Ehrenteller zum Dank für riesiges Engagement

Nopper würdigt jahrelange Sterbebegleitung und großen Einsatz im künstlerischen, sportlichen und gesellschaftlichen Bereich

Nach der Laudatio haben gestern Abend Hans Berger, Alfred Holderle, Hellmut G. Bomm und Bodo Klein (von links) den Ehrenteller der Stadt aus den Händen von OB Nopper erhalten. Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Hans Berger, Hellmut G. Bomm, Alfred Holderle und Bodo Klein sind beim Neujahrsempfang mit dem Ehrenteller der Stadt Backnang ausgezeichnet worden. OB Frank Nopper würdigte die Leistungen der vier Persönlichkeiten. „Sie haben sich um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger verdient gemacht.“

Hans Berger hat sich seit 23 Jahren der Sterbebegleitung verschrieben. Der gebürtige Tübinger kam 1971 nach dem Studium der Feinwerktechnik an der Maschinenbauschule Esslingen nach Backnang, wurde bei AEG-Telefunken Jungingenieur, später Laborleiter und lange Zeit Abteilungsleiter für physikalische Erprobung. 31 Jahre lang war er „Telefunker“, so Nopper. Vielleicht suchte er einen Gegenpol zum Ingenieursdasein, als er 1994 einen Ausbildungskurs zum Sterbebegleiter machte. Auch seine Tätigkeit als Yogalehrer, die er bis heute mit drei Kursen pro Woche für die TSG ausübt, hat ihn dorthin geführt. Nicht zuletzt brachte ihn auch der Gedanke, dem Sterben nicht aus dem Weg zu gehen, zur Sterbebegleitung. In all den Jahren war Berger mindestens zehn Stunden pro Monat im Einsatz für den ambulanten Hospizdienst. Er suchte die Sterbenden und deren Angehörige zu Hause, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen auf. Er und die anderen ehrenamtlichen Hospizbegleiter wollen laut Nopper den Raum mit Menschlichkeit füllen und erbringen keine Pflegedienste im engeren Sinne. 2002 wurde Berger Einsatz- und Gruppenleiter der rund 20-köpfigen ambulanten Hospizbegleitergruppe in Backnang. In dieser Funktion ist er für die Koordination und den Zusammenhalt der Gruppe zuständig. Bergers 70. Geburtstag war der Anlass, ihm stellvertretend für alle Hospizbegleiter den Ehrenteller zu überreichen.

Hellmut G. Bomm ist laut Nopper Backnanger von Geburt, Überzeugung, Denken und Gefühl und hat Backnang „mit der Muttermilch aufgesogen“. Bomm begann nach der mittleren Reife eine Lehre als Chemielaborant in Ludwigshafen bei der BASF und besuchte die Ingenieurschule in Mannheim, um Chemieingenieur zu werden. Doch schnell wandte er sich seiner wahren Liebe zu – der Grafik. Zehn Semester an der Freien Kunstschule und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart machten aus ihm einen Experten für Grafik und Buchgestaltung. Seit dem dritten Straßenfest 1973 gestaltete er die Festbierkrüge mit jährlich wechselnden Motiven. Zum 750. Stadtjubiläum erstellte er 1987 das Buch „Backana“ mit Stadtansichten. An der Gestaltung vieler Publikationen des Heimat- und Kunstvereins, der Künstlergruppe, der LiteraTour, des Fördervereins Friedhofkapelle, des Kirchbauvereins zur Stiftskirchenrenovierung, der Stadt und des Jugendzentrums war er beteiligt. 2006 veröffentlichte er „Backnang – meine Stadt“, 2013 dann „Backnang – mein Stadtrundgang“. Der laut Nopper unangefochtene Haus- und Hofgrafiker der Stadt fertigte die Martin-Dietrich-Stele am Ende der Martin-Dietrich-Allee, die Erinnerungsstele für die Luftopfer des Jahrs 1945, die Stele für das 50. Jubiläum der Partnerschaft Annonay/Backnang und die Plakette für das 950. Backnang-Jubiläum an den Murrterrassen.

Alfred Holderle nur als einen der Väter der Erfolgsgeschichte der TSG-Abteilung Judo zu bezeichnen, ist Nopper zu wenig. „Er ist der Erfolgsmotor und vielleicht sogar der Erfolgsgarant.“ Nach einer Lehre als Elektromechaniker bei Telefunken in Backnang folgte das Studium der Nachrichtentechnik an der Fachhochschule für Technik in Stuttgart. Er kehrte als Entwicklungsingenieur zur AEG-Telefunken zurück und blieb. Über Sohn Jens kam Alfred Holderle zum Judo, war selbst aber nie Judokämpfer. Aber in der Vereinshierarchie stieg er Schritt für Schritt auf: Seit 28 Jahren hat er Funktionen inne: Erst „Generalquartiermeister“, dann stellvertretender Abteilungsleiter und seit 2003 Abteilungsleiter. Nopper: „In seiner Ära wurde Backnang noch mehr zu einer Judohochburg, ja geradezu zu einer uneinnehmbaren Judofestung.“

Bodo Klein hat dem Verein der Gartenfreunde Robert-Kaess-Siedlung über Jahrzehnte hinweg seinen Stempel aufgedrückt. Der gebürtige Breslauer (Jahrgang 1943) ist als Heimatvertriebener nach Backnang und 1969 in die Kaess-Siedlung gekommen. Er arbeitete bei der nur wenige Hundert Meter entfernten Motoren- und Maschinenfabrik Carl Kaelble, hatte dort die Ausbildung zum Maschinenschlosser absolviert und damit den Ritterschlag für einen Facharbeiter im Metallbereich erhalten. Über Jahrzehnte hinweg war er als Monteur und Maschinenvorführer so etwas wie der Kaelble-Maschinenbotschafter in ganz Europa. 1977 wurde Bodo Klein zweiter und 1987 erster Vorsitzender der Gartenfreunde. Seither gibt es regelmäßig zwölf Veranstaltungen pro Jahr und die Mitgliederzahl wurde von 30 auf 80 mehr als verdoppelt. Klein ist mit dem 75. Jubiläum der Gartenfreunde 2012 als Vorsitzender ausgeschieden, aber er fährt bis heute jeden Samstag in der Siedlung Brötchen aus für bis zu 70 Robert-Kaess-Bewohner.