Hilfsbereitschaft ist so groß wie noch nie

BKZ-Leser helfen: 110000-Euro-Spendenscheck übergeben – Empfänger freuen sich, Gutes tun zu können

Die Spendenbereitschaft der BKZ-Leser ist größer denn je: 110000 Euro sind bereits auf den beiden Spendenkonten eingegangen, und das ist noch nicht die endgültige Summe, denn die Aktion läuft noch bis Mitte Januar weiter. Trotzdem wurde vor Weihnachten schon einmal ein symbolischer Scheck an die Vertreter der ausgesuchten wichtigen Projekte übergeben.

Scheckübergabe vor dem technischen Betrieb der Backnanger Kreiszeitung im Kuchengrund (von links): Klaus-Dieter Fackler, Werner Stroh, Regine Wüllenweber, Heinz Franke, Kornelius Fritz, Wolfgang Sartorius, Eckart Jost, Martina Zoll, Michael Much, Rosemarie Frank, Thomas Sixt-Rummel, Barbara Monauni, Thomas Nehr und Hardy Müller. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. „Es ist einer der angenehmsten Termine, die ich im Jahreslauf übernehmen darf. Und es ist auch ein gewisser Höhepunkt“, sagte BKZ-Verleger Werner Stroh bei der symbolischen Übergabe des Spendenschecks. Der bisherige Spendeneingang sei sehr erfreulich und ermutigend. „Ich bin immer wieder angetan, was unsere Leser beitragen und welche Summe zusammenkommt. Egal ob zehn Euro oder größere Beträge, jeder Euro zählt“, sagte Stroh und dankte auch BKZ-Redakteur Matthias Nothstein, der mit vollem Engagement die BKZ-Leser-helfen-Aktion betreue. Sein besonderer, herzlicher Dank galt natürlich allen Lesern, „die mit ihrer großen Bereitschaft dafür sorgen, dass wir die Gelder an die Vertreter der Spendenprojekte weitergeben können und Segensreiches damit bewirken“.

Im vergangenen Jahr lag die Spendensumme zu diesem Zeitpunkt bei 100000 Euro. „Diesmal sind wir schon ein ganzes Stück weiter“, freute sich Kornelius Fritz, der in seiner Funktion als Redaktionsleiter zum zweiten Mal den Scheck mit überreichen durfte. Wie im vergangenen Jahr verteile die BKZ aber zum jetzigen Zeitpunkt bewusst noch keine einzelnen Beträge an die Empfänger, weil die Aktion noch bis Mitte Januar weiterlaufe. Bis zum Ende der Aktion werden auch alle Spender namentlich genannt.

Dass die Spendenbereitschaft so hoch ist wie selten zuvor, zeige einerseits, dass es einem Großteil der Bürger in der Region sehr gut geht. Andererseits sei sie auch ein Zeichen dafür, dass auch diesmal wieder viele Projekte dabei sind, die die Leser berührt und dazu bewegt haben, ihren Geldbeutel zu öffnen. Als Beispiel nannte Fritz das Schicksal von Michael Much aus Auenwald, der seit einem Badeunfall vom Hals abwärts gelähmt ist. Aber der 40-jährige vierfache Familienvater gebe nicht auf. Im Gegenteil: Er kämpfe und sei optimistisch, dass sich seine Situation verbessert.

 

Michael Much war dann auch der Erste in der großen Runde der Empfänger, der zu Wort kam. „Mein Fall ist in der BKZ sehr einfühlsam und gut erläutert worden. Dafür sage ich meinen herzlichen Dank. Ganz besonders möchte ich auch dafür danken, dass wir mit in die Leser-helfen-Aktion miteinbezogen wurden, sozusagen als einzige Private. Das ehrt uns sehr und das berührt uns.“ Der Zuspruch, den die Familie von allen Seiten erfahren habe, nicht zuletzt auch wegen der Berichte in der BKZ, sei immens. „Das tut einem sehr gut, wenn man weiß, welchen Rückhalt man hat“, sagte Much.

Das Hauptprojekt innerhalb der Schwerpunkte ist in diesem Jahr die Unterstützung der Hospizstiftung Rems-Murr, die auf dem früheren Krankenhausareal ein neues Hospiz bauen wird. „Was lange währt...“, begann Heinz Franke, die aktuelle Lage beschreibend. Am Montag seien die Planierraupen gekommen und bewegten Erde. „3,3 Millionen Euro müssen wir irgendwie zusammenbekommen“, so der Vorsitzende der Hospizstiftung weiter. Aus diesem Grund freue er sich natürlich, „dass wir wieder dabei sind“. Aber es gehe nicht nur ums Geld, sondern auch ums Bewusstsein, dass diese Arbeit wertgeschätzt und deshalb auch unterstützt wird. „Wir erhöhen die Anzahl der Zimmer von bislang acht auf dann zwölf im neuen Haus.“ Zudem werden am neuen Standort auch die Verwaltung und weitere Schulungs- und Nebenräume untergebracht.

Der Erlacher Höhe liegt in diesem Jahr ein Thema ganz besonders am Herzen: „Wie kommen Menschen in Wohnungsnot nach einem Wohnungsverlust wieder an eine angemessene, bezahlbare Wohnung?“, fragt Wolfgang Sartorius. Der geschäftsführende Vorstand der Erlacher Höhe will symbolisch eine Wohnung kaufen, um einem Bedürftigen Wohnraum zu bieten. „Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, ist sich Sartorius bewusst. Aber mit dieser Aktion wolle er darauf hinweisen, dass in diesem Staat etwas schieflaufe. Er ist optimistisch, im ersten Quartal 2018 eine kleine Wohnung zu finden, und zwar entlang der Schiene Backnang–Murrhardt. Denn Wohnungslose der Erlacher Höhe seien auf den ÖPNV angewiesen.

Ein weiteres Spendenprojekt ist die Backnanger Tafel. Der Verein Kinder- und Jugendhilfe betreibt diese unter vielen anderen Hilfsangeboten im Famfutur in den Räumen des Sozialen Warenhauses. Nach wie vor sei die Tafel „hoch defizitär“, sagte Vorstandsvorsitzender Heinz Franke. Mit Querfinanzierungen klappe es einigermaßen, über die Runden zu kommen. Sobald aber eine vielleicht auch unvorhersehbare Investition anstehe, gehe die Rechnung nicht mehr auf. Bei der Backnanger Tafel versorgen sich laut Franke täglich zwischen 150 und 200 Besucher, die bedürftig sind und Lebensmittel zu stark reduzierten Preisen einkaufen können. Das alles zu organisieren, sei ein Kraftakt. Für die Tafel seien zwei Autos jeden Tag ständig unterwegs. Hinzu kämen Verwaltungstätigkeiten. So freut sich Franke sehr über die Unterstützung der BKZ-Leser.

Die Kleiderkammer des DRK-Ortsvereins Backnang wird ihren jetzigen Standort im Seehofweg verlassen (müssen). „Dieses Jahr hat sich für uns die einmalige Chance ergeben, mit unserer Bereitschaft eine Halle in der Öhringer Straße zu beziehen“, sagt Klaus-Dieter Fackler. Denn auch die Bereitschaft habe ihren Standort in der Mühlstraße verlassen müssen, so der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins weiter. Glücklicherweise sei die neue Halle so groß, dass man die Kleiderkammer integrieren könne. Der notwendige Umbau koste allerdings knapp 20000 Euro. Diese Summe könne der Ortsverein aber nicht stemmen.

Wie in den vergangenen Jahren werden mit den Spenden auch wieder Fördertöpfe verschiedener sozialer Institutionen gefüllt, damit diese schnell und unbürokratisch bedürftigen Menschen helfen können, die akut in einer Notlage sind. Barbara Monauni vom Kreisdiakonieverband Rems-Murr, Diakonische Bezirksstelle Backnang, nennt ein Beispiel: „Es gibt viele Familien, die ein sehr geringes Einkommen haben. Wenn da mal die Waschmaschine kaputtgeht, können wir dank des Spendentopfs aushelfen.“

„Wir können unsere therapeutischen Dienste weiter anbieten“, sagt Thomas Nehr von Diakonie ambulant, Gesundheitsdienste Oberes Murrtal. Weil die Wege zu den Patienten oft weit seien und die Kilometerpauschalen der Krankenkassen nicht ausreichten, seien sie auf diese Art der Unterstützung angewiesen und sehr dankbar dafür.

Den BKZ-Lesern großen Dank sagte auch Thomas Sixt-Rummel. Mit deren Spenden sei es der Katholischen Sozialstation Backnang möglich, Menschen mit kleinem Geldbeutel etwa mit medizinischen Hilfsmitteln zu unterstützen, beispielsweise mit einem Rollstuhl.

Die finanzielle Unterstützung durch die BKZ-Leser kann auch die Diakoniestation Mittleres Murrtal gut gebrauchen, um selbst Leistungen zu erbringen, die nicht refinanziert würden. Als Beispiel nannte Rosemarie Frank Hausbesuche bei jungen Familien, die kurz vor oder nach der Geburt ihres meist ersten Kindes stehen, um diese zu beraten „und passgenaue Hilfe“ anbieten zu können.

Martina Zoll von der Diakoniestation Weissacher Tal denkt auch an jüngere Familien, die durch die Erkrankung eines Elternteils in Not geraten. Für notwendige Umbaumaßnahmen im Haus reichten die eigenen finanziellen Mittel oft nicht aus. „Hier können wir einspringen, durch einen Beitrag beispielsweise für eine Rollstuhlrampe oder einen Badausbau.“

Die Hilfen, die das Kreisjugendamt, Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe, anbietet, sind sehr vielseitig, sagt Hardy Müller. Als Beispiel nannte der Landratsamtmitarbeiter Fahrräder für Kinder, die kurz vor der Fahrradprüfung stünden, die Fahrtkosten für eine Studienfahrt zweier Schwestern oder eine Reittherapie für ein Kind. Wer Hilfe bekommt, das entscheide ein Spendenrat, der aus drei Personen besteht.

Einen großen Dank allen Spendern sagte auch Regine Wüllenweber vom Amt für Familie, Jugend und Bildung der Stadt Backnang. Es sei eine große Hilfe, auch mal rasch und unbürokratisch helfen zu können und beispielsweise Fahrtkosten für eine Familie zu finanzieren, deren Kind in einer Fachklinik in Tübingen behandelt wird.

In gleicher Weise äußerte sich Eckart Jost von der Evangelischen Diakoniestation. Der Staigacker-Geschäftsführer sagte, es sei ein beruhigendes Gefühl, wenn man „einfach“ in einen Topf greifen könnte, für eine segensreiche Sache. Beispielsweise, um in der kalten Jahreszeit einen wärmenden Wintermantel zu kaufen oder eine Tageslichtlampe.

Abschließend versicherte Kornelius Fritz, dass das gespendete Geld in der Region bleibt und nicht irgendwo versickert, wo man es nicht mehr nachvollziehen kann. Zudem versprach der Redaktionsleiter, dass jeder gespendete Euro ohne jeglichen Abzug weitergegeben wird. Auch er dankte allen Lesern und Spendern für das entgegengebrachte Vertrauen.

Die Spendenaktion BKZ-Leser helfen läuft noch bis Mitte Januar 2018. Und jeder Spender, der bisher gespendet hat oder noch spenden wird, wird auch namentlich in der BKZ genannt, samt Wohnort. Wer dies nicht wünscht, sollte dies auf dem Überweisungsträger vermerken.