Eine neue Dimension des Einkaufens

Vor 50 Jahren eröffnete in Backnang das erste Kaufland unter dem Namen Handelshof – Heute zwei Standorte in der Stadt

Der 29. Januar 1968 ist ein wichtiges Datum – für Backnang ebenso wie für die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe. Der damals unbedeutende Heilbronner Lebensmittelgroßhändler Lidl & Schwarz eröffnete an diesem Tag in Backnang am Standort Blumenstraße das erste Kaufland – damals noch unter dem Namen Handelshof. Es war der Startschuss zu einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte.

Im Jahr 1977 geht die neue Filiale in der Sulzbacher Straße an den Start. Der alte Name Handelshof wird vorerst noch beibehalten, später kommt die Umbenennung in Kaufland.

Von Armin Fechter

BACKNANG. Als der Handelshof in der Blumenstraße vor 50 Jahren seine Pforten öffnete, kam das einer Sensation gleich: In Backnang gab es zwar Lichdi, Edeka, A&O, Tengelmann, Vivo und andere Einzelhandelsgeschäfte. Aber wo sonst konnten die Kunden auf so großer Fläche – immerhin 1000 Quadratmeter – ihre Auswahl treffen? Lebensmittel und Dinge für den täglichen Bedarf zu sehr günstigen Preisen anzubieten – und das in großer Auswahl –, war das Programm des Handelshofs, des „Großkauf-Markts“, wie es in einem Inserat hieß.

Kein Wunder also, dass die Backnanger Schlange standen, um die neue Dimension des Einkaufens zu erleben. Ja, der Handelshof bot den Menschen überdies die Gelegenheit, dem Schlagerstar Chris Howland zu begegnen, der anlässlich der Eröffnung für einen Tag vor Ort war und dabei laut einem Bericht in der Backnanger Kreiszeitung über 4000 Autogramme gab. Tags darauf ging das Fest mit dem Gastspiel einer 18-köpfigen bayerischen Trachtenkapelle weiter.

Mit dem Backnanger Debüt legte das Unternehmen – Kaufland gehört ebenso wie Lidl zur Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm – den Grundstein für eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte. Noch im selben Jahr folgten Filialen in Sindelfingen und Speyer. Heute ist Kaufland mit über 1270 Filialen und 148000 Mitarbeitern in sieben Ländern Europas vertreten und erzielt einen Jahresumsatz von 21,6 Milliarden Euro.

„Das war für Kaufland eine spannende und erfolgreiche Entwicklung. Im Ursprung sind wir ein schwäbisches Familienunternehmen. Heute zählen wir zu den wichtigsten Einzelhändlern im europäischen Markt und planen die Expansion in die Republik Moldau und nach Australien“, sagt Patrick Kaudewitz, Vorstandsvorsitzender von Kaufland.

Bis 1968 war das Unternehmen auf den lokalen Großhandel ausgerichtet. Dann folgte die strategische Entscheidung, in den Einzelhandel einzusteigen. Damit wurde der beginnende Trend im Handel von der Bedienung hin zur Selbstbedienung aufgegriffen. Mit seiner großen Verkaufsfläche und 70 Mitarbeitern stand die erste Filiale in Backnang am Anfang der Entwicklung zum international erfolgreichen Einzelhändler.

Der damalige Schritt fiel in eine Zeit, in der das deutsche Wirtschaftswunder breite Schichten erreichte. So erhöhte sich die Anzahl der Fahrzeuge in Privathaushalten zwischen 1965 und 1970 von 9 auf 14 Millionen. Da die Verbraucher zunehmend ihr Auto zum Einkauf nutzten, setzte das Unternehmen von Beginn an auf ein ausreichendes Parkplatzangebot. Mitte der 70er-Jahre fiel dann die Preisbindung im Einzelhandel. Davon waren insbesondere Markenartikel betroffen. So wurde Kaufland zunehmend für den Wocheneinkauf der Familie besonders attraktiv.

In den nächsten Jahrzehnten eröffnete das Unternehmen immer weiter neue Filialen, vor allem in Süddeutschland. Mit dem Fall der Mauer im November 1989 nahm die Expansion zusätzlich Fahrt auf. Bis September 1990 hatte Kaufland bundesweit 51 Filialen. Im Oktober 1990 wurde in Meißen die erste Filiale in den neuen Bundesländern eröffnet. Rasch folgten weitere Filialen, sodass im April 1993 die bundesweit 100. Filiale in Berlin-Prenzlauer Berg eröffnete.

Internationale Expansion beginnt 1998 in Tschechien

Mit dem Markteintritt in Tschechien 1998 begann die internationale Expansion von Kaufland. Bis 2006 folgten Eröffnungen in der Slowakei, Kroatien, Polen, Rumänien und Bulgarien. Im Dezember 2010 feierte das Unternehmen mit der Eröffnung in Berlin-Lichterfelde die 1000. Filiale in Europa. Dann begann das Unternehmen in einer groß angelegten Modernisierungsoffensive, seine Filialen auf ein neues Ladenkonzept umzustellen. Bessere Übersichtlichkeit, niedrigere Regale sowie eine klare Orientierung durch Farbsymbole für alle Abteilungen stellen dabei die Grundlinien dar.

In der Sulzbacher Straße in Backnang eröffnete am 23. März 1977 eine weitere Filiale, ebenfalls noch unter dem Namen Handelshof. Erst Jahre später kam die Umbenennung in Kaufland. Dabei sollte es aber nicht bleiben: In der Industriestraße eröffnete Kaufland am 17. März 2005 ein neues Geschäft. Im diesem Zuge wurde die Filiale in der Blumenstraße geschlossen. Der Markt in der Industriestraße wurde 2013 umfangreich modernisiert und im April vergangenen Jahres im Zuge des aktuellen Verkaufskonzepts optisch aufgefrischt. Derzeit plant Kaufland für seinen Markt in der Sulzbacher Straße einen Neubau. Die Planungen dazu laufen auf Hochtouren. Was die Einzelheiten des Vorhabens betrifft, hält sich das Unternehmen derzeit noch bedeckt.