Szenen aus Aleppo und Neckarwestheim

Ausstellung: Ayman Ali Mohammed und Ingrid Dürr stellen unter dem Titel „Meine Heimat – Deine Heimat“ in Großaspach aus

In Syrien arbeitete er als Künstler und lebt nun seit über zwei Jahren in Aspach. Seine verlorene Heimat ist immer wieder das Motiv in Ayman Ali Mohammeds Bildern. Jetzt stellt er zusammen mit der Aspacherin Ingrid Dürr im Rathaus der Gemeinde unter dem Titel: „Meine Heimat – Deine Heimat“ aus.

Ingrid Dürr aus Aspach und der Syrer Ayman Ali Mohammed verstehen sich gut: Jeder zeigt in seinen Bildern etwas von seiner Heimat. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

ASPACH. Kunst verbindet – das wird auch in der Ausstellung im Aspacher Rathaus deutlich. Eigentlich war eine Einzelausstellung der Aspacherin Ingrid Dürr geplant, doch durch den Kontakt zur Initiative Awia (Asylbewerber willkommen in Aspach) entstand die Idee zur Doppelausstellung zusammen mit dem syrischen Künstler Ayman Ali Mohammed.

Ingrid Dürr war sofort einverstanden. „Das war eine Selbstverständlichkeit, dass wir das zusammen machen“, sagt sie. „Für mich ist das eine Bereicherung.“ Die ehemalige Lehrerin für Deutsch und bildende Kunst steht schon länger in Kontakt mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern von Awia und hat auch eine Zeit lang Einzelunterricht in Deutsch für einen Asylbewerber gegeben.

Ayman Ali Mohammed stammt aus Aleppo. Dort arbeitete er als Künstler und stellte seine Werke nicht nur in Syrien, sondern auch im Libanon und in Zypern aus, wo er vor dem Krieg eine Zeit lang lebte. Neben seinen freien künstlerischen Arbeiten nahm er auch Auftragsarbeiten an wie Porträtmalerei in Öl und Keramikmalerei.

Nach Großaspach kam der Syrer im Oktober 2015, wo er zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft untergebracht war. Sein außergewöhnliches, künstlerisches Talent wurde schnell entdeckt, und ihm wurden Farben und Malutensilien zur Verfügung gestellt. Später wohnte er in der Flüchtlingsunterkunft in den Containern in der Marbacher Straße. Aber zum Malen brauchte er Ruhe und Platz. Einen Raum im katholischen Gemeindehaus durfte er dafür nutzen. Inzwischen hat der 57-Jährige eine eigene kleine Wohnung in Aspach, wo er sich ausgiebig seiner Kunst widmen kann. Die Möglichkeit zu bekommen, seine Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist für den syrischen Künstler ein Schritt in Richtung Integration. Ganz besonders, wenn er eingeladen wird, zusammen mit einer lokalen Künstlerin auszustellen.

Im Rathaus zeigt er Bilder seiner Heimat Aleppo, die voller Licht und warmer, bunter Farben sind. Er möchte die Stadt mit den sieben Toren zeigen, wie sie vor der Zerstörung war. Auch die Straße, wo er geboren wurde, hat er gemalt. Friedlich flanieren Menschen in der Abendstimmung unter dem Torbogen. Derwische in dynamischer Bewegung gehören zu seinen beliebten Motiven. Seine Sehnsucht nach der Heimat und seiner Familie wird deutlich in drei Bildern, auf denen er seine Frau und die Tochter stilisiert gemalt hat. Vor schwarzem Hintergrund leuchten die Haare seiner Frau wie Flammen. Sie ist mit großen, orientalischen Ohrringen geschmückt. Der Maler möchte damit ausdrücken, dass die Frau dieselbe bleibt, ob Krieg herrscht oder nicht. Das Rot und Gelb des Feuers münden am Bildrand in Grün – die Farbe der Hoffnung.

Den Impressionen über die syrische Heimat sind die Arbeiten von Ingrid Dürr gegenübergestellt. „Mein Spielfeld“ ist der Titel eines Bildes. Wie aus einer Höhle heraus fällt der Blick auf eine Landschaft mit Kirchen und Burgen aus Aspach und Umgebung, die in einer Art Rundgang angeordnet sind. Die Serie „Sprechendes Hühnervolk“ hat sie teilweise mit Texten kombiniert und in Einlinientechnik gemalt, wobei der Tuschestift im gesamten Bild nicht abgesetzt wird. Filigran sind auch die musterhaften Linien in ihren Landschaftsbildern. Bei den Ammonitenbildern „Evolution“ bewegt sie sich spiralförmig von der Gegenwart bis zur Urzeit. Ingrid Dürr möchte die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern Inhalte transportieren, wie beim zweiteiligen Bild „AKW“, bei dem das Atomkraftwerk Neckarwestheim auf instabilem Boden steht. Auch dieses Thema betrifft ihre Heimat.

  Die Ausstellung im Aspacher Rathaus kann noch bis zum 12. Januar 2018 besichtigt werden. Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag von 8.30 bis 12 Uhr und Mittwoch von 8.30 bis 18 Uhr.