Elektrobusse für Waiblingen?

Die Ausschreibung des Linienbündels soll eine bessere Anbindung von Waiblingen ans Winnender Klinikum bringen

WAIBLINGEN (pm). Das Landratsamt will auf den Waiblinger Citybuslinien 208 und 218 Elektrobusse fahren lassen. Möglich werden könnte dies durch die Ausschreibung des letzten von insgesamt 13 sogenannten Linienbündeln, die auch eine bessere Busverbindung zum Klinikum Winnenden bringen soll.

Wie das Landratsamt mitteilt, hat der Rems-Murr-Kreis kurz vor Weihnachten das letzte von insgesamt 13 Linienbündeln im Verkehrsraum „Waiblingen Ost-West“ ausgeschrieben, und zwar in Form einer Vorabbekanntmachung in den europaweiten Wettbewerb. „Auch bei diesem Verfahren versuchen wir, mit weiteren Verkehrsverbesserungen den ÖPNV-Ausbau im Kreis weiter vorantreiben zu können“, so Landrat Richard Sigel. Denn eine Neuerung bei diesem Linienbündel ist die Definition von erwünschten Leistungen, die Unternehmen im Rahmen eigenwirtschaftlicher Angebote zusätzlich zum heutigen Status-quo-Fahrplanangebot erbringen können.

Außer verkehrlichen Mehrleistungen in Höhe von rund 150000 Fahrplankilometern stehen dabei auch Elektrobusse für die beiden Waiblinger Citybuslinien 208 und 218 mit auf der Prioritätenliste. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket hatte das Landratsamt vorab gemeinsam mit dem VVS, den Städten Waiblingen, Weinstadt und Fellbach sowie den Gemeinden Kernen im Remstal und Korb definiert. „Wenn sich ein Busunternehmen findet, das bereit ist, die erwünschten Mehrleistungen in Form eines eigenwirtschaftlichen Angebots und damit ohne direkte Zuschüsse des Landkreises und der Kommunen zu erbringen, würden alle beteiligten Kommunen und vor allem die Bürger davon profitieren. Damit würden wir nicht nur über dem heutigen Verkehrsangebot liegen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Richard Sigel. Auch eine Busverbindung von Waiblingen zum Klinikum Winnenden mit kurzen Umstiegszeiten in Korb könne dann über die Linie 209 (Waiblingen–Korb–Weinstadt) realisiert werden.

Die Citybuslinien sind ideal,

um Elektrobusse zu testen

In den Gesprächen zu einem entsprechenden Maßnahmenpaket wurde offensichtlich, dass die Waiblinger Citybuslinien 208 und 218 gut geeignet wären, um den Einsatz von Elektrobussen zu testen und damit erste Erfahrungen im Rems-Murr-Kreis zu sammeln. Besonderheit der Citybuslinien ist, dass ausschließlich kleinere, sogenannte Midibusse zum Einsatz kommen. Denn sie sind auf vergleichsweise kurzen Linienwegen in dicht besiedelten Wohngebieten mit teils engen Straßenverhältnissen unterwegs. Durch die Vermeidung von Abgasen und den Einsatz von leisen Elektrobussen könnten sowohl die Bewohner als auch die Umwelt davon profitieren. Eine Installation einer aufwendigen Infrastruktur entlang der Linienwege wäre nicht nötig, da es ausreicht, die Elektrobusse über Nacht auf dem Betriebsgelände des Betreibers zu laden.

Grund für die Aufnahme von erwünschten Zusatzleistungen in die Vorabbekanntmachung sind die Erfahrungen aus dem Verlauf der bisherigen Vergabeverfahren. Zum einen gab es vonseiten der Busunternehmerschaft immer wieder die Bitte und Forderung, der Landkreis solle zu erkennen geben, was für Mehrleistungen bei möglichen eigenwirtschaftlichen Angeboten als sinnvoll angesehen und wie diese bei der Entscheidung über die Vergabe gewichtet werden. Zum anderen ist man bei der Kreisverwaltung positiv überrascht, dass bisher bei vier von neun Linienbündeln, die in den Wettbewerb gestellt wurden, eigenwirtschaftliche Angebote eingegangen sind. Bei vier weiteren Bündeln (einschließlich „Waiblingen Ost-West“) läuft derzeit noch die Frist zur Einreichung möglicher eigenwirtschaftlicher Angebote. Beim zuletzt in den Wettbewerb gestellten Linienbündel „Waiblingen Ost-West“ handelt es sich um eines der ertragreichsten Bündel im gesamten VVS-Gebiet. Vor diesem Hintergrund hatte sich die Landkreisverwaltung gemeinsam mit dem VVS und den beteiligten Kommunen entschlossen, das Maßnahmenpaket in Form einer Prioritätenliste mit in die Vorabbekanntmachung aufzunehmen, um damit gegenüber potenziellen Interessenten aufzuzeigen, welche Mehrleistungen als sinnvoll angesehen und bei der Vergabe im Rahmen eigenwirtschaftlicher Angebote priorisiert werden.