Feuer und Flamme für die Firma

Zehn Schüler sind für ein Jahr Mitarbeiter von Cändls – Schülerfirma fährt erste Gewinne mit Duftkerzen ein

Recycelt, selbst gemacht und nachhaltig: Mit Cändls hat der Wirtschaftskurs des Gymnasiums in der Taus eine Schülerfirma geschaffen, die aus Kerzenresten Duftkerzen herstellt.

Jale Enssle (links) und Lisa Schust produzieren fleißig, denn der Verkauf ihrer „Cändls“ ist in vollem Gange. Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Sie heißen Weihnachtszauber, Winterwald und Weißer Nugat. Sie riechen nach Zimt, Tannen oder Vanille: Cändls ist die neue Geschäftsidee des Wirtschaftskurses des Gymnasiums in der Taus. Jedes Jahr rufen die Schüler des J1 (zwölfte Jahrgangsstufe) eine Schülerfirma ins Leben.

„Wir wollten etwas machen, was nachhaltig ist. Und wir wollten etwas selbst herstellen“, erklärt Jale Enssle, die Geschäftsführerin von Cändls. Die Rollen teilten die zehn beteiligten Schüler von Beginn an unter sich auf: technische Leitung, Marketing oder Verwaltung.

Mit Cändls verkaufen die Schüler hauptsächlich Duftkerzen, die sie selbst produzieren. Die werden aus alten Kerzenresten hergestellt. „Als wir angefangen haben, Kerzenreste zu sammeln, waren wir überrascht. Es kam so viel zusammen, dass man es kaum tragen konnte“, so die 17-jährige Geschäftsführerin. Mit gebastelten Plakaten machten die Firmengründer auf ihre Aktion aufmerksam, gingen durch die Klassen, öffneten eine Sammelstelle während der Pausen. Auch die Matthäuskirche spendete Kerzenreste.

Nun, da der Anfang gemacht ist, haben die Jungunternehmer drei dauerhafte Sammelstellen: im Oberstufenraum an der Schule, bei Windmüller und in der Geschäftsstelle der BKZ.

Die Kerzenreste werden dann grob nach Farben sortiert, gesäubert, vom Docht befreit und in Töpfen eingeschmolzen. Produktionsstätte ist ein Werkraum im Keller der technischen Leitung Lisa Schust. Dann werden noch etwas Kerzenwachsgranulat und die ätherischen Öle für den Duft dazugegeben und das heiße Wachs wird in die Gläser gefüllt. „Weil wir wissen, es gibt auch Leute, die keine Duftkerzen mögen, haben wir eine blaue Kerze, die geruchslos ist“, erklärt Jale Enssle. Materialien zugekauft haben die Schüler nur wenige, der Hauptteil des Ganzen sind die gespendeten Kerzenreste. „Als wir die ersten Sachen bestellt hatten und die ersten Rechnungen kamen, wurde es erst echt.“

Eine Kerze kostet 3,50 Euro, eine im Miniformat 2,50 Euro. „Wir haben die Preise recht knapp kalkuliert, denn wir wollen zehn Prozent des Gewinns an die Malala-Organisation spenden, die Mädchen in Entwicklungsländern eine Schulbildung ermöglicht.“ Gleichzeitig sollten die Preise nicht zu hoch sein, damit sich die Schüler die Kerzen auch leisten können. „Wir wollen den Schülern nicht das Taschengeld aus den Taschen ziehen.“

Ihren ersten großen Verkauf haben die Macher von Cändls schon hinter sich. „Am Backnanger Weihnachtsmarkt lief es super für uns, wir haben richtig viel eingenommen“, so Jale Enssle. Und zwar so viel, dass sie bereits die ersten Gewinne einfahren konnten und Kerzen nachproduzieren mussten für den Steinbacher Weihnachtsmarkt. „Es war sehr erleichternd zu hören, dass wir Gewinn gemacht haben, so kriegen unsere Anteilseigner auch schon Geld zurück.“ Denn um in ihr Geschäft starten zu können, benötigten die Schüler erst einmal Startkapital: Sie verkauften Anteilsscheine an Lehrer, Eltern und Bekannte. Im Januar soll es dann eine Sitzung mit allen Anteilseignern geben, in der die Mitarbeiter von Cändls von ihren bisherigen Ereignissen berichten.

In der Woche vor den Weihnachtsferien hatte Cändls am Tausgymnasium seinen großen Verkauf. Und was ist jetzt, wenn die Weihnachtszeit vorbei ist? „Dann wird es eine Kollektion um Ostern herum geben und für den Sommer vielleicht etwas gegen Mücken“, so die 17-Jährige.