Frühschicht mit süßen Wahlgeschenken

Oberbürgermeisterwahl Backnang: Frank Nopper führt trotz seiner Favoritenrolle keinen Schmalspurwahlkampf

Er ist der klare Favorit am 4. Februar:Die Wiederwahl scheint Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper so gut wie sicher. Da könnte er es im Wahlkampf eigentlich gemütlich angehen lassen, doch das ist nicht Noppers Art. „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, dass man sie umgarnt“, findet der Amtsinhaber. Und das tut er, wenn’s sein muss, auch morgens um halb sieben am Backnanger Bahnhof.

Wahlkampf am frühen Morgen: OB Frank Nopper verteilt am Maubacher Bahnhof seine präparierten (K)noppers-Waffeln. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

Nopper bleibt Nopper – auch zu unchristlichen Zeiten. In seinem typischen Stechschritt, mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einem großen Korb unter dem Arm erscheint der OB um kurz nach halb sieben am Taxistand vor dem Backnanger Bahnhof, wo ihn seine Wahlkampfhelfer, die CDU-Stadträte Ingrid Beerkircher und Volker Schwarze, schon erwarten. Um 5.30 Uhr ist Nopper an diesem Morgen aufgestanden, obwohl er eigentlich kein Frühaufsteher ist. Sollte er müde sein, lässt er sich nichts anmerken. Wenn Nopper etwas macht, dann macht er es zackig, egal an welchem Ort und zu welcher Uhrzeit.

Sein Korb ist bis oben gefüllt mit Knoppers-Haselnussschnitten. Auf jeder einzelnen Verpackung hat seine Frau mit einem weißen Aufkleber das K überklebt, sodass nur noch „noppers“ zu lesen ist. Ein Gag, den Frank Nopper schon bei seiner ersten OB-Kandidatur 2002 eingesetzt hat. „Jetzt kommt es aber noch besser an, weil mein Name viel bekannter ist.“ Mehr als 1000 dieser Süßigkeiten hat der OB geordert. Neben blau-gelben Luftballons sind sie die einzigen Werbegeschenke, die er im Wahlkampf verteilt.

„Mit mir müssen

Sie immer rechnen“

Die Ersten, die an diesem Morgen in den süßen Genuss kommen, sind die Taxifahrer vor dem Bahnhof: „Das sind wichtige Multiplikatoren“, weiß der OB. Dann geht es schnell weiter an Gleis 5, wo die S3 Richtung Stuttgart auf ihre Abfahrt wartet. Die Pendler, die aus der Unterführung nach oben strömen, sind in Eile, manche wirken verschlafen, andere sind nicht ansprechbar, weil sie Kopfhörer im Ohr haben. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt für kommunalpolitische Diskussionen, aber ein Knoppers und einen Prospekt nehmen viele trotzdem mit. „Hier geht es mehr um Präsenz als um Inhalte“, weiß der OB. Er will den Backnangern zeigen, dass er sich nicht zu schade ist, persönlich um jede Stimme zu werben, was einige durchaus überrascht: „Herr Nopper, so früh schon unterwegs?“, fragt eine Frau im Vorbeigehen. „Tja, mit mir müssen Sie immer rechnen“, antwortet der OB und lacht.

Frank Nopper ist ein erfahrener Wahlkämpfer: Dies ist sein dritter OB-Wahlkampf, davor hat er für die CDU auch schon bei Bundestags- und Landtagswahlen um Stimmen geworben. So freundlich wie diesmal sind ihm die Bürger dabei nicht immer begegnet: „Es gab Wahlen, da gehörte ,Verbrecher‘ noch zu den freundlicheren Dingen, die wir gehört haben“, erinnert sich Nopper. Auch bei seiner ersten Backnanger OB-Kandidatur, als er 2002 gegen Amtsinhaber Jürgen Schmidt antrat, sei es wesentlich kontroverser zugegangen.

40 Prozent Wahlbeteiligung

sind das Traumziel

Diesmal empfindet Nopper die Atmosphäre trotz des Gegenkandidaten Volker Dyken schon fast als harmonisch. Etliche Passanten wünschen „viel Erfolg“, manche versprechen dem OB auch gleich, ihn zu wählen oder haben es per Briefwahl bereits getan. „Die Stimmung ist sehr gut“, freut sich Nopper. „Ich spüre nur wenig Ablehnung.“ Allerdings sieht er die Gefahr einer geringen Wahlbeteiligung: Noppers selbst erklärtes „Traumziel“ ist eine Beteiligung von 40 Prozent. Auch dafür macht der 56-Jährige Wahlkampf, denn er hofft, dass die Leute sagen: „Wenn er sich so ins Zeug legt, dann müssen wir auch wählen gehen.“

Ein paar Bürger nutzen die Begegnung mit dem OB dann aber auch, um sich zu beschweren: „Ich ärgere mich über die hohen Parkgebühren“, sagt eine Frau mit Koffer, die nach eigener Aussage aber keine Backnangerin ist. „Sie freuen sich aber doch auch über vieles, sonst würden sie nicht hier einkaufen“, kontert der OB. Versuche mit einer halben Stunde kostenlosem Parken habe es schon gegeben, erklärt er. „Kosten und Nutzen standen nicht im Verhältnis.“ Zum Abschied wünscht er der Frau eine gute Reise.

Eine Stunde ist inzwischen vergangenen und Noppers Korb ist leer. Bevor die Aktion am Maubacher Bahnhof weitergeht, muss er deshalb noch mal nach Hause und Knoppers-Nachschub holen. Die Fahrt im Dienstwagen verbucht er im Fahrtenbuch als „privat“. Wahlkampf und die Amtsgeschäfte als Oberbürgermeister müssen sauber voneinander getrennt werden. Die Wahlkampfkosten – unter anderem wurden 200 Plakate und 25000 Prospekte gedruckt – finanziert er über private Spenden und eigene Mittel. Parteigelder seien nicht dabei, versichert der OB, der trotz seiner Mitgliedschaft nicht als CDU-Kandidat auftreten will.

Inzwischen ist es kurz vor acht: Am Maubacher Bahnhof geht es deutlich ruhiger zu als in Backnang. Der OB und seine Helfer beziehen Position am Gleis 1 Richtung Stuttgart, denn Nopper weiß: „90 Prozent fahren in diese Richtung.“ „Ich kann Sie nicht wählen, ich bin aus Erbstetten“, sagt einer der Pendler, dem Nopper eine Schokowaffel in die Hand drücken will. „Nehmen Sie’s trotzdem. Wir sind den Erbstettenern gewogen“, erwidert der OB. Ein Mann, der seine Mutter zum Zug gebracht hat, beklagt sich, dass der Backnanger Bahnhof nicht barrierefrei ist. „Da sind wir dran, aber es dauert noch ein bisschen“, erklärt der OB. Die Stadt könne dieses Problem nur gemeinsam mit der Deutschen Bahn lösen: „Und die ist ein schwerer Tanker und kein Schnellboot.“

Um 9 Uhr endet Frank Noppers Wahlkampfeinsatz an diesem Morgen. Bis zum 4. Februar stehen noch etliche solcher Vor-Ort-Termine in seinem Kalender. „Ich mache gerne Wahlkampf“, versichert der OB, gibt aber zu: „Ich bin auch froh, wenn er dann irgendwann vorbei ist.“ Für heute ist es geschafft: Nopper verstaut Korb und Prospekte im Kofferraum seines Dienstwagens und macht sich auf den Weg ins Rathaus. Für ihn beginnt jetzt der normale Elf-Stunden-Arbeitstag eines Oberbürgermeisters.