Begegnung mit Urzeitriesen und Planeten

Die Themenwege in Rietenau und Welzheim bieten in winterlicher Zeit ideale Ausflugsstationen für die ganze Familie

Bei den Fischteichen in Rietenau begegnet man Tieren aus längst vergangener Zeit: dem Pflasterzahnsaurier Placodus, einem Urlurch Mastodonsaurus und der Urschildkröte Proganochelys. Die drei Saurier sind pünktlich zu den Feierlichkeiten „900 Jahre Rietenau“ im Jahr 2003 zu uns zurückgekehrt und erfreuen seither die Spaziergänger und die Menschen, die auf dem Keuperlehrpfad mehr über die Geologie und die Evolution in unseren Breiten erfahren wollen.

Tierische Wesen wie diese bevölkerten zu Urzeiten auch unsere Gefilde: Heute trifft man auf die einstigen Sauriern, Urlurchen und Urschildkröten nachempfundenen Skulpturen in Rietenau.

Von Ingrid Knack

ASPACH. Planetenweg Welzheim, Mühlenwanderweg, Weinstadter Liederweg, Skulpturenrundweg Korber Köpfe... Themenwege gibt es im Rems-Murr-Kreis etliche. Einer davon ist der neun Kilometer lange Keuperlehrpfad in Rietenau. Die Väter des Keuperlehrpfads sind der damalige Leiter des Staatlichen Forstamts Backnang, Eckart Hink, und Albert Dietz, zu dieser Zeit Leiter des Ordnungsamts der Gemeinde Aspach. Der Keuperlehrpfad ist also ein gemeinsames Projekt der Gemeinde Aspach und des Staatlichen Forstamts Backnang, das 1988 verwirklicht wurde.

Elf Jahre später war die Freude über den Pfad aber nicht mehr allzu groß. Unter anderem hatte der Sturm Lothar Ende 1999 ganze Arbeit geleistet: Von den Schildern blieb nicht mehr viel übrig. 2001 stellte das Staatliche Forstamt neue Schilder auf. Federführend waren seinerzeit Hink-Nachfolger Martin Röhrs und Werner Gimmel, Revierleiter im Warthof. Unterstützung gab es dabei auch von der Forstdirektion Stuttgart, die das Projekt schon 1988 finanziert hatte.

Im Juni 2003 gab es sogar eine neue Station bei den Fischteichen im Forstbachtal: „Saurierfunde im Keuper“. Die Saurier-Skulpturen aus Muschelkalkgestein aus dem Steinbruch der Firma Lukas Gläser sind ein Werk des Backnanger Bildhauers Gregor Oehmann. Der Fischereiverein Aspach nahm die Urschildkröte, den Pflasterzahnsaurier und den Mastodonsaurier auf – seit über 14 Jahren dürfen sie sich nun schon auf dessen Gelände aufhalten. Die Informationstafeln entstanden in Zusammenarbeit mit dem geologischen Arbeitskreis im Heimat- und Kunstverein Backnang.

Jetzt könnte man meinen, dass solche Tiere in der Keuperzeit vor über 200 Millionen Jahren im Raum des heutigen Aspachs gelebt haben. Dem ist aber nicht so. Zumindest auf den Pflasterzahnsaurier Placodus trifft dies nicht zu. „Er hat mit dem Keuper nichts zu tun, da er seinen Lebensraum zu einer früheren Zeit im Muschelkalkmeer hatte“, weiß Hobbygeologe Hermann Reinhardt aus Aspach. Reinhardt hat zusammen mit Klaus Dahl aus Backnang die von der Gemeinde Aspach und dem Staatlichen Forstamt Backnang herausgegebene, höchst aufschlussreiche Broschüre „Das Keuperbergland – Keuperlehrpfad Aspach. Bergbaulehrpfad Spiegelberg“ verfasst. Schon zuvor hatte es eine Broschüre über den Keuperlehrpfad gegeben, die die beiden inhaltlich überarbeitet und ergänzt haben. Darin erfährt man beispielsweise, dass Württemberg zur Keuperzeit ein Paradies für die altertümlichen, vor allem im Erdaltertum verbreiteten Dachschädlerlurche war. „Die Dachschädlerlurche – so benannt, wegen ihres schildförmigen flachen Schädeldachs – entwickelten sich im Lettenkeuper noch einmal zu einer großen Formenfülle und brachten mit dem Mastodonsaurus Riesenformen hervor. Zahlreiche Reste dieser großen Urlurche wurden 1977 bei wissenschaftlichen Grabungen des Stuttgarter Naturkundemuseums an der damals noch im Bau befindlichen Autobahn Heilbronn– Nürnberg bei Kupferzell entdeckt. Mit einer Gesamtlänge von über vier Metern, bei einer Schädellänge von bis zu 1,20 Metern, gilt der Mastodonsaurus als der größte Lurch der Erdgeschichte. Bereits in den Jahren 1834 bis 1837 wurden in Gaildorf insgesamt vier Exemplare von Mastodonsauriern gefunden.“ In der Broschüre erfährt man weiter: „Das in der Saurierstation dargestellte Exemplar eines Mastodonsaurus entspricht nicht ganz dem Lebensbild der heutigen Vorstellungen über das Aussehen der Urlurche.“ Ein wenig künstlerische Freiheit spielte da bei der Entstehung schon mit. Dafür wecken die ungewöhnlichen steinernen Skulpturen in jedem Fall das Interesse für unsere Erdgeschichte.

Wer sich lieber mit dem Himmel beschäftigt, ist auf dem Planetenweg in Welzheim gut aufgehoben. Diesen gibt es seit Juli 2010. Auf dem Weg bekommt man eine gute Vorstellung von den Dimensionen des Sonnensystems. In einem Infotext der Sternwarte Welzheim heißt es: „Auf dem rund zwei Kilometer langen Welzheimer Planetenpfad sind die Planetentafeln maßstabsgetreu in ihrem Abstand vom Zentralgestirn, der Sonne, aufgestellt. Die Sonne ist dabei bei der Sternwarte Welzheim lokalisiert. Die 2000 Meter Länge des Planetenwegs entsprechen in der Natur rund viereinhalb Milliarden Kilometer. Die Tafel des fernsten Planeten, Neptun, steht am Parkplatz Laufenmühle, von wo man starten kann.“ Der Keuperlehrpfad beginnt am Wanderparkplatz am nördlichen Ortsrand von Rietenau in der Heiligentalstraße. Man kann aber auch bei der Saurier-Station starten.