„Wir sehen keinen Grund, Feuerwerk zu verbieten“

Kaum eine Silvestertradition ist so beliebt wie das mitternächtliche Feuerwerk, jedoch ist es längst nicht mehr überall erlaubt

Gemeinsam in den Himmel zu gucken und staunen ist erlaubt. Um Feuerwerkskörper selbst zu zünden, sollten Menschenansammlungen jedoch strikt gemieden werden. Foto: Fotolia/nd3000

Von Bianca Walf

BACKNANG/MURRHARDT. Um Punkt Mitternacht sollen in der Silvesternacht von Sonntag auf Montag wieder Zischen, Blitzen, Knallen und Funkeln Besitz vom nächtlichen Himmel ergreifen. So will es die Tradition: „So wollen es die Leute“, sagt die Leiterin des Backnanger Rechts- und Ordnungsamts Gisela Blumer. Seit gestern können sie sich im Handel mit Feuerwerk und Pyrotechnik eindecken.

Doch längst nicht in jeder Kommune sind Böller, Kracher und Raketen noch einschränkungsfrei erwünscht. Immer wieder trüben Brände und Unfälle die freudige Feier ins neue Jahr. Das Sprengstoffgesetz verbietet seit Jahrzehnten das Abbrennen von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen. Seit 2009 ist – auf Wunsch der Länder – auch das Abbrennen von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Reet- und Fachwerkhäusern verboten. Die Gesetzesänderung ist unter anderem eine Reaktion auf Großbrände in den Fachwerkstädten Tübingen und Konstanz.

Entsprechende Bauten stehen auch in der Backnanger Innenstadt. Ob sich ein Abbrennort jedoch in „unmittelbarer Nähe“ eines der geschützten Objekte befindet, muss durch die Kommune anhand der örtlichen Gegebenheiten festgestellt werden. „Bei unseren jährlichen Sicherheitsanalysen haben wir in Backnang bislang keine Gefährdungslage festgestellt“, erklärt Gisela Blumer. Obwohl auf dem Stiftshof, dem Adenauerplatz, dem Burgplatz, am Bleichwiesenkreisel sowie rund um Rathaus und Marktplatz Jahr für Jahr munter geböllert und gezündelt wird, habe es nie größere Zwischenfälle gegeben. „Gott sei Dank mussten wir bisher keine größeren Einsätze in der Silvesternacht bewältigen“, berichtet Feuerwehrkommandant Marcus Reichenecker aus seinen knapp 25 Jahren Dienstzeit. „Wir sind präsent, aber nicht in übermäßiger Habachtstellung. Über einen brennenden Mülleimer oder eine Hecke ging es bisher nicht hinaus.“

Das sei auch darauf zurückzuführen, dass sich in Backnang keine echten Menschenansammlungen bilden, meint Gisela Blumer. „Die Leute verteilen sich recht gut auf unterschiedliche Orte. Entsprechend gering ist die Gefahr. Wir sehen keinen Grund, das Feuerwerk zu verbieten.“

Vielmehr baue die Stadt auf die Vernunft ihrer Bürger und die Bereitschaft der Backnanger Feuerwehr. „Wir gehen davon aus, dass die Bürger verantwortungsvoll mit Feuerwerkskörpern umgehen und sich ihrer eigenen Sicherheit, der ihrer Mitmenschen sowie ihrer Umwelt verpflichtet fühlen.“ Schließlich könne das laute Silvesterspektakel unter falschen Vorzeichen auch eine Belastung für Kinder, Tiere und ältere Menschen darstellen.

Anders entschieden hat die Verwaltung in Murrhardt. Dort ist Feuerwerk in der Innenstadt seit der Gesetzesänderung 2009 gänzlich verboten, obwohl es ähnlich wie in Backnang keine schlimmeren Brände oder Unfälle gab. „In Murrhardt ist es rund um den Marktplatz relativ eng. Wir wollen hier einfach vorbeugen“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Elke Strohmaier-Detz. Leicht sei das auch mit einem Verbot nicht. „Natürlich halten sich nicht alle daran. Jahr für Jahr wird trotzdem Feuerwerk gezündet. Diese Fälle zu ahnden, ist schwierig.“ Die Stadt könne die Innenstadt gar nicht so flächendeckend kontrollieren, wie es nötig wäre, um das Verbot zuverlässig durchzusetzen. Sicher sei jedoch, dass der Täter im Schadensfall verfolgt werde.

Wer seinen Silvesterabend auf keinen Fall ohne Knall und Feuerzauber begehen möchte, kann laut Marcus Reichenecker mit einigen einfachen Sicherheitsvorkehrungen Unfälle vermeiden: Wichtig sei vor allem, Knaller und Raketen nur auf freien Flächen und nicht zwischen Häusern oder Menschen zu zünden. Entsprechende Gefäße – wie etwa Flaschen, die gerne zum Starten von Raketen verwendet werden – sollten sicher stehen. „Wichtig ist auch, größere Feuerwerkskörper auf keinen Fall aus der Hand starten zu lassen“, so der Feuerwehrkommandant. Auch von selbst gebastelten Silvesterkrachern ohne Sicherheitszertifikat und dubiosen Bau- anleitungen aus dem Internet sollten Feiernde besser die Finger lassen. Dann aber, so Reichenecker, stehe dem Partyspaß nichts mehr im Wege.