Silvester sorgt für besondere Spannung

Immer auf dem Sprung: Fünf Feuerwehrkameraden schildern typische Einsätze und berichten, wie sie den Jahreswechsel feiern

Silvester feiern sieht eigentlich immer ähnlich aus: Raclette oder Fondue schmausen, mit Bleigießen die Zukunft vorhersagen, Sekt schlürfen und Raketen abfeuern. Nicht so bei Feuerwehrleuten. Jedes Silvester birgt Überraschungen. Wie sie die Jahreswechsel-Nacht verbringen und was sie schon alles erlebt haben, berichten fünf Backnanger Feuerwehrmänner.

Mit viel Feuerwerk läuten die Backnanger das neue Jahr ein. Trotz der vielen Funken ist auch in diesem Jahr nichts wirklich Schlimmes passiert, die Feuerwehr hatte einen relativ ruhigen Abend.

Von Katharina Klein

BACKNANG. „Die letzten drei, vier Jahre war es immer so, dass es um 0.03 Uhr los ging“, erzählt Michael Treiber. Zusammen mit seinen Kameraden Roger Weik, Roman Austen, Michael Schladt und Reinhard Kowalzik schwelgt er in Erinnerungen von Silvester-Einsätzen, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Alle haben sie schon unzählige Bereitschaftsdienste in der Nacht zum Jahreswechsel bestritten und fast jeder von ihnen hat eine Geschichte zu erzählen. Nur Austen hält sich etwas zurück, stimmt seinen Kollegen aber stets zu.

„Ich erinnere mich an ein Silvester Ende der 90er. Punkt 0.00 Uhr kam der Alarm. Da hatten wir gleichzeitig drei oder vier Einsatzstellen. Damals ist erst mal einer mit dem BMW rausgefahren und hat sich alles angeschaut und uns dann nachgeschickt. Da war es relativ entspannt, weil keine Menschenleben in Gefahr waren“, berichtet Roger Weik, die anderen nicken zustimmend. Eigentlich sind sie ja immer bereit auszurücken, aber an Silvester sorgt die Erwartung eines Einsatzes für besondere Spannung: „Man parkt unwillkürlich schon so, dass man gut wieder weg kommt. Man rechnet immer damit, dass etwas ist und denkt sich, vielleicht reicht es noch für einen Schluck.. Meistens gehe ich vor eins oder halb zwei gar nicht ins Bett“, so Weik weiter. In Treibers Familie führen die Einsätze an Neujahr zu Herausforderungen der anderen Art, vor allem für die Ehefrau. Er erzählt: „Jedes Jahr gehe ich mit meinen Kindern Feuerwerkskörper einkaufen. Kurz vor 12 gehen wir dann raus und bereiten alles vor. Dann kommt meistens der Einsatz, ich muss weg und die Mama muss schießen. Meine Frau freut sich in diesem Jahr, dass sie noch Unterstützung von einer Freundin bekommt“.

Anstatt Schießvergnügen und Sektkorken knallen zu lassen steht für die Backnanger Feuerwehrmänner also meist eine Fahrt durch volle Straßen an. Verständnis aufseiten der Bevölkerung ist Fehlanzeige: „Wir fahren ja mit unseren privaten Autos zum Feuerwehrhaus. Zum Teil werden dann Raketen und Böller nach uns geschmissen und die Leute schauen einen vorwurfsvoll an“, bedauert Treiber und erntet Zustimmung bei den Kollegen.

Aber es geschehen auch jede Menge kurioser Dinge. Einen ganz besonderen letzten Tag im Jahr erlebte Michael Schladt vor ein paar Jahren, als es nicht erst um Mitternacht rund ging: „Wir waren nachmittags beim Silvesterlauf als Streckenposten, als im damaligen Wohnland ein Wassereinbruch war. Davor wurde dort der Teppich gereinigt und es schäumte ohne Ende. Da waren wir bis um 20 Uhr beschäftigt“. Ähnlich zeitlich knapp ging es auch bei der Geschichte zu, die erneut Weik zum Besten gibt: „Es hat ein Hasenstall in der Nähe der alten Spinnerei gebrannt. Da lag ziemlich hoch Schnee. Das war was Größeres, aber es hat abends noch auf die Party gereicht. Vor ungefähr fünf Jahren schlug außerdem mal die Brandmeldeanlage im Glockenturm des alten Rathauses Alarm. Das war um kurz nach 0 Uhr und wir dachten schon, dass es ein Großeinsatz gibt. Allerdings war nur der Rauch von Raketen schuld. Deshalb auch die Bitte an alle, immer Fenster und Türen geschlossen zu halten“.

Von katastrophalen Bränden ist die Truppe bisher an Silvester verschont geblieben. Vor drei Jahren aber erlebte Reinhard Kowalzik einen besonderen Nervenkitzel. Er schlummerte schon friedlich, als er plötzlich doch noch mal ran musste: „Ich bin durch einen Feuerschein wach geworden. Vor unserem Haus brannten eine Restmülltonne und eine gelbe Tonne. Das war das erste Feuer, das ich im Schlafanzug bekämpft habe“. Bei allem Witz bleibt auch hier der Appell an die Bevölkerung „das Feuerwerkmaterial nicht schon um 0.15 Uhr zu entsorgen“, rät Kowalzik.

Rat der Experten: Türen und Fenster an Silvester geschlossen halten

Hätten einige Mitmenschen dies beherzigt, wäre es für die Männer diesmal ein entspanntes Silvester geworden. Denn drei der vier Einsätze vom 31. Dezember 2017 und 1. Januar 2018 hatten genau damit zu tun. Der Funkmelder schlug nicht wie sonst üblich um 0.03 Uhr Alarm, sondern erst um 0.45 Uhr. Es war der elfte Einsatz im neuen Jahr im Rems-Murr-Kreis und handelte sich um einen Papiercontainerbrand in der Industriestraße. Um kurz nach acht Uhr morgens passierte das selbe im Berliner Ring. Aber auch schon vor Mitternacht rückten die Männer aus: „Kurz nach 18 Uhr ging es mit etwas Silvester-untypischem los. Es wurde Essen auf dem Herd vergessen und die Rauchmelder haben Schlimmeres verhindert. Um 22 Uhr hat ein Altpapiercontainer in Waldrems gebrannt“, berichtet Pressesprecher Jan Kusche. Es ist also auch in diesem Jahr nicht zu einem größeren Einsatz für die Feuerwehrmänner gekommen, wenngleich Kusche sagt: „Es war erstaunlich viel los. Wir sind nun bei zwei Einsätzen im neuen Jahr. 2017 hatten wir insgesamt 170 bis Jahresende“.