Viel Engagement für gute Zwecke

Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg wird 80 Jahre alt – Mehr als 20 Jahre ist sie für die Kinder- und Jugend-Aliyah aktiv

In der jüdischen Kinder- und Jugendorganisation war sie ebenso tätig wie in der Frauen-Union Oberes Murrtal und in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Nun, wo Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg 80 Jahre alt wird, möchte sie sich etwas zurückziehen.

Blickt auf ein ungewöhnliches Leben zurück: Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. Eine Geburtstagsfeier muss meist mit viel Aufwand organisiert werden. Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg erwartet zu ihrem Ehrentag an diesem Samstag etwa 300 Gäste, dementsprechend war sie in den vergangenen Wochen vollauf mit der Planung beschäftigt. „Zum Glück habe ich gute Mitarbeiter und fleißige Helfer“, sagt die Jubilarin bescheiden. Doch vieles hat sie auch in die eigenen Hände genommen. Die Blumen, mit denen die Kirche St. Stephanus geschmückt wird, hat die nun 80-Jährige beispielsweise selbst besorgt. Der ökumenische Dankgottesdienst wird vom katholischen Pfarrer Julius Ekwueme und der evangelischen Pfarrerin Franziska Beller-Preuschoft gemeinsam gestaltet. Die Einnahmen im Opferstock kommen dem Kirchbauverein Jakobuskirche zugute, erzählt die Gräfin. Zwischen Kirche und Gemeindehaus findet im Anschluss unter einem Zeltdach ein Stehempfang mit Punsch, Glühwein und Häppchen statt. Die Gästeschar der Jubilarin ist bunt gemischt: Nahe Freunde sind ebenso dabei wie Bekannte aus Oppenweiler oder auch Mitglieder des Lions Club Backnang.

Die Arbeit soll in jüngere Hände gegeben werden

Mit jener Service-Organisation ist Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg auch in ihrem langjährigen Engagement in der Kinder- und Jugend-Aliyah in Kontakt gekommen. Als ihr Mann, Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg, dienstlich in den USA zu tun hatte, sei ein ehemaliger israelischer Offizier auf ihn zugekommen und habe ihm von der Jugend-Aliyah erzählt. Während des Zweiten Weltkriegs hatten es sich die Vertreter der 1939 gegründeten Organisation zum Ziel gesetzt, jüdische Kinder vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Auch heute noch hilft die Jugend-Aliyah nach eigenen Angaben „überall dort, wo jüdische Kinder gesetzlich oder sozial diskriminiert werden“. In Jugenddörfern wird den Kindern und Jugendlichen Betreuung geboten. Für die Organisation suchte der israelische Offizier also jemanden, der das deutsche Komitee übernähme. „Mein Mann war damals noch voll im Dienst und musste ablehnen. Ich wollte aber nicht, dass es niemand macht“, erklärt die Gräfin von Stauffenberg schlicht.

Seitdem sind rund 20 Jahre vergangen, in denen die nun 80-Jährige sich für die Jugend-Aliyah engagiert hat. Die Besuche in den Jugenddörfern gehörten für sie zu den schönsten Erfahrungen. Ausdrücklich lobt die Gräfin von Stauffenberg auch das Engagement des Lions Clubs, der Jugendliche bei ihren Besuchen in Deutschland aufgenommen hat. Im vergangenen Jahr organisierte sie ihr letztes Konzert. Nun sei es an der Zeit, die Arbeit in jüngere Hände zu geben. „Es verlangt eine Menge Eigeninitiative und man muss ziemlich hinterher sein“, erklärt die Gräfin. Trotzdem ist sie guter Hoffnung, dass das Amt weitergeführt wird: Interessenten gebe es bereits. „Ich werde natürlich gerne noch unterstützend wirken“, versichert sie zudem.

Die Jugend-Aliyah ist nicht die einzige Organisation, in der Mechtild Schenk Gräfin von Stauffenberg sich engagiert hat. An der Gründung der FrauenUnions-Gruppe im Oberen Murrtal war sie beteiligt und fungierte zwischenzeitlich auch als stellvertretende Vorsitzende. Auch war sie im Vorstand beim Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Inzwischen habe sie sich aber auch dort etwas zurückgezogen. „Ich kann das nicht mehr in diesem Umfang“, erklärt die 80-Jährige. Die Kirchengemeinde sei beispielsweise sehr aktiv in Sachen Flüchtlingshilfe. Sie selbst leiste dann kleinere Beiträge, indem sie manchmal Einladungen zum Essen oder für ein Konzert ausspreche.

Auch die diamantene Hochzeit

steht dieses Jahr an

Dass die Gräfin von Stauffenberg es nun etwas ruhiger angehen lässt, ist wenig verwunderlich, hatte sie doch in jüngeren Jahren ein recht turbulentes Leben. Als Ehefrau eines Soldaten waren häufige Wohnortwechsel für sie die Regel. „Damals war man nie länger als zwei bis drei Jahre am gleichen Standort“, erzählt sie. Das sei in der Bundeswehr früher so üblich gewesen. 20-mal sei die Familie umgezogen, lebte zeitweise in den USA und in England. Nebenbei hat die gebürtige Bambergerin noch drei Kinder aufgezogen. Ob das nicht unheimlich anstrengend war? Sie winkt ab: „Ich habe jung geheiratet, mit 20 Jahren. In dem Alter gewöhnt man sich noch schnell an so etwas.“ Die geborene Gräfin von Bentzel-Sturmfeder-Horneck gibt aber auch zu: Als ihr Mann 1991 nach Stuttgart versetzt wurde und sie endlich im Heimatort ihrer Familie, Oppenweiler, sesshaft wurden, sei das doch ganz schön gewesen. Das Haus hatte das Grafenpaar schon seit den 60er-Jahren, nun wurde es ihr dauerhafter Wohnsitz. Und in der Sturmfedergemeinde trifft man die Gräfin auch mal beim Spaziergang mit ihrer Dackelhündin Dixa an. „Ich bin sehr gerne an der frischen Luft“, sagt sie. Und mit einem Hund müsse man schließlich raus, egal, wie das Wetter ist. „So bleibe ich in Bewegung.“ In diesem Jahr kommt noch eine Organisationsaufgabe auf die Jubilarin zu. Im September feiern sie und ihr Mann nämlich die diamantene Hochzeit. Dieses Fest soll im Familienkreis begangen werden. Klein werde die Feier trotzdem nicht: „Unsere Familie ist groß, da werden es schnell mal 100 Gäste.“