Sechstes Kapitel der Erfolgsstory geplant

Mit dem Heimvorteil zum deutschen Meistertitel: Waldremser Fünfer-Radballer wollen am Samstag ein weiteres Mal triumphieren

Schon fünfmal ging die deutsche Meisterschaft im Fünfer-Radball nach Waldrems. Der Backnanger Stadtteil wird seinem Ruf als Hochburg der Sportart also auch in dieser Disziplin gerecht und will der Erfolgsstory nun ein sechstes Kapitel hinzufügen. „Der Titel ist unser klares Ziel“, sagt Trainer Thorsten Völk und setzt bei der Endrunde der fünf besten Teams am Samstag ab 11 Uhr in der Karl- Euerle-Halle auch auf den Heimvorteil.

Sind bereit, auch mal einen Treffer wegzustecken, und wollen am Ende feiern: Die Waldremser Fünfer-Radballer um David Piesch.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Tim Lindner kann aus eigener Erfahrung beurteilen, was ein Triumph für die RSV- Radballer bedeuten würde. „Für die Jungs hätte der Titel einen großen Stellenwert“, betont der 38-Jährige, der mit dem Fünfer aus Waldrems zweimal deutscher Meister und bei den Endrunden jeweils Torschützenkönig wurde: 2002 wurde in Rüsselsheim gefeiert, im Jahr drauf in Backnang. „Die alte Garde hat es 2003 geschafft, in der Karl-Euerle-Halle den Titel zu holen“, kitzelt Tim Lindner die aktuellen Hauptdarsteller ein wenig. „Jetzt wollen es die Jungs nachmachen.“ Erst recht, weil dieselbe Truppe vor drei Jahren schon einmal die Möglichkeit hatte, vor eigenem Publikum zu jubeln, sich damals aber mit Rang zwei zufriedengeben musste. 2015 reichte es dann jedoch zum insgesamt fünften Titel. Kapitän Marcel Schüle und die Kollegen wissen also, dass es klappen kann.

Weil Tim Lindner die Zahl der Fünfer-Radball-Teams in Deutschland auf nur etwa 20 schätzt, ist aber auch klar, „dass der Titelgewinn im Zweier höher einzuschätzen ist“. Hier gibt es eine Vielzahl von Ligen, der RSV Waldrems war im Oberhaus in der vergangenen Saison mit zwei Duos vertreten: mit Björn Bootsmann und Marcel Schüle sowie mit den Frey-Brüdern. Alle vier Spieler zählen am Samstag auch zum Fünfer-Team, doch sie müssen sich auf ganz andere Bedingungen einstellen.

  Die Unterschiede zwischen Zweier- und Fünfer-Radball: Für die Variante mit zwei Spielern reichen ein Feld mit 11x14 Metern, wie es in der Radsporthalle in Waldrems zur Verfügung steht, und ein quadratisches Tor mit jeweils zwei Metern Breite und Höhe. Für die in den Siebzigern entwickelte Fünfer-Version braucht es dagegen ein Handballfeld mit 40x20 Metern sowie das entsprechende Tor (3x2 Meter). Passend dazu ist der Strafraum, in dem der Keeper die Hände benutzen darf, größer, und die Strafstöße werden aus sieben statt aus vier Metern abgefeuert. Auch die Spielzeit unterscheidet sich deutlich: Unterbrochen von der Halbzeit, treten Duos nur 14 Minuten gegeneinander an, bei den Fünfer-Radballern sind es 30 Minuten.

  Die Aufgaben der Spieler: Weil es beim Fünfer-Radball zu weit weniger Torchancen kommt, hat Torwart Markus Weller laut Tim Lindner „nicht so viele Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, wie es beim Zweier-Radball der Fall ist. Er muss da sein, wenn es brenzlig wird.“ Bedeutet, die Konzentration auch dann hochzuhalten, wenn vermeintlich keine Gefahr droht.

In der Abwehr setzt Waldrems anfangs wohl auf Martin Frey in der Rolle des letzten Mannes und auf Kapitän Schüle, dessen Aufgaben Lindner so beschreibt: „Er ist für den Spielaufbau zuständig und soll die Angreifer füttern.“ Dritter im Bunde ist Tobias Herczeg, der aber kein Ersatzspieler im herkömmlichen Sinne ist, sondern häufig aufs Spielfeld beordert wird, weil Trainer Thorsten Völk in der Defensive und in der Offensive auf Blockbildung setzt und allen Akteuren auch immer wieder Verschnaufphasen gönnen will.

Im Angriff sieht Völk in David Piesch einen „Vollblutstürmer“, aber auch Björn Bootsmann und Christian Frey wissen, wo die Kiste steht. „Es geht einfach darum, die Dinger rein zu machen“, bringt es Lindner auf den Punkt. Möglichst oft, das würde die Titelchancen deutlich erhöhen. Als Ersatz ist Andreas Bertsch gemeldet.

  Die größten Rivalen des RSV Waldrems: Es reicht ein Blick auf die Tabelle nach drei Bundesliga-Spieltagen, an denen im Zehner-Feld fünf Endrundentickets ausgespielt wurden, um die Favoriten benennen zu können. „Ich gehe davon aus, dass es Ginsheim, Waldrems und Krofdorf unter sich ausmachen“, sagt Lindner, „aber auch Ailingen und Gärtringen sind nicht zu unterschätzen.“ Der RSV hatte sich gegen Ginsheim (0:1) und Gärtringen (1:2) Niederlagen erlaubt und war deshalb nur Zweiter geworden. Trotzdem spricht Tim Lindner seinen Vereinskollegen Mut zu: „Sie haben das Zeug zum Titelgewinn.“

Die Spiele am Samstag ab 11 Uhr im Überblick: Ginsheim – Gärtringen, Waldrems – Ailingen, Krofdorf – Gärtringen, Ginsheim – Ailingen, Waldrems – Krofdorf, Ailingen – Gärtringen, Ginsheim – Krofdorf, Waldrems – Gärtringen, Ailingen – Krofdorf, Ginsheim – Waldrems.