Klare Sache für Klein, enge Kiste für Fehr

Silvesterlauf-Siegerin verbessert ihren eigenen Streckenrekord, ihr Freund verteidigt seinen Titel mit lediglich vier Sekunden Vorsprung auf den Zweiten

Was haben Darth Vader, Spiderman und Pommestüten gemeinsam? Sie alle waren bei der letzten großen Gaudi Backnangs im alten Jahr dabei: Dem 32. Silvesterlauf. 1344 Finisher in vier Wettbewerben bedeuteten einen neuen Rekord. Nicht nur in der Breite, auch in der Spitze gab’s einen Bestwert. Hanna Klein stellte bei ihrem Hauptlaufsieg in 32:28 Minuten einen Streckenrekord auf. Auch bei den Männern hatte mit Marcel Fehr der Titelverteidiger die Nase vorne.

Schnell rennen zu können, ist eine Qualität, die ein Silvesterlauf-Sieger braucht: Marcel Fehr – verfolgt von Jens Mergenthaler – war beim Überrunden auch wieder als Slalomläufer gefordert.Fotos: A. Becher

Von Katharina Klein

 

Um 15 Uhr gab Werner Schmidgall den Startschuss zum Hauptlauf über 10 Kilometer. Für den Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Backnang war’s quasi die letzte Amtshandlung vor dem Ruhestand. Wie es sich anfühlt, als Startschuss-Koryphäe abzutreten? „Ich habe das immer mit Freude und Engagement gemacht. Der Silvesterlauf hat sich von Jahr zu Jahr permanent vergrößert und immer mehr Zuspruch in der Bevölkerung gefunden. Das mitzuerleben, hat mich mit Freude erfüllt“, blickte Schmidgall auf sein pannenfreies Vierteljahrhundert als Startschütze zurück. Dass dies nicht selbstverständlich ist, merkten die Teilnehmer des Mini-Marathons. Hier versuchte Martin Windmüller vergeblich, den Schuss abzufeuern. „Er ist lizenzierter Schlafexperte. Der macht keinen Krach“, scherzte Sprecher Alexander Hornauer.

Beim Hauptlauf klappte alles einwandfrei, das Feld setzte sich unter großem Jubel in Bewegung. Für die Backnanger ist der Silvesterlauf längst mehr als nur ein Stadtlauf – es ist ein Event zum Jahresende, bei dem man Bekannte trifft, Würstchen isst, Glühwein trinkt. Traben Läufer vorbei, wird getrötet, geklatscht, angefeuert. Die Lohkäs-Trampler sorgen mit Guggenmusik für Stimmung. Weit vor Mitternacht herrscht also bereits Feierlaune in der Innenstadt. Auch Landrat Richard Sigel gehörte zum Publikum und stand mit seinem Sohnemann am Rand der Strecke: „Ich bin zum dritten Mal mit dabei und jedes Jahr ist es eine super Stimmung. Es ist ein guter Ausklang für das alte Jahr und inzwischen schon eine Tradition für die Backnanger.“ Ob er einen Vorsatz für 2018 habe? „Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr, selbst mitzulaufen.“ Wie gefährlich er für die Spitze werden würde, bleibt abzuwarten. Eigentlich geht es aber auch nicht um den Sieg, sondern eher ums Durchhalten. Egal in welchem Tempo, ob nach 30 Minuten – so wie die Sieger –, einer Stunde oder noch ein wenig mehr: Die Euphorie, die zehn Kilometer bergauf und bergab geschafft zu haben, ist bei allen riesig.

Nicht allzu überraschend schafften dies Hanna Klein und Marcel Fehr wieder am schnellsten. Sie – 24 Jahre alt, Siegerin der diesjährigen Universiade und WM-Elfte über 1500 Meter in London – stellte wie letztes Jahr erneut einen Streckenrekord auf. „Ich habe selbst Respekt vor meiner Leistung. Ich bin verwundert, dass es so deutlich war“, gibt die Spitzenläuferin zu. In sagenhaften 32:28 Minuten lief sie der Zweitplatzierten Alexandra Olpp (38:47) und Alexandra Hellentahl (41:51) meilenweit voraus. Eine solche Rekordzeit zu erreichen, war nicht leicht für die Schorndorferin: „Ich bin es in der ersten Runde ziemlich steil angegangen. Ich habe versucht, an den Männern dranzubleiben, aber die Lücke war leider irgendwann zu groß für mich. Dafür hat das Fahrrad einen guten Job gemacht und mir den Weg frei gehalten. Jetzt tut mir alles weh.“

Die Männerspitze, bestehend aus Marcel Fehr, Jens Mergenthaler und Josef Katib, lag zwei Runden relativ gleich auf, bis sich Fehr und Mergenthaler absetzten. Ersterer überschritt nach 30:22 Minuten die Ziellinie, Letzterer nur vier Sekunden später. Johannes Bergdolt lief in 31:23 Minuten noch auf Rang drei nach vorne, während Katib auf Position vier rutschte. Für Fehr war’s der vierte Sieg in Backnang, und das trotz gesundheitlicher Einschränkungen. „Es ist mir ziemlich schwer gefallen. Ich war die letzten anderthalb Runden platt und habe echt kämpfen müssen. Ich bin etwas angeschlagen, wollte hier aber unbedingt starten. Es hat gerade so ins Ziel gereicht, es hätten keine 100 Meter mehr sein dürfen“, gab er erschöpft zu.

Das Sportlerpaar Klein und Fehr konnte sich das Silvestermahl also besonders schmecken lassen. Was bei ihnen auf den Tisch kommt? „Als Vorspeise Mozzarellaröllchen, danach ein Hähnchen-Wok und zur Nachspeise alles, was von Weihnachten noch übrig ist. Da gab es genug süßes Zeug. Dann geht’s auf die Couch“, erzählte Klein. Übrigens: Wer dem Siegerduo nacheifern will, hat einiges vor sich. Sieben- bis neunmal pro Woche trainiert Klein, Fehr sogar neun- bis zwölfmal. Sie ist damit etwa 90 Kilometer zu Fuß unterwegs, er 120.

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