Schüler in WhatsApp-Gruppen unter sich

Backnanger Schulen lehren den Umgang mit sozialen Netzwerken, kommunizieren mit den Schülern jedoch auf andere Weise

Ob Text, Foto oder Sprachnachricht: Eine Nachricht von Handy zu Handy ist kinderleicht und schnell erledigt. Klingt, als könnte WhatsApp auch den Schulalltag vereinfachen. Doch dürfen Lehrer den Nachrichtendienst nicht für unterrichtliche Zwecke nutzen. An Backnanger Schulen kommunizieren Lehrer und Schüler über andere Plattformen.

An Schulen ist WhatsApp zwar Thema, schulisch genutzt wird es aber nicht. Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG.Wie sah noch gleich das Tafelbild aus, das in Chemie an der Tafel stand? Und was waren die Hausaufgaben in Mathe? Und fällt morgen früh Deutsch aus? Fast 90 Prozent aller Jugendlichen sind rund um die Uhr über WhatsApp erreichbar. Da ist es eigentlich nützlich, den Messenger-Dienst auch für schulische Zwecke zu nutzen, sich in Gruppen zu vernetzen, auszutauschen. Und noch hilfreicher wäre es doch, wenn gleich der Lehrer direkt die Infos per WhatsApp verteilen könnte. Doch so lobenswert die Idee klingen mag, seit 2013 ist es Lehrern verboten, Messenger-Dienste für dienstliche oder unterrichtliche Zwecke zu nutzen. Datenschützer befürchten Missbrauch persönlicher Daten und Fotos.

Auch in Backnang kommt die Idee der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler über soziale Netzwerke wie WhatsApp oder Facebook nicht gut an. Die Rektoren sind sich einig: Sicherlich gebe es Gruppen, in denen sich Schüler über das Schulgeschehen austauschen. Von Lehrern oder Eltern initiierte Gruppen gebe es nicht. „Dies hat datenschutzrechtliche Gründe“, so Heinz Harter, Rektor der Max-Eyth-Realschule.

„Ich bin mir sicher, dass sich die Schüler über Hausaufgaben und Stundenausfall austauschen“, so Sonja Conrad, Schulleiterin des Max-Born-Gymnasiums, „und ich bin mir auch fast sicher, dass es solche Gruppen ab der fünften Klasse in jeder Jahrgangsstufe gibt.“ Auch Harter weiß: „Es dürfte sicher von Schülern organisierte WhatsApp-Gruppen geben. Auch unter den Eltern gibt es solche Gruppen teilweise.“

Schon allein die Benutzung der Smartphones ist an manchen Schulen gar nicht erst erlaubt. Schüler des Tausgymnasiums dürfen vor und nach dem Unterricht sowie in der Mittagspause ihr Handy nur draußen, innerhalb des Schulgebäudes jedoch gar nicht benutzen. Auch Heinz Harter, Rektor der Max-Eyth-Realschule, erklärt: „Bei dringenden Telefonaten können Lehrkräfte den anfragenden Schülern Ausnahmen gestatten.“ Ansonsten ist die Handynutzung an der Schule generell untersagt.

WhatsApp und weitere soziale Netzwerke zu ignorieren, ist für Schulen nicht möglich. Denn nicht selten gebe es Probleme wegen Streitigkeiten in sozialen Netzwerken. Zu schnell würden in der Kommunikation nicht die richtigen Worte gewählt, manch einem fehle das Einfühlungsvermögen. Eine Gruppendynamik könnte in WhatsApp-Gruppen für Probleme sorgen und laut Harter zu heftigen Effekten führen. „Vor allem in den unteren Klassen gibt es deshalb hier immer wieder Konflikte, die dann aufgearbeitet werden müssen“, so der Schulleiter der Max-Eyth-Realschule.

Deshalb ist der Umgang mit sozialen Netzwerken auch Teil des Schulalltags: Seit 2016 ist Medienbildung verbindlicher Bestandteil des Bildungsplans. Dazu gehören je nach Schulmodell beispielsweise der Basiskurs, Pädagogik- oder Sozialstunden oder Informatik-AGs. „Dort wird besprochen, wie wir in sozialen Netzwerken miteinander umgehen“, so Conrad, „eben für den Fall, dass es eine Klassengruppe gibt: Wie verhält man sich da?“ Am Max-Born-Gymnasium werden alle Kollegen regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht, auch Schulsozialarbeiter wirken hier mit. Auch Heinz Harter bestätigt: „Der Umgang mit WhatsApp stellt natürlich bestimmte Anforderungen an Schülerinnen und Schüler, die erst einmal gelernt werden müssen.“ Die Max-Eyth-Realschule nimmt zudem jährlich beim Safer Internet Day des Landesmedienzentrums teil, bei dem der sinnvolle Umgang mit WhatsApp auf dem Programm steht. „Es gibt Klassen, die den Umgang mit WhatsApp in einer Klassenvereinbarung festgelegt haben“, so Harter.

Trotz aller Zweifel bemühen sich die Schulen um einen regen Austausch zwischen Lehrern und Schülern. Am Gymnasium in der Taus wird zum Austausch Moodle benutzt. „In der E-Learning-Plattform können Lehrer die Hausaufgaben einstellen und auch wieder zurückbekommen“, erklärt Schulleiter Udo Weisshaar. Weiter könnten hier auch unterrichtsbezogene Fragen gestellt und Nachrichten geschrieben werden.

Am Max-Born-Gymnasium und der Max-Eyth-Realschule kommunizieren Lehrkräfte und Schüler meist per E-Mail. „An Elternabenden stellen wir unsere E-Mail-Verteiler vor, bei denen sich die Eltern dann beteiligen können“, sagt Conrad.