Buntes Narrentreiben mit Konfettikanone

Rund 60 Gruppen mit mehr als 1800 Faschingsbegeisterten ziehen durch den Ortskern von Erbstetten

Bunt und laut – der Umzug des Faschingsvereins Burgstetten ist in Erbstetten längst zur Tradition geworden. Typische Vertreter des rheinischen Karnevals mit Garden, Elferräten und Prinzenpaaren gesellten sich zur uralten Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnet mit ihren schaurig-schönen Masken. Untermalt wurde der Umzug von zahlreichen Guggenmusiken.

Viele Zuschauer versammelten sich auf den Straßen des Ortskerns in Erbstetten, um dem fröhlichen Treiben des Faschingsumzugs zuzuschauen.Fotos: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

BURGSTETTEN. Kurz nach zwölf: Traditionsgemäß beginnt der Zunftmeisterempfang und es werden die Präsidenten, Prinzenpaare und Zunftmeister in der Gemeindehalle Erbstetten durch die Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz und einen der Präsidenten des Faschingsvereins Burgstetten, Alexander Sturm, sowie dem Zunftmeister der Murrtalspatzen Richard Sailer begrüßt. „Mehr als 1800 Narren – das ist ordentlich. Diesmal sind wir aufgrund vieler anderer Termine später dran, aber viele haben trotz Parallelveranstaltungen gesagt: Wir kommen nach Burgstetten“, freut sich Sturm.

14.11 Uhr – Startschuss für den Umzug: Neben den Vereinen aus dem Rems-Murr Kreis sind auch Vereine dabei, die einen langen Weg auf sich nehmen, um in Erbstetten dabei zu sein. So sind Narren aus den Tiefen des Schwarzwaldes vertreten, ebenso Vereine aus Hohenzollern und von der Schwäbischen Alb. „Natürlich sind auch viele Vereine dabei, die uns schon jahrelang die Treue halten“, sagt Alexander Sturm. Das käme aber auch daher, dass „manche Narren aus verschiedenen Vereinen miteinander verheiratet sind“, schmunzelt der Präsident. Einziger Wermutstropfen: Die Sonne strahlt nicht vom Himmel, bewölkt zeigt sich der Himmel. Die Zuversicht der Narren: „Aber Regen wird es keinen geben.“

Stark machen fürs Bädle: Der Freibad-Förderverein führt den langen Faschingswurm an. Schwimmflügele, Wassertiere, Wassermatten und auch Rettungsringe haben die Mitglieder dabei und rufen: „Unser Bädle darf nicht baden gehen.“

Hexen dominieren: Zahlreiche Hexen bevölkern Erbstetten – unter anderem die Burghexen Oppenweiler, die Sendelfenger Sumpfhexen, die Narrenzunft Gerstenhexen Dettenhausen 1993, die „Ruß-Hex ausm Häu“, Hexen aus Rudersberg, Spiegelberg oder Waiblingen, Strohhexen oder die Narrenzunft Kelter-Hex – viele blicken böse drein und verstrubbeln hie und da die Haare der Zuschauerinnen. Grundlegend wollen die Hexen aber keine Angst machen, sondern wollen nur für viel Spaß sorgen.

Achtung, Achtung! Konfetti: So schnell können manche Faschingsfreunde am Straßenrand gar nicht schauen: Ehe sie sich versehen, hat der Unterweissacher Carnevals-Club seine Konfettikanone in die Menge gerichtet und schießt ab. Die Zuschauer gehen in Deckung, aber es gibt kein Entkommen: Von Kopf bis Fuß sind sie mit Konfetti eingedeckt.

Allerlei Schabernack: Manch ein Narr kommt freundlich auf eine Beobachterin zugesteuert, neigt den Kopf leicht zur Seite und zack: Man wird gepackt und huckepack genommen. Manch einer wird in eine Art kleine Wanne gesetzt und ganz schnell im Kreis gedreht – da ist es einem vor Faschingsglück schnell mal leicht schwindelig und das Näschen wird kurz etwas blass.

Freilaufende Wölfe: Als wären die Häslacher Schattenwesen nicht schon schaurig genug, folgen mit rot und blau leuchtenden Augen die Werwölfe ausm Gäu. Doch wer glaubt, Angst haben zu müssen, täuscht sich. Der ein oder andere Wolf legt sich kurzerhand auf den mit Konfetti bedeckten Asphalt und lässt sich von Kindern ins Häs – also ins Fell greifen.

Kein Fasching ohne Musik: Während des Umzugs hört man Schlager, die aus den Boxen dröhnen. Ungewohnt – sorgt aber für Stimmung und Tänzchen auf dem Bürgersteig. Dennoch – es geht nichts über die Guggenmusik, die bei einem Faschingsumzug nicht fehlen darf. Gleich zu Beginn des Zugs geben die Gees-Musiker aus Nellmersbach den Ton an. Weitere Guggenmusiker folgen und sorgen für das musikalische Highlight des Umzugs.

Besucher als Hingucker: Patrick, sieben Jahre alt, als Pirat mit Schnurrbart und Augenklappe verkleidet, sagt: „Ich bin mit meinen Eltern immer hier. Da kocht die Mama nichts, wir gehen ins Narrendorf und essen da was, und dann schauen wir uns den Umzug an.“ Aufgeregt und mit rosa Wangen rennt Patrizia (6) den Hexen hinterher. Sie hat eine Tasche an ihrem pinkfarbenen Kleid hängen: „Da kommen alle Bonbons rein, die ich aufsammle“, sagt sie strahlend. Apropos strahlend: Das Lächeln ist der vierjährigen Sophie vergangen: „Sie hat sich etwas erschreckt, als eine Hexe auf sie zukam, dabei wollte sie nur ihre Hand streicheln“, lacht die Mama. Als Sophie ihren Papa ansieht, ziehen sich die Mundwinkel wieder nach oben – denn der hat gerade zwei grüne Streifen auf die Wangen gemalt bekommen.