Landkreis untersucht Autobahn für Fahrräder

Die neuen Schnellwege sollen Straße und Schiene entlasten – Machbarkeitsstudien werden vom Land gefördert

So wie bei Mülheim an der Ruhr könnten die Radschnellwege zukünftig aussehen. Foto: Imago

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Vorfahrt für den Drahtesel: Auf zwei, vielleicht sogar drei Strecken im Rems-Murr-Kreis könnten Schnellwege für Fahrräder entstehen. Entsprechende Machbarkeitsstudien will der Landkreis jetzt für die Verbindungen zwischen Schorndorf und Waiblingen sowie zwischen Waiblingen und Ludwigsburg in Auftrag geben. Eine weitere Untersuchung für die Strecke Backnang–Waiblingen könnte folgen.

Der Plan klingt nach Zukunftsmusik. SPD-Fraktionschef Klaus Riedel ist aber überzeugt: „Es wird kommen.“ Zweifel und Vorbehalte stellen aus seiner Sicht „eine typisch schwäbische Diskussion“ dar, die an den einstigen Streit um Fußgänger- und Tempo-30-Zonen erinnere. Beides ist dann schneller wahr geworden, als die Skeptiker glaubten.

Radschnellwege sind jedenfalls im Koalitionsvertrag der Landesregierung enthalten. Bis 2025, so das Ziel, sollen im Land zehn solche Verbindungen realisiert werden, um die Hauptverkehrsachsen von Straße und Schiene zu entlasten. Stuttgart fördert daher die Machbarkeitsstudien mit 80 Prozent der Kosten. Sprich: Von den Kosten für die beiden ersten Untersuchungen in Höhe von 157000 Euro bleiben knapp 24000 Euro am Landkreis hängen. Der Kreis Ludwigsburg beteiligt sich zudem mit knapp 8000 Euro an der Studie für die kreisübergreifende Strecke.

Die künftigen Highways für Bikes sollen komfortabel ausgestattet sein. Vorgesehen ist eine Breite von vier Metern, damit vier Radfahrer aneinander vorbeikommen. Die Strecken sollen Distanzen von mindestens fünf Kilometern überbrücken, wenig Steigung aufweisen, beleuchtet sein, eine hohe Belagsqualität haben und auch bei hohen Geschwindigkeiten von 30 Stundenkilometern sowie in den Wintermonaten sicher befahrbar sein. Angestrebt wird möglichst wenig Berührung mit dem motorisierten Fahrzeugverkehr, eine direkte und umwegfreie Linienführung und eine Bevorrechtigung, um Zeitverluste durch Anhalten zu vermeiden. Von der Fahrradautobahn abgetrennt soll noch ein zwei bis zweieinhalb Meter breiter Fußgängerstreifen angebaut werden. Ungeklärt ist allerdings bislang, wie Straßenbauamtsleiter Matthias Straus im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags sagte, wer künftig als Baulastträger und damit als Finanzierer der Radschnellwege auftritt. Landrat Richard Sigel machte deutlich, dass es sich „eigentlich nicht“ um eine Aufgabe des Landkreises handle. Bei den Studien mache man freiwillig mit.

Während Albrecht Ulrich (Freie Wähler) hofft, „dass man möglichst weit kommt“, reagierte Peter Treiber (FDP/ FW) verhalten: „Viel wichtiger wäre, die vorhandenen Radwege instand zu setzen.“ Sein Fraktionskollege Jürgen Hofer warf die Frage auf, ob E-Bikes dann auf dem Radweg oder auf der Straße fahren müssten. Ulrike Sturm (Grüne) begrüßte die Entflechtung von Fußgängern und Radfahrern und empfahl, bereits bestehende Radwege in die Planungen einzubeziehen. „Ob da jemals was realisiert wird“, zweifelte Christoph Jäger (CDU), der schlicht befürchtet, dass das Geld in den Sand gesetzt wird. Die Befürworter träumten von neuen, insgesamt sechs Meter breiten Trassen – dabei gebe es im Kreistag schon große Diskussionen, wenn etwa eine fünf Meter breite Kreisstraße auf fünfeinhalb oder sechs Meter ausgebaut werden soll. Gleichzeitig stellte er die skeptische Frage in den Raum, ob das Thema Artenschutz bei den Radschnellwegen wohl genauso gewichtet werde wie beim Straßenbau. – Bei einer Gegenstimme segnete der Ausschuss die Vergabe der Machbarkeitsstudien ab.