100 Zuggarnituren und viele Details

Die Backnanger Modellbahner zeigen ihre Anlage wieder der Öffentlichkeit und präsentieren dabei jede Menge Neuigkeiten

Derzeit ist die große Ausstellung der Modellbahner Backnang wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Etwa 100 Zuggarnituren sind auf der epochengerecht gestalteten H0-Anlage des Vereins in Heiningen unterwegs.

Die Anlage ist immer sonntags und jetzt auch am Dreikönigstag geöffnet. Besucher finden sie in Heiningen, Tübinger Straße 25.Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG. „Da batscht was“, ruft Uwe Romfeld dem Kollegen Steffen Eyrich am Computer des Stellwerkes zu. Aber es ist schon zu spät. Ein rund drei Meter langer Autotransportzug ist entgleist. Auch solche Unfälle gehören beim Betrieb der Modelleisenbahn dazu. Sofort eilt dann die zehnjährige Chiara Nonnenmacher aus der Jugendabteilung herbei und stellt die Waggons wieder zurück auf die Gleise. Genau weiß sie es nicht mehr, aber „ich bin schon sehr lange im Verein.“ Zum Hobby Modelleisenbahn kam Chiara durch ihren Vater. Und obwohl sie das einzige Mädchen der neunköpfigen Jugendabteilung ist, betont sie: „Es macht richtig Spaß!“ Speziell für die Jugend hat sich der Verein auch wieder etwas Neues einfallen lassen. Derzeit entsteht eine Schmalspurbahn, die ausschließlich von den Jugendlichen aufgebaut und betrieben wird. Sie ist den original Schweizer Schmalspurbahnen, wie beispielsweise dem Glacier-Express nachempfunden und soll nicht zuletzt auch durch ihre Computersteuerung junge Menschen an das Hobby Modelleisenbahn heranführen.

Immer sonntags zeigen die Modellbahner in Heiningen während des Winters ihre Anlage. Reger Betrieb herrscht dann in den Ausstellungsräumen. So ist auch der siebenjährige Jonas aus Waiblingen mit seinem Vater gekommen, um sich ein Bild von der über drei Räume verteilten Modelleisenbahn zu machen. „Mir gibt’s hier zu wenig zu drücken“, antwortet der Junge auf die Frage, wie es ihm gefällt. Auch darauf haben sich die Modellbahner schon vorbereitet. Die Schalter sind bereits montiert und in nicht allzu langer Zeit ist hier dann auch die interaktive Beschäftigung mit der Anlage möglich.

Überhaupt: Die Mitglieder des Modellbahnvereins erklären den Besuchern mit großer Begeisterung jedes Detail, das zu sehen ist. Und diese Detailversessenheit sieht man der Anlage auch an. Züge aus allen Epochen der Nachkriegszeit sind zu sehen. „Der älteste auf der Anlage fahrende Zug stammt aus den 70er-Jahren“, erklärt der Vorsitzende des Verein, Uwe Romfeld sichtlich stolz. Selbst die Wartung der Züge übernehmen die Mitglieder in Eigenregie. „Die Ersatzteilversorgung ist teilweise ein Problem“, sagt Romfeld.

Aber nicht nur die Lokomotiven, Wagen und Anhänger zeigen, mit welcher Leidenschaft die Anlage gepflegt und ständig erweitert wird. Die Häuser, die Modellautos und alle übrigen auf der Bahn verbauten Details sind stimmig und passen zu der jeweiligen Zeit. „Manchmal“, sagt Romfeld „stellen wir den Besuchern auch Aufgaben.“ Eine davon ist es, das kleinste verbaute Modell auf der Anlage zu finden. Nach längerem Suchen löst der Vereinsvorsitzende dann das Rätsel auf: Es ist ein Flugzeug mit einer Spannweite von zehn Millimetern. Und bemalt wurde es von Hand. „Da braucht man nicht nur eine ruhige Hand, sondern auch Geduld und Nerven“, umschreibt Romfeld an diesem Beispiel die Ansprüche, die das Hobby Modelleisenbahn an seine Anhänger stellt.

Das meiste des rollenden Materials der Ausstellung ist Eigentum der Vereinsmitglieder. „Wir könnten uns das als Verein gar nicht leisten“, sagt Romfeld. Und die Finanzierung erfolgt im Wesentlichen durch die Einnahmen der Ausstellung. Welchen Wert die Anlage genau hat, lässt sich nicht schätzen. Nur so viel: Die Versicherung ist über eine Summe von zwei Millionen Euro abgeschlossen.