Kammerspiel statt großer Bühne

Oberbürgermeisterwahl Backnang: Kandidatenvorstellung mit Frank Nopper und Volker Dyken stößt auf geringes Interesse

Eine Woche nach dem Wahlpodium der Backnanger Kreiszeitung haben sich Oberbürgermeister Frank Nopper und sein Herausforderer Volker Dyken gestern Abend zum zweiten Mal im Bürgerhaus präsentiert. Diesmal erreichten sie allerdings nur ein sehr überschaubares Publikum und die beiden Kandidaten trafen auch nicht direkt aufeinander.

Nur fürs Foto vereint: Herausforderer Volker Dyken (links) und Amtsinhaber Frank Nopper traten bei der Kandidatenvorstellung im Bürgerhaus getrennt voneinander vor das Publikum.Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Regeln, die der Gemeinderat für die Kandidatenvorstellung festgelegt hatte, waren strikt: 20 Minuten Redezeit pro Bewerber, keine Fragen, keine Diskussion. So fehlte der Veranstaltung ein wenig die Würze, was sich auch im Publikumsinteresse widerspiegelte. Waren die Reihen bei der Podiumsdiskussion der BKZ mit mehr als 300 Besuchern beinahe voll besetzt, verloren sich gestern nur etwa 40 Zuhörer im großen Walter-Baumgärtner-Saal.

Frank Nopper, der als Erster ans Rednerpult durfte, präsentierte eine lange Liste von Projekten, die in den vergangenen acht Jahren umgesetzt wurden. „Es hat mich selbst überrascht, wie viel Erreichtes ich Ihnen heute präsentieren kann“, sagte der OB, der die zulässige Redezeit um exakt 18 Sekunden unterschritt. Unter anderem erwähnte er den Ausbau der Kinderbetreuung, „umfassende Verbesserungen der Verkehrsanbindung auf Schiene und Straße“ mit dem S-Bahn-Ringschluss Marbach-Backnang und der Finanzierungszusage für den B-14-Ausbau sowie die Aufsiedlung des Gewerbegebiets Lerchenäcker. Als wichtige Bauprojekte nannte Nopper zudem die Murrbäder, das Bildungshaus, das Technikforum und die Umgestaltung der Bleichwiese, die sich von einem hässlichen Entlein in einen „stolzen Murrschwan“ verwandelt habe.

Stolz ist der OB auch darauf, dass sein Einsatz für die Wiedereinführung des BK-Kennzeichens von Erfolg gekrönt war. Fast 27000 Fahrzeuge seien mittlerweile mit den neuen, alten Kennzeichen unterwegs. Für Nopper ein „wunderschöner Farbtupfer, der Identität und Heimatverbundenheit schafft“.

Bei allem Erreichten gebe es in den kommenden acht Jahren aber noch sehr viel zu tun. Ganz oben auf Noppers Tagesordnung steht die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Die Innenstadt soll „durch mehr Bewohner und durch attraktive Gastronomie“ gestärkt und der Backnanger Bahnhof zu einer modernen Mobilitätsdrehscheibe mit kurzen Wegen, umfassender Barrierefreiheit und einem attraktiven Erscheinungsbild umgestaltet werden. Außerdem will der OB den Wirtschaftsstandort Backnang weiter stärken: „Ökologie ist wichtig, aber Ökonomie ist nicht minder wichtig“, erklärte Nopper. Denn ohne prosperierende Wirtschaft gäbe es auch kein Geld für den Umweltschutz.

„Captain“ verspricht
eine frische Brise

Herausforderer Volker Dyken sprach fünf Minuten kürzer als Nopper. Er verkaufte sich als Kandidat aus der Mitte der Bürgerschaft. „Diese Stadt braucht nicht nur eine andere Politik – sozialer, ökologischer, transparenter – sie braucht eine andere Philosophie“, sagte Dyken. Es sei an der Zeit, dass die Geschicke des Landes „von uns gemeinsam gelenkt werden, dass wir es nicht mehr den Politikern überlassen, über unser Schicksal zu bestimmen“, erklärte der 48-Jährige. Frank Nopper habe aufgrund seiner Erfahrung und seiner Bekanntheit zwar „einen ganz kleinen Anfangsvorteil“, aber wer etwas verändern wolle, der müsse selbst die Veränderung sein.

Der Gymnasiallehrer aus Waldrems, der Mitglied der Piratenpartei und nahe der Nordseeküste aufgewachsen ist, hatte seine Rede mit maritimen Metaphern gespickt. Er wolle zum „Captain“ gewählt werden und verspreche den Bürgern dafür eine „frische Brise in der Stickoxid- und Feinstaubmetropole Backnang“. Erreichen will Dyken das unter anderem mit einem verbilligten Cityticket und Elektrobussen in der Innenstadt.

Beim Thema Hochwasserschutz verwies Dyken auf die Erfahrungen aus seiner norddeutschen Heimat. Dort, so Dyken, würde keiner auf die Idee kommen, ein Haus direkt am Wattenmeer zu bauen. „Und wenn, dann macht er es auf eigenes Risiko.“ So wie es an der Nordsee das Deichvorland gebe, wo sich das Meer bei einer Springflut austoben könne, brauche man auch an der Murr Flächen, auf denen sich der Fluss bei Hochwasser ausbreiten kann: „Die Obere Walke zu bebauen, halte ich deshalb für keine gute Idee. Sie zu begrünen und dem Fluss Auslauf zu bieten schon“.

Großen Raum nahm in Dykens Vorstellung wieder das Thema Bürgerbeteiligung ein. Der selbst ernannte Nopper-Stopper will eine „gläserne Verwaltung“ erschaffen. Wenn er Oberbürgermeister werde, werde die Bevölkerung nicht nur gehört, sondern dürfe auch mitentscheiden. „Sie sind die Steuermänner und Steuerfrauen. Setzen Sie Kurs“, sagte Dyken, dessen Rede ebenso wie die des Amtsinhabers vom Publikum mit freundlichem Applaus quittiert wurde.

Gut eine Woche bleibt den Kandidaten jetzt noch, um unentschlossene Wähler von sich zu überzeugen. Schon heute setzen beide ihren Wahlkampf mit Infoständen in der Fußgängerzone fort.