Viele Gespräche und neue Anregungen

Die Kandidaten auf das Bürgermeisteramt in Oppenweiler haben in ihrem Wahlkampf in den vergangenen Wochen den Kontakt zu den Bürgern gesucht

Zwischenzeitlich waren es einmal vier Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Oppenweiler, auf dem Wahlzettel sind noch drei genannt, tatsächlich zur Wahl stehen aber nur noch zwei. Hinter Stefan Holder und Bernhard Bühler liegt ein vergleichsweise kurzer Wahlkampf, denn vor weniger als einem Monat endete die Bewerbungsfrist und am Sonntag wird bereits gewählt.

Stefan Holder (links) und Bernhard Bühler haben einen vergleichsweise kurzen, aber intensiven Wahlkampf hinter sich.Fotos: A. Becher

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. „Ich bin froh, wenn dann endlich gewählt ist und etwas Ruhe einkehrt“, sagt Gudrun Rauh, Fraktionsvorsitzende der Freien Gemeindeliste im Gemeinderat Oppenweiler. Nachdem in den ersten Wochen nach der Ausschreibung keine Bewerbung eingegangen war, habe sie schon gedacht, es werde sich niemand melden. Nach dem Verstreichen der Bewerbungsfrist waren es drei Bewerber – und prompt danach zog einer von ihnen die Kandidatur wieder zurück. Jörn Wenzelburger, Kämmerer in Affalterbach, begründete dies in einer Pressemitteilung mit ungeahnten Herausforderungen, die in Oppenweiler auf den Bürgermeister warteten. Für Nachfragen war er hiernach nicht erreichbar. Welche Herausforderungen gemeinte sein könnten, haben sich Mitbewerber Bernhard Bühler nicht erschlossen. „Über die Begründung war ich doch sehr überrascht“, sagt er. „Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe es so empfunden, dass in Oppenweiler schon vieles auf einem guten Weg ist.“ Da Wenzelburger seine Kandidatur erst nach Bewerbungsschluss zurückgezogen hat, steht sein Name dennoch auf dem Stimmzettel. „Das ist für die Bürger natürlich verwirrend“, findet Rauh.

„Wenn es ganz dumm läuft, könnte es dadurch zu einem zweiten Wahlgang kommen“, sagt Stefan Holder. Nämlich dann, wenn deshalb niemand die absolute Mehrheit erreicht. Dann würde einmal umsonst gewählt, denn schließlich ändere sich an der Zahl der Bewerber ja nichts mehr. Der Bürgermeisterkandidat aus Heidelberg weiß darum, wie nervenaufreibend ein Wahlkampf sein kann: „Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Manches beflügelt einen, anderes stimmt nachdenklich. Damit muss man umgehen können“, sagt er. Bühler hatte da eine einfache Strategie: „Ich habe mich auf mich selbst konzentriert und darauf, meine Themen rüberzubringen.“ Dabei habe er viel positive Resonanz erfahren. „Das hat mich darin bestärkt, dass es eine gute Entscheidung war, als Bürgermeister zu kandidieren.“ Vor allem sein Dringen auf Barrierefreiheit sei gut aufgenommen worden, erzählt der 49-Jährige. Und nicht nur das. Durch das Gespräch mit den Bürgern der Sturmfedergemeinde habe er auch von einigen Anliegen erfahren, die er anfangs nicht im Blick hatte. Die Lärmproblematik aufgrund des Verkehrsaufkommens beispielsweise. „Dadurch ist mein Vorschlag, Tempo 30 auf der B14 einzuführen, entstanden.“ Auch dass es in manchen Wohngebieten Probleme mit dem Parken gebe, sei ihm so nicht bewusst gewesen. „Da ist eine bessere Ordnung nötig“, findet er.

Anregungen vonseiten der Bürger hat auch Holder bekommen. „Sei es nur, dass an einer bestimmten Stelle ein Mülleimer fehlt – irgendein Anliegen hat jeder geäußert“, fasst er seine Erfahrungen im Wahlkampf zusammen. Auch seien die Gespräche mit den Bürgern bis auf eine Ausnahme sehr freundlich gewesen. Er habe schon Anfang Dezember alle Vereine Oppenweilers kontaktiert, um mit den Mitgliedern und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen, erzählt der 45-Jährige. „Von den meisten habe ich auch zügig eine Rückmeldung bekommen, sodass wir Termine vereinbaren konnten.“ Noch wenige Tage vor der Wahl sei er beispielsweise mit der Wandergruppe unterwegs gewesen und habe sich mit Mitgliedern des Musikvereins Reichenberg getroffen.

Die Bürgernähe sei im Wahlkampf wichtig, insofern habe sich auch die knapp bemessene Zeit bis zur Wahl nicht negativ ausgewirkt, findet Holder. Sein Mitbewerber hingegen empfand die Voraussetzung nicht gerade als ideal: „Nach Bewerbungsschluss ist kein Mitteilungsblatt mehr erschienen und so kurz vor den Feiertagen war es auch kaum mehr möglich, in Gaststätten einen Raum für eventuelle Treffen zu buchen“, erklärt er. Eine groß angelegte Kampagne sei da nicht möglich gewesen, hätten die Kandidaten das gewollt. Immerhin, er habe noch vor Weihnachten seine Prospekte in der Gemeinde verteilen können, sodass die Bürger noch Zeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen, sagt Bühler. „Ich hätte natürlich gerne noch zwei oder drei Wochen mehr zur Verfügung gehabt, aber alles in allem hat der Wahlkampf auch in der vorgegebenen Zeit gut geklappt.“

Gudrun Rauh bleibt auch im Nachhinein dabei, dass die Terminsetzung richtig gewesen sei. „Die Kandidaten haben Flyer verteilt, Gespräche geführt und an zwei öffentlichen Veranstaltungen die Gelegenheit gehabt, sich vorzustellen. Viel mehr wäre sonst auch nicht gegangen“, ist sie überzeugt. Vom künftigen Bürgermeister Oppenweilers – egal welcher der Kandidaten gewählt wird – erhofft sich Rauh, dass er ein verlässlicher Ansprechpartner für die Bürger, aber auch die Mitarbeiter der Verwaltung und den Gemeinderat ist. Einige laufende Projekte gelte es, weiterzuführen. Erst einmal solle der neue Rathauschef sich gut einarbeiten und dann loslegen.

Die beiden Kandidaten fiebern dem Tag der Entscheidung an diesem Sonntag entgegen, wollen diesen aber nach Möglichkeit entspannt angehen. Stefan Holder plant, morgens den katholischen Gottesdienst in Oppenweiler zu besuchen um dann mit seinen Eltern gemeinsam zu Mittag zu essen. „Vielleicht trinke ich noch relaxed irgendwo einen Kaffee, bevor ich mich dann gegen Abend zur Murrtalschule aufmache“, sagt er. Bernhard Bühler will einen ganz normalen Sonntag verbringen. Beim heutigen Handballspiel des HCOB sei Wahlkampfschluss, morgen wolle er nicht mehr für sich werben. „Vielleicht kommen im Laufe des Tages ein paar Bekannte vorbei“, mutmaßt er. Zur Verkündung des Wahlergebnisses sei er vor Ort in der Murrtalschule.