Schnelle Orientierung, schnelle Hilfe

Murrhardter Gemeinderat bringt neue Beschilderung für das Heinrich-von-Zügel-Gymnasium auf den Weg

„Mit den Gebäudeplänen ist es möglich, die Kollegen schon auf ihrem Weg per Telefon genau zu lotsen.“ Kriminaloberkommissarin SandraSänger, Haus der Prävention

Von Christine Schick

 

MURRHARDT. Nach dem Amoklauf von Winnenden hieß es mit Blick auf die Prävention, neben Überlegungen auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene auch über sehr praktische Konsequenzen nachzudenken. Dazu gehört auch, ein einheitliches Orientierungssystem (EOS) an Schulen zu schaffen. Die Stadt Murrhardt wird nun das Heinrich-von-Zügel-Gymnasium nach dem EOS beschildern. Weitere Schulen sollen folgen.

Das einheitliche Orientierungssystem an Schulen ist eine Entwicklung, in die viele Überlegungen eingeflossen sind und das mittlerweile patentiert ist. Die Federführung lag in den Händen der Polizeidirektion Waiblingen, Sandra Sänger vom Haus der Prävention stellte das EOS kürzlich im Murrhardter Gemeinderat vor. Bei Gewaltvorfällen an Schulen greifen seit einigen Jahren bestimmte Vorschriften und Verhaltensregeln, die das Kultusministerium festgehalten hat. Sandra Sänger nannte als Beispiele einen geschützten Bereich für Krisenfälle, ein charakteristisches Alarmsignal und Lautsprecherdurchsagen.

Eine wichtige Rolle fällt auch dem Orientierungssystem an Schulen zu, das Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr bei einem Notfall gleichermaßen hilft. Sandra Sänger umriss ein Szenario: Wenn ein Rettungsassistent an einem großen Schulzentrum in den Chemiesaal kommen soll, aber nicht ortskundig ist, findet er sich ohne klare, einheitliche Beschilderung nicht so schnell zurecht. Vor drei Jahren haben Kollegen die Probe aufs Exempel gemacht und untersucht, wie groß der Zeitunterschied mit und ohne EOS ausfällt. Das Ergebnis: elf Minuten. „Das ist beachtlich, in elf Minuten können Sie eine Menge anstellen“, sagte Sandra Sänger.

Zum System gehört eine konsequente Erfassung sowie klare Kennzeichnung von Gebäuden, Eingängen, Notausgängen und Räumen. Jedes Gebäude erhält eine unterschiedliche Farbe, die Räume sind von links nach rechts durchnummeriert, wobei die Ebene vor der Raumnummer aufgeführt ist. Sandra Sänger hat es vor einer Umstellung auf das System nämlich schon erlebt, dass ein Zimmer mit der Nummer 324 sich eben nicht im dritten Stock, sondern im Erdgeschoss befand und Putzräume überhaupt nicht nummeriert waren. „Wenn ein Lehrer zusammenbricht, der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht und die Schüler einen Notruf absetzen, verlieren wir keine wertvolle Zeit“, sagte sie.

Teil des einheitlichen Orientierungssystems sind Lagepläne des Schulgebäudes, die Polizei und Rettungsdienst nutzen können. „So ist es möglich, die Kollegen schon auf ihrem Weg per Telefon genau zu lotsen.“ Auch an Sondersituationen ist gedacht: Weil es sein kann, dass sich sehr viele Schüler in einem Klassenraum aufhalten, gewährleistet neben einem Schild außen vor dem Raum auch eines im Innern über der Tür, dass alle wissen, wo sie sich im Gebäude befinden.

Für Gelände und größere Innenräume muss entschieden werden, an welcher Stelle Überblicktafeln und sogenannte Vorwegweiser hilfreich sind. Die Polizei wird die Umsetzung überprüfen und abnehmen. „Wichtig ist uns auch, dass wir die aktuellen, exakten Gebäudepläne bekommen.“ Das EOS hat sich als System nicht nur kreis- und landesweit, sondern auch in anderen Schulen in der Bundesrepublik bewährt, genauso wird es teils auch im Ausland eingesetzt, berichtete Sandra Sänger auf Nachfrage von Georg Devrikis (CDU-FWV). Im Rems-Murr-Kreis seien schon fast alle, vor allem große Schulen, teils auch private, mit dem EOS ausgestattet. Ein Spezialfall seien Schulen für Behinderte, da hier besondere Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssten, wie beispielsweise Sprachprobleme. „Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Schulen komplett ausstatten, letztlich sollte man auch die Kindergärten nicht vergessen.“

Die Kosten für das einheitliche Orientierungssystem liegen bei rund 22440 Euro. In Absprache mit dem Gymnasium werden auf den Außenschildern der Zimmer auch die Namen der Klassenlehrer angebracht. Im Murrhardter Gemeinderat bestand völlige Einigkeit über die Notwendigkeit des Vorhabens. „Ich hoffe, dass wir das EOS wenig oder gar nicht brauchen. Trotzdem muss die Orientierung im Notfall funktionieren“, sagte Hartmann Widmaier (MD/AL). „Genau genommen gehört das in jedes öffentliche Gebäude“, meinte Markus Blank. Nach dem einstimmigen Beschluss wird sich eine Fachfirma um die Installation des Orientierungssystems am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium kümmern und das Stadtbauamt um die Planerstellung.