Viele Baustellen und noch ein Jubiläum

Beim Neujahrsempfang der Stadt stimmt Oberbürgermeister Frank Nopper die Gäste auf ein ereignisreiches Jahr ein

Auf das Jubiläumsjahr folgt das „Jahr der Bagger“: Lang war die Liste der Bauprojekte, die Oberbürgermeister Frank Nopper gestern Abend beim städtischen Neujahrsempfang im Bürgerhaus vortrug. 2018 werde ein „Jahr von wichtigen Weichenstellungen“, sagte der OB in seiner Neujahrsrede.

Bevor die Torte mit Backnang-Wappen angeschnitten wird, wagt Oberbürgermeister Frank Nopper in seiner Neujahrsrede einen Blick in die Zukunft.Foto: J. Fiedler

Von Kornelius Fritz

 

BACKNANG. Was wünscht man sich zum neuen Jahr? Wahrscheinlich Gesundheit, Glück und Erfolg. Oberbürgermeister Frank Nopper fügte diesem Standardrepertoire beim Neujahrsempfang aber noch ein paar ungewöhnliche Wünsche aus Japan hinzu. Dort wünsche man sich zum Jahresbeginn einen unerschöpflichen Geldbeutel, einen unsichtbar machenden Hut und einen Glücksmantel. Damit solche Träume wahr werden, hatte die Stadt wieder jede Menge Glücksbringer aufgeboten: Die rund 800 Gäste, darunter viele bekannte Gesichter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wurden gleich am Eingang von acht Schornsteinfegern empfangen.

Die halbstündige Neujahrsrede des Oberbürgermeisters bot eine Mischung aus Rückblick, Ausblick und ein bisschen großer Politik – gewürzt mit der einen oder anderen Pointe und den Nopper-
typischen Übertreibungen. Wer sich etwa gefragt hat, warum Mario Gomez zum VfB Stuttgart zurückgekehrt ist, dem präsentierte der OB seine ganz eigene Version: Das Heimweh nach Backnang sei’s gewesen, mutmaßte Nopper. Schließlich gehört dem Nationalstürmer seit einigen Jahren die Alte Vogtei, was ihn in Noppers Augen selbstverständlich zum Backnanger macht.

Ein anderer Star lebt tatsächlich in der Stadt und will auch hier bleiben: Schlagersängerin Vanessa Mai werde 2018 zusammen mit ihrem Mann Andreas Ferber „ein stadtbildprägendes Haus auf dem Hagenbach umbauen“, verriet der OB, für den klar ist: „Backnang ist eine begehrte Stadt. Es ist attraktiv, hier zu leben.“ Deshalb werde an vielen Stellen in der Stadt gebaut – nicht nur für Promis, sondern auch für Bürger mit normalem und geringem Einkommen.

2018 werde ein Jahr von wichtigen Spatenstichen, Baggerbissen und Startschüssen, erklärte Nopper. Bereits an diesem Wochenende beginnt der Abriss und Neubau der Aspacher Brücke, in der Innenstadt startet in Kürze das Projekt „Kronenhöfe“ mit rund 40 neuen Wohnungen, Büroflächen und Geschäften. Und auch auf dem „Löwenquartier“ beim Rathaus könnte es Ende des Jahres losgehen: Dort sind ein Brauhaus mit Außenbewirtschaftung, ein Ladengeschäft und elf Wohnungen geplant.

Weitere wichtige Projekte sind 2018 die Stiftskirchensanierung, der Neubau des Kauflands in der Sulzbacher Straße und die Murrpromenade an der Oberen Walke. Auch im erweiterten Gewerbegebiet Lerchenäcker können die Firmen im Frühjahr loslegen. Bei der B14 ist man schon einen Schritt weiter: Dort soll spätestens bis Juni der nächste vierspurige Abschnitt zwischen Nellmersbach und Waldrems freigegeben werden.

Nopper fordert einen
„aufgeklärten Patriotismus“

 

Auch ein Jubiläum gibt es 2018 wieder zu feiern: Nach den Backnangern sind jetzt die Steinbacher an der Reihe, die das 650-jährige Jubiläum ihrer urkundlichen Ersterwähnung begehen. Zu Backnang gehört der Ort erst seit 77 Jahren und das Verhältnis sei nicht immer spannungsfrei gewesen, wusste der OB zu berichten. So habe sein Vorgänger Walter Baumgärtner in den 50er-Jahren nach einer Besprechung in Steinbach seinen Dienst-Mercedes einmal unter einem Misthaufen wieder gefunden. Ähnliche Erfahrungen will sich Nopper lieber ersparen. Er habe deshalb immer auf ein gutes Verhältnis zu den Steinbachern geachtet „und überdies mein Dienstfahrzeug stets in Sichtweite abgestellt“.

In seiner Neujahrsrede blickte der OB auch über den Stadtrand hinaus. Respekt zollte das CDU-Mitglied dabei dem aus der SPD stammenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Dieser habe gute Chancen, zum Mann des Jahres 2018 zu werden, weil er die Verantwortlichen im Bund beherzt ermahnt habe, „sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen, sondern zur Verantwortung zu stehen.“ Nopper lobte Steinmeiers Rede zum Tag der Deutschen Einheit, in welcher dieser die Bedeutung von Heimat und Orientierung betont hatte. „Wir brauchen in der Tat einen aufgeklärten und Völker verbindenden Patriotismus mit Maß und Mitte in einem freundschaftlich verbundenen Europa“, sagte Nopper. Dieser sei „die beste Medizin gegen Nationalismus und Radikalismus“ und wichtig für den Zusammenhalt in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft.

Im Anschluss an den offiziellen Teil nutzten wieder viele Besucher die Gelegenheit, um beim traditionellen Defilee dem OB und seiner Frau die Hand zu schütteln und weitere gute Wünsche auszutauschen. Dass Frank Nopper den Heimweg bereits im Glücksmantel und mit einem unerschöpflichen Geldbeutel in der Tasche antrat, ist zwar nicht belegt, was aber auch daran liegen könnte, dass er zuvor seinen unsichtbar machenden Hut aufgesetzt hatte.

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