Mit der Ehe die Erinnerung an die Heimat bewahrt

Elisabeth und Josef Schiller aus Sulzbach an der Murr feiern heute ihre eiserne Hochzeit

Elisabeth und Josef Schiller leben im Seniorenheim Gronbachmühle. Foto: J. Fiedler

Von Hans-Christoph Werner

SULZBACH AN DER MURR. In der Partnerstadt Backnangs, im ungarischen Bácsalmás, wurde Elisabeth Schiller geborene Baumhakl im Jahr 1923 geboren. Die Eltern arbeiteten in der Landwirtschaft und so tat sie es, nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, auch. Als die russische Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Ungarn zurückeroberte, bedeutete das für die deutschstämmigen Bewohner des Landes Unheil. Mit vielen anderen wurde Elisabeth Schiller 1944 nach Russland verschleppt. In einer Kohlegrube musste sie schwere körperliche Arbeit leisten.

Eine furchtbare Erfahrung für sie. Durch den Kohlestaub holte sie sich eine Asthma-Erkrankung, durch Steinschlag zog sie sich eine Verletzung an der Wirbelsäule zu. Als sie nach fünf Jahren 1949 in ihre alte Heimat zurückkehrte, stand sie allein da. Die Eltern waren zwischenzeitlich nach Deutschland geflohen. In dem an der Donau gelegenen Baja in Südungarn kam sie bei Bekannten unter. Auf der Straße beim Spaziergehen lernte sie ihren Ehemann Josef Schiller, Jahrgang 1928, kennen. Drei Jahre später, im Jahr 1952, haben die beiden geheiratet. Gemeinsam zogen sie nach Zamárdi an den Plattensee. In dieser beliebten Urlaubsregion arbeitete sie in einem Erholungsheim. Josef Schiller stellte in der Stadt die Post zu. Zwischenzeitlich hatte Elisabeth Schiller Nachricht von ihren Eltern in Deutschland erhalten. Und so versuchte sie, die Genehmigung für eine Besuchsreise zu erhalten. Dreimal wurde das abschlägig beschieden. Durch Beziehungen wurde es dann doch möglich. Die Schillers reisten nach Deutschland. Und blieben dort, Haus und Hof in Ungarn zurücklassend. Wohnung und Arbeit fanden sie beide zunächst in Bietigheim.

Weil die Erinnerung verschwimmt, lässt sich dies jahreszahlmäßig nicht mehr genau festmachen. Der Zufall wollte es, dass sie sowohl in Bietigheim wie auch später in Murrhardt an Arbeitgeber gerieten, die ungarischer Abstammung waren. In den 60er-Jahren muss es gewesen sein, dass sie ein Häuschen in der Theodor-Heuss-Straße in Sulzbach erwarben und beide eine Stelle in einem Metall verarbeitenden Betrieb antraten.

Zeitlebens haben die Schillers die Erinnerung an ihre alte Heimat bewahrt. Beide sprechen sie sowohl Deutsch wie auch Ungarisch. Ja, sie waren auch mal besuchsweise dort, aber erst, als sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatten. Wenn sie gekocht hat, so sagt Elisabeth Schiller, so sei sie der ungarischen Küche gefolgt. In dem Garten neben ihrem Häuschen wuchsen dazu reichlich Paprika und Tomaten.

Seit zwei Jahren wohnt Ehepaar Schiller im Seniorenheim Gronbachmühle. Hier werden sie auch ihr Fest der eisernen Hochzeit begehen.