Stadt will Leerstände in Wohnraum umwandeln

Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen gesucht – Verwaltung wendet sich an Immobilienbesitzer

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – das gilt für die gesamte Region. Geflüchtete, aber auch Familien in prekären Lebenssituationen oder Menschen mit geringem Einkommen suchen oft vergebens nach einer Unterkunft. Ihnen möchte die Stadt Backnang nun unter die Arme greifen. Zum einen will sie zirka 80 neue Wohnungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stellen und damit den Wohnungsmarkt entlasten. Der Neubau von Wohngebäuden sei allerdings zeit- und kostenintensiv, so die Stadtverwaltung, und reiche bei Weitem nicht aus für die aktuelle Nachfrage. Deshalb soll gleichzeitig noch an einer anderen Stelle angesetzt werden: bei Immobilienbesitzern, die ihre Gebäude leer stehen lassen.

Wie viele Leerstände es im Stadtgebiet gibt, sei nicht zu beziffern, sagte die städtische Integrationsreferentin Ulrike Ferenz-Gröninger, die das Projekt maßgeblich betreut. Die Zahl sei aber wohl nicht unerheblich. „Wir stützen uns vor allem auf Beobachtungen und bekommen auch von unseren Ehrenamtlichen öfters Hinweise“, sagt sie. Wenn in einer Wohnung beispielsweise kein Schild an Klingel und Briefkasten sei und die Rollläden dauerhaft geschlossen seien, könne man davon ausgehen, dass dort keiner wohnt. Was aber hält die Immobilienbesitzer davon ab, den Wohnraum zu vermieten? „Dafür gibt es vielfältige Gründe“, weiß Ferenz-Gröninger. Manche hätten schlechte Erfahrungen gemacht, etwa mit Mietnomaden oder Messies. Bei älteren Menschen gebe es manchmal eine Hemmschwelle gegenüber Fremden – schließlich handele es sich öfters um Einliegerwohnungen. Anderen sei wiederum der Verwaltungsaufwand zu hoch, sie wüssten oftmals gar nicht, was von einem Vermieter verlangt wird.

Städtische Mitarbeiter und

Ehrenamtliche begleiten die

Interessenten

An all jene Menschen wendet sich die Stadt nun mit der Bitte, ihre leer stehenden Wohnungen zur Verfügung zu stellen – mit einem öffentlichen Aufruf, aber auch mit einer direkten Ansprache. „Wir wollen niemanden bedrängen, aber wenn uns ein Leerstand gemeldet wird, fragen wir auch mal nach“, sagt die Integrationsreferentin. Die Stadt trete als Vermittlerin auf. Vermieter können freien Wohnraum an die Stadt melden. Die Daten werden vertraulich behandelt. „Ziel ist es, den Vermietern die Kontaktaufnahme zu sozial benachteiligten Menschen zu erleichtern, Hemmschwellen abzubauen und den Wohnraum möglichst passgenau und individuell zu vermitteln“, sagt der Erste Bürgermeister Siegfried Janocha.

Viele Menschen, die bezahlbaren Wohnraum dringend benötigen, sind der Stadt bekannt – etwa Obdachlose, Geflüchtete oder Geringverdiener, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Vielleicht melden sich aber noch weitere Betroffene durch den Aufruf bei der Stadt. Die Angebote, auf die die Stadt hofft, sollen gesichtet und mit den Bedürfnissen jener Interessenten abgeglichen werden. Ist ein Angebot geeignet, findet ein unverbindlicher Kennenlern- und Besichtigungstermin statt. „Es wäre natürlich schön, für jeden eine passende Wohnung zu finden, aber dass das nicht realistisch ist, muss klar sein“, schätzt Ferenz-Gröninger die Lage ein.

Die Interessenten werden durch städtische Mitarbeiter, Sozialarbeiter oder Ehrenamtliche begleitet, wenn nötig auch während des Mietverhältnisses. „Wie viel Betreuung die einzelnen Personen brauchen, schwankt stark“, weiß Ferenz-Gröninger. Je nachdem würden passende Helfer gesucht. Vor allem in der Flüchtlingsarbeit gebe es zahlreiche Ehrenamtliche, die ihre Schützlinge gerne auch weiter begleiten. „Schon jetzt gibt es Mieterschulungen“, sagt die Integrationsreferentin. Denn nicht jedem Asylbewerber sei klar, wie hier im Kreis Müll getrennt wird, oder wie die Kehrwoche funktioniert. Solche Dinge werden von Mietern jedoch erwartet. Die Stadt unterstütze auch bei den Formalitäten, beispielsweise sei angedacht, einen Mustermietvertrag zur Verfügung zu stellen. Wichtig sei, dass den Menschen mit der Stadt Backnang ein verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehe.

Wohnungsangebote und Rückfragen nimmt Ulrike Ferenz-Gröninger unter der Telefonnummer 07191/894-369 oder per E-Mail an ulrike.ferenz@backnang.de gerne entgegen. Hierbei ist zu beachten, dass die Wohnungen in einem bewohnbaren Zustand sind und die Kosten den Mietspiegel der Stadt Backnang beziehungsweise die vom Jobcenter vorgegebenen Mietobergrenzen nicht überschreiten. Der Mietspiegel kann online unter https://www.backnang.de/Mietspiegel eingesehen werden. Auch Interessierte, die sich ehrenamtlich engagieren und Menschen beim Umzug, bei Formalitäten und bei der Eingewöhnung in der neuen Wohnung unterstützen möchten, können sich an die Integrationsreferentin wenden.