Olympia als Vision, WM-Silber in der Hand

Viel Lob für Vizeweltmeisterin Viola Brand beim Empfang in Weissach – Kunstradsportler wollen zu den Olympischen Spielen

Zumindest in Weissach war das Interesse schon mal richtig groß beim Empfang für Vizeweltmeisterin Viola Brand. Bei vereinzelten Auftritten im Rampenlicht wollen es die Kunstradsportler jedoch nicht belassen. Ein Start bei den Olympischen Spielen ist der Traum, den auch die 23-jährige Studentin lebt. Im Bürgerhaus durfte sie einmal mehr das Gefühl auskosten, umjubelt im Mittelpunkt zu stehen.

Grund zum Anstoßen im Unterweissacher Bürgerhaus: Kunstradfahrerin Viola Brand und ihre zweite WM-Silbermedaille nacheinander.Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Sportliche Erfolge hat Viola Brand schon viele gefeiert. 2017 toppte aber alles, was die frühere Junioren-Europameisterin und Vizeweltmeisterin des Vorjahres zuvor erzielt hatte. Erst der deutsche Meistertitel in Hamburg und nun in Dornbirn erneut Rang zwei bei der Weltmeisterschaft. Viel besser geht es im Kunstradfahren nicht. Noch nicht. Denn die attraktive Randsportart hat hohe Ziele: Nächstes Jahr gibt es das erste Mal eine Weltcup-Serie mit Wettkämpfen im tschechischen Prag (10. Februar), dem niederländischen Heerlen (30. Juni), in Hongkong (12. August) und im württembergischen Erlenbach (17. November). Hinzu kommt noch die WM im belgischen Lüttich Ende November sowie Anfang Juni eine sogenannte Europameisterschaft der Elite in Wiesbaden.

Ihren wohl größten Kampf führen die Hallenradsportler allerdings im Versuch, möglichst rasch Bestandteil der Olympischen Spiele zu werden. Ein Bestreben, bei dem nicht nur Grazie und Können, sondern auch fürchterlich viel Ausdauer gefragt sein wird. Die nunmehr zweifache Vizeweltmeisterin vom RSV Unterweissach unterstützt den Kampf und ist deshalb nicht nur auf dem Rad, sondern auch in den verschiedensten Medien sehr aktiv. Zum Beispiel auf Kanälen wie Instagram und Facebook. „Wir betreiben einfach eine schöne Sportart und diese möchte ich vielen Menschen auf der Welt bekannt machen. Mittlerweile habe ich über 50000 Follower. Und das auf allen Kontinenten“, verriet Viola Brand bereits in Dornbirn. Fast 3000 Zuschauer waren in der dortigen Messehalle vor Ort dabei und auf mehr als eine Million wird die Zahl an Menschen geschätzt, die am Fernseher bei der Liveübertragung des ORF sowie per Stream im Internet den Kunstradkrimi im Frauen-Einer verfolgten, in dem die in Miedelsbach wohnende RSV-Fahrerin nach einer Weltklassekür (183,29 Punkte) Rang zwei belegte und nur hauchdünn von ihrer deutschen Teamkollegin Milena Slupina (Bernlohe, 184,22) bezwungen wurde.

Weissachs Bürgermeister Ian Schölzel urteilte: „Zwei Deutsche lieferten zwei Weltklasseübungen ab.“ Er lobte bei der Feier des Täles-Vereins für seine Vizeweltmeisterin: „Besser kann man’s nicht machen.“ Für den Rathauschef war das knapp verpasste Gold nebensächlich. Zweimal in Folge Vizeweltmeisterin zu werden, sei toll. Und, so der Bürgermeister: „Aller guten Dinge sind drei.“

Dass es nicht der erste Empfang für Viola Brand im Bürgerhaus war, verdeutlichte der RSV-Vorsitzende Henry Ehring. Er freute sich: „So langsam wird dieser vorweihnachtliche Termin zur festen Größe in Weissach.“ Ehring erinnerte daran, dass im Frauen-Einer nicht nur die WM-Wettkämpfe, sondern „die ganze Saison eng war“. Was er ebenfalls herausstrich, war die starke Leistung seiner Sportlerin in Dornbirn. Denn: „Nach der Kür bist du vom Rad gestiegen und man hat die Zufriedenheit gesehen.“

Ex-Gemeinderat Bernd Hecktor stellte fest, dass „Titel nicht erst am Tag des Geschehens gewonnen werden, sondern Wochen, Monate und Jahre zuvor im Training“. Mühen und Schweiß allein seien es aber nicht, erklärte der passionierte Radfahrer und ehemalige stellvertretende Bürgermeister Weissachs, sondern auch die Unterstützung des Umfelds. Bei Viola Brand sind es zum Beispiel Mutter Heike, die ja auch die Trainerin ist, und Violas älterer Bruder Manuel, selbst Fünfter der deutschen Meisterschaft bei den Männern in diesem Jahr und wichtiger Mann im Hintergrund, „der dich, Viola, mitträgt“, so Bernd Hecktor.

Die Vielgelobte selbst bekannte: „Diese WM war mein bisher schönstes Weltmeisterschaftserlebnis.“ Erstens wegen „der fast perfekten Bedingungen“ und zweitens, „weil ich zum ersten Mal ohne Angst in einen WM-Wettkampf gegangen bin“, wie die 23-Jährige von ihrer insgesamt vierten Weltmeisterschaftsteilnahme erzählte. Ihre Erklärung dafür: „Mein Ziel war und wird künftig sein: Ich fahre eine gute Kür und dann sieht man, was dabei rauskommt.“ Diesmal war es das zweite WM-Silber in Folge. Sehr schön. Aber: „Natürlich möchte ich auch mal Gold.“ Am besten bei Olympia, doch der Weg dahin ist selbst für eine äußerst ehrgeizige und fleißig trainierende Kunstradsportlerin noch in unerreichbarer Ferne. Selbst nach ihrem bislang erfolgreichsten Jahr.