des Rems-Murr-Kreises sind derzeit zwei Verbindungen angedacht: eine Route von Waiblingen nach Ludwigsburg und eine von Waiblingen nach Schorndorf. Letztere soll vom Rems-Murr-Kreis federführend betreut werden. Das Straßenbauamt hat dazu vom Land Fördermittel beantragt. Kommt es zum Bau solcher Verbindungen, wird mit Kosten von 500000 bis 1 Million Euro gerechnet.