Netzwerk erleichtert Existenzgründung

Start-up-Veranstaltung des Gewerbevereins Backnang – Netzwerk für Existenzgründer und Jungunternehmer

Wer sich selbstständig machen will, braucht mehr als eine Idee. Ein gutes Netzwerk ist unverzichtbar, wenn die Existenzgründung gelingen soll. Auf Einladung des Gewerbevereins Backnang waren rund 80 Interessierte ins Universum-Kino gekommen, um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Der Jungunternehmer Boris Wick berichtete von seinem Schritt in die Selbstständigkeit.

Beim Interview mit Boris Wick, einem erfolgreichen Existenzgründer, bei der Start-up-Veranstaltung des Gewerbevereins Backnang. Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

BACKNANG. Gemeinsam tut man sich leichter. Diese Erkenntnis, die so alt wie die Menschheit ist, führte dazu, dass sich 95 Handwerker in Backnang 1848 zu einem Verein, dem heutigen Gewerbeverein, zusammenschlossen. Inzwischen gehören ihm 192 Selbstständige aus Handwerk, Handel und Dienstleistungen an, wie der erste Vorsitzende Lothar Buchfink erläuterte. Dass derzeit die Zahl der Existenzgründungen rückläufig ist, führte Buchfink darauf zurück, dass die junge Generation sehr behütet aufgewachsen sei. Dadurch hätten weniger junge Leute den Mut, neue Wege zu gehen.

„Sie sind die Hauptpersonen in Ihrem eigenen Film“, wandte sich Annegret Eppler vom Universum-Kino bei ihrer Begrüßung an die Besucher. Und wie ein Filmproduzent Co-Produzenten an seiner Seite braucht, ist auch ein Unternehmensgründer auf Unterstützer angewiesen. Als solche stellten sich bei der 1. Start-up-Veranstaltung des Gewerbevereins mehrere Firmen vor. Jürgen Schwab von der Volksbank Backnang wies auf die Finanzdienstleistungen seines Hauses für Existenzgründer hin. Die Kommunikationsagentur bemarkenswert, vertreten durch Detlef Sanwald, begleitet seit 30 Jahren mittelständische Unternehmen.

Volker Pohl von der Kreissparkasse Waiblingen wies auf den Rems-Murr-Gründerwettbewerb hin, der einem Start-up-Unternehmer die Gelegenheit biete, seinen Businessplan von Experten prüfen zu lassen. Die Firma PMConsulting berät kleine und mittlere Unternehmen unter anderem bei der Existenzgründung, wie Geschäftsführer Jürgen Scherzinger ausführte. Ein weiterer Kooperationspartner, die Firma Beïs Creations, zeichnete für den technischen Ablauf der Präsentation verantwortlich.

In seinem Vortrag beschrieb Ralf Binder, Wirtschaftsförderer der Stadt Backnang, drei Beispiele für erfolgreiche Existenzgründungen. Zum einen eine Wiedereinsteigerin, die sich nach der Familienphase als Schneiderin selbstständig machte. Sie bot ihre Produkte zunächst über das Internet an und eröffnete später ein Einzelhandelsgeschäft. Zum anderen ein Online-Unternehmer, der neue Firmen anmeldet und sie danach an die Gründer übergibt. Und ein ehemaliger Mitarbeiter eines Konzerns, der mit breitem Know-how und einem bestehenden Netzwerk sein eigenes Unternehmen in einer Garage startete.

Binder führte aus, auf welche Weise er einen Start-up-Unternehmer unterstützen kann: Er kann bei der Anmeldung eines Gewerbes und bei der Suche nach einer Immobilie behilflich sein, als Lotse durch die Verwaltung fungieren, Termine und Netzwerke organisieren und generell als Berater tätig sein.

Einer, der den Schritt in die Selbstständigkeit schon hinter sich hat und ihn nicht bereut hat, ist Boris Wick. Im Gespräch mit Annegret Eppler berichtete der 39-jährige Jungunternehmer über seinen Werdegang. Er arbeitete nach seiner Ausbildung als Schriftsetzer neun Jahre in einer Werbeagentur. Dann hatte er den Wunsch, eigene Ideen umzusetzen. „Ich versuch’s jetzt einfach“, dachte er sich, nahm ein Darlehen von 80000 Euro auf und gründete 2015 in Gschwend die Firma Boris Wick, die Verpackungen im Auftrag von Einzelhandelsunternehmen und Werbeagenturen entwickelt und eine Schnittstelle zwischen Design und Endprodukt bildet. „Es ging gleich von null auf hundert“, berichtete Wick, „ich habe viel genetzwerkt, auch online.“

„Mit dem Businessplan

habe ich sehr kämpfen müssen“

Von Eppler auf mögliche Startschwierigkeiten angesprochen, gab Wick zu: „Mit dem Businessplan habe ich sehr kämpfen müssen.“ Generell seien die Informationen zu allgemein gehalten und es gebe zu viele Anlaufstellen. In der Gründungsphase seiner Firma habe er sich einen Gesprächspartner gewünscht, der in einem ähnlichen Bereich tätig ist und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Er riet Start-up-Unternehmern, den Fokus auf ihre Geschäftsidee zu legen und sich von niemandem davon abhalten zu lassen. Wichtig sei es, nicht erst in schwierigen Zeiten Akquise zu betreiben, sondern auch in guten Phasen.

Beim anschließenden Imbiss hatten die potenziellen Existenzgründer Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich mit Experten auszutauschen. Eine von ihnen ist Nicole Hotzy aus Backnang. Die junge Architektin hat nach dem Studium in einer PR-Agentur gearbeitet und möchte sich als Texterin im Bereich Architektur und Interior Design selbstständig machen. Texte für Webseiten, Blogs, Newsletter, Präsentationen oder Kataloge: „Das ist meine Nische“, beschreibt sie ihre Geschäftsidee. Am heutigen Abend habe sie einen wertvollen Tipp für ihre Krankenversicherung als Selbstständige bekommen. Und ganz allgemein sei es hilfreich, zu erfahren: „Man ist nicht allein. Andere haben mit dem Gleichen zu kämpfen.“