Protest gegen Bauvorhaben im Ortskern

Neue Initiative Dorfentwicklung Heutensbach wehrt sich gegen die Ausmaße eines geplanten Gebäudekomplexes

Die Initiative Dorfentwicklung Heutensbach geht derzeit mit einer Unterschriftenaktion an die Öffentlichkeit. Stein des Anstoßes ist ein Bauvorhaben in der Käsbühlstraße in dem Allmersbacher Teilort, direkt hinter der Gaststätte „Löwen“. Dort sollen die Gebäude eines ehemals landwirtschaftlichen Anwesens abgebrochen und ein fünf Stockwerke hoher Gebäudekomplex errichtet werden, so die Informationen der Initiative. „Überdimensioniert“ lautet ihr Fazit.

Diese „unverbildliche Illustration“ hat die Initiative angefertigt, um die Dimension des Projekts vor Augen zu führen. Der Baukörper soll laut Bebauungsplanentwurf nach der Scheune noch nach rechts hinten ausgedehnt werden, was man hier nicht sieht. Foto: Unverbindliche Illustration der Initiative

Von Ingrid Knack

ALLMERSBACH IM TAL. Bereits im November 2017 wurde das Vorhaben im Gemeinderat behandelt. Damals hatte Bürgermeister Ralf Wörner wissen lassen, dass ein Bauträger Interesse an der Bebauung des Areals in Heutensbach habe. In den Ausführungen der Backnanger Stadt- und Landschaftsplanung Roosplan ist von einer derzeitigen Bebauung auf dem Grundstück mit einem landwirtschaftlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude und dessen Anbauten sowie einer großen Scheune, deren Nutzung nicht mehr gegeben ist, die Rede. Zudem wird auf den auch vom Gemeinderat getragenen Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ und dringend benötigten Wohnraum eingegangen. Weiter heißt es darin: „Die geplante Bebauung durch kombinierte Mehrfamilien- und Geschäftshäuser dient damit der Revitalisierung des Ortskerns von Heutensbach.“ Gesprochen wird aber auch darüber, dass „eine Abweichung der Gebäudekubatur von der umgebenden Bestandsbebauung notwendig“ sei. „Es werden somit einerseits Gebäude mit Satteldach zur Käsbühlstraße hin entstehen, die die historisch gewachsene Dachlandschaft widerspiegeln, und es werden andererseits in den von der Straße zurückversetzten Grundstücksteilen Flachdachgebäude ermöglicht, die eine hohe Raumausnutzung zulassen.“ Alternativ ist von Pultdächern die Rede.

Der Bebauungsplan Käsbühlstraße soll im beschleunigten Verfahren realisiert werden. Der Entwurf ist bis zum 19. Januar im Rathaus einzusehen. Die Unterlagen können aber auch über die Homepage der Gemeinde angeschaut werden. Während dieser Auslegungsfrist können Bedenken und Anregungen vorgebracht werden. Über die Stellungnahmen entscheidet dann der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung.

Die bereits am 8. Dezember von 28 Heutensbacher Bürgern gegründete Initiative Dorfentwicklung Heutensbach, zu der mittlerweile weitere Personen hinzugekommen sind, erachtet die geplante Anlage für bis zu 35 Wohnungen, so die Initiative, für „vollkommen unverhältnismäßig“ im Bezug zum bestehenden Ortskern. Dass nun ausgerechnet in Heutensbach die im Baugesetzbuch neu geschaffene Gebietsart des „Urbanen Gebiets“ ausgewiesen werde, die eine bauliche Nutzung von 80 Prozent der Grundstücksfläche zulässt, können die Mitglieder kaum fassen. Diese Möglichkeit sei für die Nachverdichtung in Städten und nicht für Baumaßnahmen in einem kleinen Teilort wie Heutensbach entwickelt worden, lässt die Initiative Dorfentwicklung wissen. Eine Innenentwicklung und Verdichtung in Form von Wohnbebauung sei auch mit den herkömmlichen Gebietsarten möglich.

„Wir würden uns alle freuen, wenn sich in Heutensbach etwas tut. Aber es muss eine organische Entwicklung und auf lange Sicht ausgerichtet sein“, sagt ein Mitglied der Initiative. Als 2016 das Thema Ortsverschönerung Heutensbach im Gemeinderat diskutiert wurde, sei dies mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen worden. Dass die Heutensbacher nun aber zuerst mit einem solchen Einzelprojekt konfrontiert werden sollen, freut viele Einwohner ganz und gar nicht. Auch dass in Heutensbach „infrastrukturell nicht mehr viel da ist“, allein die Bushaltestelle sei für einige Heutensbacher ein „kommunikativer Raum“., wird beklagt. Was fehle, sei ein Versammlungsraum und keine Großstadtbebauung. Noch ein Argument wird angeführt: Zwar sei eine Sonnenstands- und Beschattungsstudie gemacht worden, allerdings beklagt eine direkte Anwohnerin, dass sie bei Realisierung des Gebäudekomplexes nicht nur direkt vor ihrer Nase auf eine riesige Betonwand schauen müsse, sondern auch die Stunden, in der die Sonne auf ihr Haus scheint, stark reduziert würden. Ebenso wird die Parksituation thematisiert. Stünden künftig noch mehr Autos am Straßenrand, hätten landwirtschaftliche Fahrzeuge und Rettungskräfte – insbesondere im Winter– Probleme durchzukommen.

„Es darf kein Präzedenzfall für eine massive, ortsbilduntypische Bebauung in Heutensbach geschaffen werden, an welche dann die absehbar nächsten Innenentwicklungsmaßnahmen anknüpfen“, formuliert die Initiative in einem Schreiben. „Gerade bei der Innenentwicklung auf zentral gelegenen, ortsbildprägenden Grundstücken im Dorfkern erwarten wir eine besondere Gestaltungssorgfalt, um das unverwechselbare Gesicht des Orts zu erhalten und Neues stimmig darin zu integrieren. Das Gebot der Rücksichtnahme auf die bestehende Struktur und die vor Ort lebenden Bewohner muss Beachtung finden.“

Was die für den Bebauungsplanentwurf unternommene Prüfung der Umweltverträglichkeit angeht, so sei das betreffende Grundstück völlig singulär betrachtet worden. Dass an drei von vier Seiten des Grundstücks im hinteren Teil Grünflächen und Teiche mit einer großen Artenvielfalt anschließen, werde nicht erwähnt. Somit sei der Untersuchung auch nicht zu entnehmen, dass die geplante Bebauung diese innerörtliche grüne Schneise in der Mitte durchtrenne und so massiv in den Lebensbereich der dort beheimateten Tiere eingreife.

Es bestehe der Eindruck, dass dieses vorhabenbezogene Projekt hauptsächlich die Interessen des Investors berücksichtige. Etliche Aspekte dienten alleine der Kostenoptimierung des Investors: Darunter ein offener Bebauungsplan „mit nahezu keinen konkreten Forderungen und vielen Freiheiten“, ein massiver, großer Baukörper mit für den Ortskern untypisch hoher Firsthöhe und untypisch flacher Dachneigung, keine Unterkellerung, maximale Flächenausnutzung im Umfang von 80 Prozent durch Ausweisung eines Urbanen Gebiets unter starker Beeinträchtigung insbesondere des benachbarten Gebäudes Jägerstraße 2.