Ein besseres Verständnis füreinander

Nur Gewinner gibt es beim ersten Backnanger Inklusionstag, der ein abwechslungsreiches Programm geboten hat

Backnangs erster Inklusionstag ging bei bestem Sommerwetter über die Bühne. Menschen mit und ohne Behinderung begegneten sich in der Karl-Euerle-Halle und auf dem angrenzenden Kunstrasenplatz bei den gemeinsamen Spiel- und Sportangeboten. Die Aktionen schufen ein besseres Verständnis füreinander und initiierten neue Verbindungen.

Beim Inspirationswettbewerb, der innerhalb des Backnanger Inklusionstages stattfand, hatten die teilnehmenden Mannschaften ihren Spaß.

Von Katharina Klein

 

Gero Gerlies schnuppert an dunklen Gefäßen und ist ratlos: „Das ist irgendwas mit Kräutern“, tippt er. Seine Augen sind verbunden, nur sein Geruchssinn kann ihm beim Bestimmen der Substanz weiterhelfen. Gerlies befindet sich an einer Station, bei der Sehende in die Welt von Blinden oder schwerst-sehbehinderten Leuten eintauchen können. „Es war eine völlig neue Erfahrung, dass alles dunkel ist und eine Möglichkeit sich besser in Menschen mit einer Behinderung hineinzuversetzen. Sonst hat man wenig Kontakt mit Behinderten und sieht die Welt des Anderen immer nur von außen“, berichtet Gerlies von seiner Erfahrung als Blinder auf Zeit. Genau diesen Austausch findet Claudia Krimmer, stellvertretende Vorsitzende der TSG 1846, so wichtig: „Es hat sich schon alleine deshalb gelohnt, weil viele Menschen miteinander ins Gespräch gekommen sind. Für das, dass der Inklusionstag zum ersten Mal stattgefunden hat, war er gut besucht. Der Ablauf hat funktioniert. Insgesamt ist das Thema Inklusion eine schöne Sache und ich bin sehr zufrieden.“

Dass noch viel zu tun ist, damit ein Miteinander von allen Menschen selbstverständlich wird, wurde gestern deutlich. „Jeder Mensch verdient es, in vollem Umfang an der Gesellschaft teilzuhaben. Von den 91000 Vereinen in Deutschland hat sich nur ein winziger Bruchteil der Inklusion verschrieben, obwohl die Chancen von Inklusionssport unbestritten sind“, sagte Michael Balzer, Erster Bürgermeister Backnangs und Schirmherr des Inklusionstags, in seiner Begrüßung.

Der Aktionstag der TSG, welcher unter dem Motto „Backnang bewegt sich: vielfältig, bunt, inklusiv“ stattfand, war der erste seiner Art im Rems-Murr-Kreis. An Angeboten mangelte es deshalb aber nicht. Neben dem Sensibilisierungsparcours gab es in der Karl-Euerle-Halle noch die Möglichkeit, Volleyball zu spielen, einen Parcours zu durchqueren, Geschicklichkeitsspiele zu machen oder erste Erfahrungen mit einem Degen am Fechtmobil zu sammeln. Christina Ohl von der Lebenshilfe ist mit einer ganzen Gruppe in der Halle beschäftigt. „Ich finde alles sehr interessant. Das Fechten fanden die Meisten sehr lustig. Es ist toll, dass die Übungen so vielfältig sind, damit jeder etwas machen kann.“ Einer, der schon fast alles ausprobiert hat, ist Andy vom Wilhelm-Traub-Haus – und er ist begeistert vom Sportangebot: „Es ist cool. Wir haben sowas noch nie gemacht. Mir haben alle Stationen gefallen.“ Moni hat es hingegen vor allem der Parcours angetan: „Die Bank hochzuklettern und die Matten runterzurutschen hat besonders viel Spaß gemacht.“

Am Nachmittag gab es auch außerhalb der Sporthalle einiges zu sehen. Nach der musikalischen Eröffnung durch die integrative Musikgruppe Elefantis starteten ein Team des TV Murrhardt mit der Lebenshilfe, ein Team der TSG Backnang mit der Paulinenpflege und ein Team des Kreisjugendrings bei einem Inspirationswettbewerb. Dieser bestand aus einer Pendelstaffel, einem Boule-Spiel und einer Tanz-Aufgabe. Am Ende wurden kurzerhand alle drei Teams zu Siegern gekürt. Als Preis gab es Urkunden, Medaillen und Pokale. Parallel zum Wettbewerb zeigte die Judo-Gruppe der Lebenshilfe, die Abteilungen Turnen und Tanzen der TSG sowie die Ballettschule Rüter Vorführungen auf dem Kunstrasenplatz der Karl-Euerle-Sportanlage. Den Abschluss des Tages gestaltete die inklusive Musikgruppe Groove Inclusion.

Ob es fortan jährlich einen Inklusionstag geben wird, weiß Claudia Krimmer noch nicht, denn: „Es ist manchmal einfach wichtig, etwas zu initiieren. Wir werden uns im Nachgang mit allen Partnern zusammensetzen und uns die Frage stellen, was uns die Veranstaltung bringt, prüfen was wir noch daraus entwickeln können und wie es weitergeht.“