Fünf Schläge bis zum ersten Prost

Dorfmitte in der Hand der Bürger: Traditionelles Bürgerfest wird in Kirchberg an der Murr schon seit über 40 Jahren gefeiert

Fünf Schläge benötigt Bürgermeister Frank Hornek, dann fließt der begehrte Gerstensaft und es wird auf das Wohl aller angestoßen. Foto: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

 

KIRCHBERG AN DER MURR. Pünktlich um fünf Uhr nachmittags hört man ein Geläute, das sonst nie erklingt – die Feuerglocke kündigt ein besonderes Ereignis an: den Beginn des 41. Kirchberger Bürgerfestes. Nach dem Glockengeläut übernimmt der Musikverein unter Leitung von Holger Wägerle, während sich die Kinder des Kindergartens in der Pfarrstraße schon aufgeregt mit ihren Erzieherinnen auf der Bühne aufgestellt haben. „Wir feiern heut ein Fest und laden alle ein“, begrüßen sie die Festgäste. Im Anschluss ergreift Bürgermeister Frank Hornek das Wort. „Vor vierzig Jahren feierte das Kirchberger Bürgerfest Premiere.“ In den letzten vier Jahrzehnten habe sich die Ortsmitte enorm entwickelt und dabei doch ihren historischen Charakter bewahrt, und eine wichtige Voraussetzung dafür, dass jedes Jahr im Sommer gefeiert werden könne, sei, dass die Bewohner ein „Grundverständnis für dieses Bürgerfest“ hätten, bedankte sich Hornek bei den Anwohnern.

Während der Musikverein ein weiteres Mal aufspielt, wird alles für den obligatorischen Fassanstich vorbereitet. Scharf beobachtet von mehreren Kameraobjektiven genügen Hornek fünf Schläge, bis der Zapfen sitzt, was er lässig kommentiert: „Letztes Jahr ging es mit einem Schlag, dieses Mal rudern wir wieder etwas zurück.“

Aufgrund der späten Pfingstferien findet das Bürgerfest in diesem Jahr erst Mitte Juli statt. Wettermäßg war das die richtige Entscheidung, bei angenehmen Temperaturen lässt es sich gemütlich über das Festgelände schlendern, in die Stände hineinschauen und mit Bekannten plauschen, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat. Die Kinder warten beim Trampolin gefühlt stundenlang geduldig, bis sie hüpfen dürfen, es duftet nach gebrannten Mandeln und Holzkohlengrill. Wie jedes Jahr haben sich die örtlichen Vereine und Organisationen mächtig ins Zeug gelegt, um den Besuchern einiges bieten zu können. Kulinarische Vielfalt von Crepes bis Zwiebelkuchen, Musikvereine aus der Umgebung sorgen für musikalische Unterhaltung in der Kelter, abends Partystimmung unter freiem Himmel mit den Coverbands Nightflash und Partyduo.com.

Der Sonntag beginnt besinnlich mit einem gut besuchten Gottesdienst unter freiem Himmel in der Ortsmitte. Kinder strömen zum Kindergarten Pfarrstraße, um „Am Samstag kam das Sams zurück“ stilecht mit einem Tütchen Popcorn zu genießen. Junge Verkaufstalente bauen währenddessen ihre Flohmarktstände an der Kelter auf und hoffen so auf eine kleine Taschengeldaufbesserung. Die Frohe Arche bietet ein buntes Kinderprogramm, der Verein Steckenpferd lädt zum Basteln und Kinderschminken ein. Glück und Geschicklichkeit testen kann der Besucher bei Schleuderstand, Dosenwurf und Glücksrad.

Ein gelungenes Festwochenende mit Sonnenschein, viel Musik, glücklichen Kindern, die mit ihren Freunden die Straße hinauf- und hinunterziehen, Eltern, die beim Süßigkeitenstand mal ein Auge zudrücken, und Festbesuchern, die einfach entspannt die Atmosphäre genießen, wird seinem Anspruch, das besonderste aller Kirchberger Feste zu sein, wieder einmal vollkommen gerecht. Auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr.