Seinen Kaffee aus einem stylischen Becher trinken, Geld sparen und ganz nebenbei noch etwas für die Umwelt tun – das hat das Pfandbecher-System Recup in vielen Städten der Republik bereits möglich gemacht. Die Grünen-Fraktion im Gemeinderat will die smarten Becher nun auch nach Backnang holen.

Von Bianca Walf

BACKNANG. Er ist schick, er ist praktisch, er ist Zeitgeist: der Coffee-to-go-Becher, ein Symbol für die Wegwerfgesellschaft. Rund 2,8 Milliarden Einwegbecher jährlich landen deutschlandweit im Müll – das sind 320000 Becher pro Stunde. Wie viele davon auf Backnang und den Rems-Murr-Kreis entfallen, lässt sich laut der Pressesprecherin des Landratsamts Sandra Weiß nur schwer feststellen.

Weniger Müll verursachem,
nicht mehr Müll entsorgen

„Zu viele“, findet der Fraktionsvorsitzende der Backnanger Grünen Willy Härtner. Bereits Ende vergangenen Jahres hat seine Partei in ihrer Haushaltsrede die Forderung nach einer recyclebaren Pfandbecherlösung für Backnang gestellt. „Wir sprechen im Gemeinderat immer wieder über die vermüllte Innenstadt. Wir schaffen zusätzliche Mülleimer an. Das halten wir für den falschen Weg“, so Härtner. „Es sollte nicht darum gehen, wie man mehr und mehr Müll entsorgen, sondern wie man Müll vermeiden kann.“ Wer hier Großes bewirken will, muss klein anfangen, findet Härtner.

Frei nach diesem Motto haben die Grünen die Firma Recup ins Spiel gebracht. Das Münchner Startup hat deutschlandweit bereits in zahlreichen Städten seinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit geleistet – so beispielsweise in Konstanz, Heidelberg und auch im nahen Ludwigsburg. „Wir wissen, dass andere Kommunen damit gute Erfahrungen gemacht haben“, so Härtner.

Das Konzept ist simpel: Partner-Cafés überall in der Stadt geben statt gewöhnlicher Wegwerfbecher Mehrwegpfandbecher aus, die die Kunden überall mitnehmen und auch wieder zurückgeben können. Das kostet einen Euro Pfand. Im Gegenzug bezahlen Kaffeeliebhaber weniger für ihr Lieblingsgetränk und bekommen es im chic-individualisierten Trinkgefäß mit City-Logo serviert. Ist der Becher leer, wandert er nicht in den Müll, sondern zurück zu einem der Partnerbetriebe. Der übernimmt dann die Reinigung und bringt ihn erneut in Umlauf.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Bechern besteht der Recup aus Polypropylen, einem besonders langlebigen Kunststoff, der außerdem mit einer verträglichen Umweltbilanz punktet. Wenn er ausgedient hat, lässt er sich wesentlich besser recyceln als herkömmliche Pappbecher mit Plastikdeckel. „Die üblichen Coffee-to-go-Becher sind so gut wie gar nicht recycelbar“, erklärt Sandra Weiss im Auftrag der Abfallwirtschaft Rems-Murr. „Was aussieht wie Pappe, ist in Wirklichkeit nämlich mit Kunststofffasern durchsetzt und lässt sich deshalb nicht klar zuordnen. Deshalb werden die Becher in der Regel verbrannt. Das sollte unter dem Umweltaspekt eigentlich so wenig wie möglich vorkommen.“

Stadt zweifelt an
einheitlicher Lösung

Damit die Pfandbecherlösung gelingen kann, müssten sich in Backnang mindestens zehn Betriebe finden, die die Idee unterstützen so die Bedingung von Recup. „Wir hoffen, dass die Wirtschaftsförderung uns helfen kann, Unternehmen dafür zu gewinnen. Zumal die Becher mit Backnang-Logo ja auch ein gutes Marketinginstrument für die Stadt sein könnten“, so Willy Härtner. Der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Dr. Ralf Binder habe bereits verschiedene Betriebe auf das Thema angesprochen und überwiegend positive Reaktionen geerntet. Eine grundsätzliche Offenheit zeigt beispielsweise David Weller vom Café Weller. „Die Idee finde ich gut. Natürlich kommt es aber auf die Umsetzung an. Aus Hygienegründen dürfen wir eigentlich keinen Kaffee in mitgebrachte Gefäße ausgeben. Bisher wird immer aus dem Pappbecher umgefüllt. Da müsste es dann eine Regelung geben.“ Der Umwelt zu Liebe aktiv zu werden, halte er aber in jedem Fall für wünschenswert. „Wir verkaufen seit Anfang des Jahres auch selbst nachhaltige Cofee-to-go-Becher“, so Weller.

Dabei soll es laut Hannes Östreich, Pressesprecher der Stadt Backnang, vorerst auch bleiben. „Nach derzeitigem Stand wird es wohl keinen einheitlichen Mehrwegbecher geben. Viele Unternehmen werden die Anregung jedoch zum Anlass nehmen, eigene Mehrwegbecher einzuführen“, so Östreich. Andere Betriebe trügen sich bereits mit dem Gedanken, bäten sich allerdings Bedenkzeit und eine intensivere Prüfung aus.

Warum genau eine einheitliche Lösung derzeit nicht zur Debatte steht, führte die Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung nicht weiter aus. Fest steht laut Östreich bisher lediglich: „Der aktuelle Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird im Frühjahr im Gemeinderat erörtert und dann von der Verwaltung abschließend beantwortet.“ In jedem Fall habe die Stadtverwaltung den Vorschlag zur Einführung von Mehrwegbechern im Straßenverkauf auch in ihrem Zehnpunktekatalog für eine saubere Stadt aufgenommen.