Frischen Wind mitgebracht

Weibliche Mitglieder der Familie Schif erfüllen wichtige Aufgaben im Landfrauenverein in Großerlach

Sie sind noch „echte“ Landfrauen, also in der Landwirtschaft tätig, waren aktiv beteiligt an der Gründung des Landfrauenvereins Großerlach oder bekleiden nun wichtige Ämter: Vielseitiges ehrenamtliches Engagement zeichnet die Frauen aus der Familie der Vorsitzenden Simone Schif aus.

Von links: Karin Wolf, Ursula Wieland, Jessica Wolf, Simone Schif, Andrea Schif und Sieglinde Schif. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

 

GROSSERLACH. Darum sind Familien- und Vereinsgeschichte eng verflochten: „Meine Großmütter Sieglinde Schif und Ursula Wieland sowie meine Mutter Andrea Schif waren Gründungsmitglieder“, erklärt die 28-jährige Vorsitzende Simone Schif. „Elisabeth Niepenberg, Fachlehrerin am damaligen Landwirtschaftsamt Backnang, hat uns dazu motiviert, einen Landfrauenverein zu gründen“, erzählt die 77-jährige Ursula Wieland. Dies geschah im Februar 1990 im Gasthaus „Ochsen“ in Neufürstenhütte.

Die 24 Gründungsmitglieder des Landfrauenvereins Großerlach traten zugleich dem Landfrauenverband Württemberg- Baden bei und trafen sich fortan einmal im Monat „zu geselligem Beisammensein, Basteln und Handarbeiten“, erzählt die 52-jährige Andrea Schif. „Vorher konnten viele Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiteten, keine Veranstaltungen besuchen. Aber nun hatten wir selbst eine Plattform, um uns zu treffen und auszutauschen, gemeinsam unsere Interessen und Hobbys zu pflegen oder etwas zu unternehmen.

Kurz darauf bildete sich die Gymnastikgruppe zum Fitbleiben, und im August 1991 veranstaltete der Landfrauenverein zum ersten Mal die Sichelhenket, das alte bäuerliche Fest der Kornernte. Mit ihren Familien und Gästen feierten die Landfrauen einen Dankgottesdienst auf einem Getreidefeld bei Neufürstenhütte. Mit Sicheln mähten Landmänner noch einige Getreidegarben ab, die sie auf einem Leiterwagen zum Dorfgemeinschaftshaus fuhren, wo das fröhliche Fest stieg. Seitdem ist die Sichelhenket Hauptfest des Landfrauenvereins, Besuchermagnet für die Großerlacher und viele Gäste aus dem Umkreis.

Ebenfalls seit 1991 besteht die Volkstanzgruppe, die bei Veranstaltungen in und außerhalb der Gemeinde sowie des Landesverbands auftritt, und 1995 folgte die Kindertanzgruppe. „Meine Großmütter und meine Mutter unterstützen den Verein tatkräftig: Sie backen Kuchen für Veranstaltungen, spenden Tannenreisig für den Osterschmuck am Rathaus, helfen bei der Sichelhenket mit, spenden Blumen für Dekorationen und beteiligen sich an Veranstaltungen und Ausflügen“, hebt Simone Schif hervor.

Ihre 78-jährige Oma Sieglinde macht seit Langem in der Gymnastikgruppe mit, ihre 48-jährige Tante Karin Wolf ist seit 1992 Mitglied und hat von Anfang an im Vorstand mitgearbeitet, erst als Beisitzerin, danach als Schriftführerin. Seit vier Jahren ist Wolf stellvertretende Vorsitzende und bewältigt ein vielfältiges Aufgabenspektrum. „Sie unterstützt mich bei der Planung und Organisation der Veranstaltungen. Ihre 14-jährige Tochter Jessica ist seit 2011 Juniormitglied, war jahrelang in der Kindertanzgruppe und macht nun in der Volkstanzgruppe mit“, berichtet Simone Schif.

Griffig fasst die Vorsitzende die Ziele des Landfrauenvereins Großerlach zusammen: „Wir wollen die Traditionen auf dem Land bewahren und pflegen, indem wir alte Bauernbräuche im Jahreslauf feiern“, auch wenn heute die meisten Mitglieder keinen landwirtschaftlichen Hintergrund mehr haben. Zentrale Bedeutung hat das vielseitige Bildungsund Veranstaltungsprogramm. „Mit einem breiten Spektrum aus aktuellen sozialen, kulturellen, hauswirtschaftlichen und politischen Themen tragen wir zur Erweiterung des Wissens bei. So werden in Theorie und Praxis Zusammenhänge und Fähigkeiten vermittelt, die jede Frau in ihrer persönlichen Lebenssituation stärken.“

Aktuell sind 90 Mitglieder dabei, davon vier Juniormitglieder

 

Das Vorstandsteam habe Ideen für attraktive Aktivitäten und Veranstaltungen verschiedenster Art entwickelt, wodurch der Verein weitere Mitglieder gewonnen habe und sich nun durch eine harmonische Mischung der Generationen auszeichne. „Unser Ziel ist die Bildung für alle, darum bieten wir viele Vorträge und Kurse umsonst an, die sonst nicht wahrgenommen werden könnten“, erläutert die Vorsitzende. Sie hat eine Vielzahl verschiedener Aufgaben zu erfüllen, deren Bandbreite von der Vereinsverwaltung bis zur Öffentlichkeitsarbeit reicht. Im Zentrum steht die Ausarbeitung des Bildungs- und Veranstaltungsprogramms, wofür die Vorstandssitzung Vorschläge sammelt. Der Landfrauenverband Württemberg-Baden stellt als Arbeitsgrundlage eine Liste der Vortragsthemen und Referenten zur Verfügung. Die Öffentlichkeitsarbeit umfasst die Erstellung und Betreuung der Auftritte des Landfrauenvereins im Internet und in den sozialen Medien, Berichte und Bekanntmachungen fürs Gemeindemitteilungsblatt, die Internetseite sowie Werbematerialien für Veranstaltungen, deren Organisation und Leitung weitere Tätigkeitsschwerpunkte sind.

Hinzu kommt die Verbandsarbeit mit Besuchen der Tagungen der Kreislandfrauen Rems-Murr, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Mit jugendlichem Schwung und Idealismus legt sich Simone Schif ins Zeug für den Landfrauenverein mit aktuell 90 Mitgliedern, davon vier Juniormitgliedern. Doch werde die Vereinsverwaltung wegen der zunehmenden Bürokratie immer umfangreicher und zeitaufwendiger, räumt sie ein. Bereits als Kind sei sie in den Landfrauenverein hineingewachsen: „Simone war von Anfang an immer dabei, ich nahm sie mit zu unseren Treffen und Veranstaltungen, weil ich sie nicht zu Hause allein lassen wollte“, erinnert sich ihre Mutter Andrea Schif. „Auch viele andere Landfrauenkinder gingen gerne mit, vor allem bei Ausflügen, die spannende Abenteuer waren“, betonten die Mitgründerinnen des Landfrauenvereins.

„Vor 10 Jahren, als ich 18 Jahre alt war, wurde ich Mitglied, und auf Anfrage der damaligen Vorsitzenden Edith Beck war ich bereit, im Vorstandsteam mitzuarbeiten. Die Mitgliederversammlung wählte mich zur Beisitzerin, das war ein guter Einstieg. Und als Edith Beck vor sechs Jahren ihr Amt abgab, wählten die Landfrauen mich zur Vorsitzenden“, verdeutlicht Simone Schif.

Sie habe „frischen Wind und viele neue Ideen“ mitgebracht: „Ich wollte, dass der Verein sich im Interesse aller Mitglieder weiterentwickelt, und es war mir wichtig, neue und junge Mitglieder zu gewinnen. Damit war ich auch erfolgreich, da ich dafür sorgte, dass unser Bildungs- und Kursangebot vielseitiger wurde“, berichtet die Vorsitzende. Ein zentrales Anliegen ist ihr die Jugendarbeit: „Gerade in der heutigen Zeit gilt es, Jugendlichen attraktive Angebote zu machen, die wichtige soziale Kompetenzen fördern, wie die Tanzgruppen.“ Weiter wolle sie neue Ideen umsetzen, um jüngere Landfrauen dafür zu motivieren, sich im Verein zu engagieren. „Wir sind stolz darauf, dass wir die jüngste Landfrauenvereinsvorsitzende im Kreis haben“, betont Großmutter Sieglinde. Und im Herbst will Simone Schif für den Kreisverbandsvorstand kandidieren.