Überfall auf 92-Jährige jetzt vor Gericht

35-Jähriger muss sich wegen mehrerer Taten verantworten

Von Bernd S. Winckler

KORB. Ein 35-jähriger Mann, der vorgibt, aus Algerien zu stammen, soll am 19. März dieses Jahres in Korb eine 92-jährige Frau auf offener Straße niedergeschlagen und sie um ihre Handtasche beraubt haben. Gegen den Mann verhandelt nun die 8. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wegen schweren Raubes und Körperverletzung – und zusätzlich wegen schwerer Brandstiftung.

Ob der Mann tatsächlich aus Algerien stammt oder eher tunesischer Staatsbürger ist, wollen die Richter im Laufe des Verfahrens ermitteln. In ersten Anhörungen durch die Polizei habe der Mann sich als Tunesier ausgegeben, sodass die Anklageschrift auch in tunesischer Sprache verfasst wurde. Zu Prozessbeginn jedoch überraschte der Angeklagte die Richter der Stuttgarter Kammer gestern mit der Mitteilung, er sei nicht aus Tunesien, sondern aus Algerien.

Der erste Vorwurf gegen ihn wiegt laut Anklage schwer: Am 19. März soll er gegen 14.05 Uhr auf der Winnender Straße in Korb die ahnungslose 92-Jährige von hinten angegangen sein und sie mit Faustschlägen ins Gesicht zu Boden gebracht haben. Bevor das verletzte Opfer sich wieder erheben konnte, habe er sich die Handtasche geschnappt und sei in Richtung Kirchstraße geflüchtet, wobei er von einem Zeugen beobachtet und sogar verfolgt wurde. Der Zeuge gab der Polizei telefonisch die Beschreibung des Räubers durch und erreichte, dass der Angeklagte kurz danach geschnappt wurde. Dem Opfer konnte die Tasche mit Geldbörse und Papieren glücklicherweise wieder ausgehändigt werden.

Neben diesem brutalen Raubüberfall wirft ihm die Staatsanwaltschaft noch eine schwere Brandstiftung mit zweifacher Körperverletzung vor. Er soll nach seiner Verhaftung mit dem Verdacht einer psychischen Krankheit ins Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg eingeliefert worden sein.

Dort, so der zweite Teil der Anklage, habe er plötzlich mit einem Feuerzeug sein Bett in Brand gesetzt. Das Feuer breitete sich rasch aus, es konnte jedoch von der Feuerwehr und mithilfe zweier Justizbeamter gelöscht werden, ehe es sich zum Vollbrand entwickelte. Der Haftraum war aber durch Rauch und Feuer zerstört. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Schaden von 8500 Euro. Zwei der Löschmänner wurden durch Rauchgase erheblich verletzt.

Aus Zeitgründen wurde gestern vor der 8. Strafkammer am Landgericht nur die Anklage vorgetragen und das Verfahren bis 12. Januar vertagt. Erst dann will der Angeklagte Angaben zu seiner Herkunft und zum Tatvorwurf machen.