Der Kampfsport ist sein Lebensinhalt

Artur Allerborn hat früher die deutschen Nationalboxer trainiert, richtet aber nun seinen Fokus auf die Talente der Region

Kampfsport und Backnang: Im gleichen Atemzug fällt meist ein Name: Artur Allerborn. Der heute 58-Jährige hat sein Leben auf diesen Sport ausgerichtet – früher als Aktiver und nun als Trainer. Das geht so weit, dass er von Montag bis Freitag in der Trainingshalle ist. An den Wochenenden besucht Allerborn dann Lehrgänge und Wettkämpfe.

Der Backnanger Artur Allerborn hat im Training mit den jungen Kampfsportlern seinen Spaß. Foto: A. Becher

Von Heiko Schmidt

Kurios war, wie Artur Allerborn zum Kampfsport kam. „Ich wollte Musiker werden und habe Trompete gespielt“, berichtet der gebürtige Backnanger. Er schiebt nach: „Bei einem Auftritt des Musikvereins Welzheim war ich in eine Schlägerei gekommen und wollte fortan in den Kampfsport.“ Das war im Alter von zwölf Jahren. Danach hat er vieles ausprobiert. Taekwondo, Kickboxen und Boxen waren zum Beispiel Disziplinen, in denen Allerborn aktiv war.

Doch der 58-Jährige hat die Sportarten nicht nur in seiner Freizeit ausgeübt, sondern machte an der Deutschen Sporthochschule in Köln den Abschluss zum Diplom-Sportlehrer, unter anderem zusammen mit Frank Wieneke, dem Judo-Olympiasieger von 1984. In dieser Zeit war auch Allerborn sehr aktiv. „In allen Verbänden im Vollkontakt war ich deutscher Meister“, erinnert sich der Backnanger. Zudem wurde er auf Rang vier der unabhängigen Weltrangliste geführt. „Ich war aber in keinem Nationalkader“, bedauert der Schwabe im Nachhinein.

Somit konzentrierte er sich anschließend auf die Trainertätigkeit. Da hat es ihm besonders das Boxen angetan. „Das wollte ich schon immer studieren.“ Der Traum wurde nach dem Fall der deutschen Mauer wahr. Nach dem Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig darf er sich Diplom-Trainer nennen. Das und sein Ehrgeiz verhalfen ihm dazu, dass er 1998 der Bundestrainer des Deutschen Amateur-Box-Verbandes wurde. „Ich habe die Vorbereitung der deutschen Boxmannschaft für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney mitgemacht.“

Doch bevor das Feuer in der australischen Metropole angezündet wurde, war für Allerborn als Bundestrainer Schluss. „Der Profisport ist nicht meins, da kann man auf nichts Rücksicht nehmen. Das ist mir zu hart und teilweise zu unmenschlich“, begründet der Backnanger seinen Entschluss. Er kehrte dann in die schwäbische Heimat zurück und arbeitete fortan als Trainer des Kampfsportclubs (KSC) Backnang und der Kampfsportschule, die dann auch seinen Namen trägt. Somit ist er seiner Leidenschaft, dem Kampfsport, treu geblieben. „Ich habe nichts anderes gemacht und werde bestimmt auch nichts anderes machen“, schmunzelt Allerborn, der inzwischen in Burgstall wohnt. Seine Erfahrungen gibt er gerne an jüngere Athleten weiter. „Ich will den Sportlern eine Hilfestellung geben.“ So waren schon eine Reihe seiner Schützlinge bei verschiedenen Welt- und Europameisterschaften auf dem Podest zu finden. Auch Jörg Schwiperich, der heutige Landestrainer der baden-württembergischen Boxtalente, hat auch schon in Backnang trainiert.

Allerborn weiß aber auch: „Ich kann und will den jungen Sportlern die Grundlagen vermitteln und sie für den Leistungssport fit machen.“ Danach sollen die Talente selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen: Ob es ein Hobby bleibt oder es höher hinaus geht. „Wer Profi werden will, der muss zwangsläufig Backnang verlassen“, sagt der Trainer. Er weiß auch, dass die Bedingungen bei den Olympia-Stützpunkten besser als beim KSC und bei der Kampfsportschule sind.

Stolz ist Allerborn jedoch darauf, dass er sich neben dem Boxen auch anderen Kampfsportarten als Trainer widmet, wie das Mixed Martial Arts (MMA), das Schlag- und Tritttechniken des Boxens, Kickboxens, Taekwondo, Muay Thai und Karate als auch die Bodenkampf- und Ringtechniken beinhaltet. Diesen Kampfsportarten kann im Trainingsraum in der Spinnerei in Backnang nachgegangen werden. Der Umzug von der Übungsstätte früher in der Gartenstraße sei gut verlaufen. „Ich bin zufrieden, wie es momentan läuft.“ Allerborn macht auch klar: „Jeder kann, aber ich zwinge niemanden zu etwas.“