Zukunft gehört dem elektronischen Butler

Das Interview: Wissenschafts- und Technikjournalist Ulrich Eberl spricht über Trends und Entwicklungen der kommenden Jahre

Dr. Ulrich Eberl ist einer der renommiertesten Wissenschaftsjournalisten und Zukunftsforscher Deutschlands. Er veröffentlichte im Sommer 2016 das Buch „Smarte Maschinen – Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert“ über die Zukunft der Digitalisierung und des Internets der Dinge sowie der lernenden Maschinen und der Robotik. Am kommenden Mittwochabend ist er zu Gast im Trude-Schüle-Haus in Murrhardt und bringt auch einen besonderen Gast mit: seinen Hausroboter Nao Bluestar.

Wir werden 2050 in einer Gemeinschaft zwischen Mensch und Maschine leben, sagt Ulrich Eberl – hier mit Nao Bluestar. Foto: privat

Von Andreas Ziegele

Herr Dr. Eberl, wie definieren Sie künstliche Intelligenz (KI)?

Maschinen mit KI können vieles von dem, was wir Menschen können: sprechen und zuhören, lesen und schreiben, sehen und erkennen – und sie lernen ständig hinzu. Denken Sie nur an selbstständig fahrende Autos oder den Roboterjournalisten: Er kann Texte verstehen und zusammenfassen. Im Jahr 2017 wurden weltweit eine Milliarde Texte von Maschinen geschrieben, ohne dass dies von Lesern erkannt wurde.

Welche Entwicklungen sehen Sie kurzfristig durch die KI auf den Menschen zukommen?

Smarte Maschinen werden uns in Zukunft überall begegnen. Wir kennen bereits intelligente Lautsprecher, seien es Alexa von Amazon oder Google Home. Diese Geräte werden immer besser. Sie werden für uns im Internet recherchieren und über Smart-Home-Lösungen die Heizung hochfahren oder Fenster öffnen. Auch Übersetzungsprogramme werden immer besser. Ich denke, dass schon in fünf Jahren Fahrzeuge auf Autobahnen mit Autopiloten fahren. In Fabriken werden Menschen mit Maschinen kollaborativ arbeiten, das heißt, Hand in Hand ohne Schutzzäune. Oder nehmen Sie das Beispiel von Sophia. Ein Roboter, der kürzlich vor der UN gesprochen und sogar mit den Teilnehmern diskutiert hat. Auch im Pflegebereich kann man Roboter einsetzen, für Hilfsarbeiten, etwa Wäsche wegtragen, putzen oder beim Kochen helfen. Und in Büros werden viele Computerassistenten die Menschen unterstützen.

Welche Arbeitsplätze sind aus Ihrer Sicht durch die Digitalisierung beziehungsweise durch KI besonders gefährdet?

Ich sehe da vor allem die Berufe mit einem hohen Anteil von Routinetätigkeiten, die durch Maschinen übernommen werden. Beispielhaft möchte ich Buchhalter, Bankangestellte, Einkäufer oder Logistiker nennen. Hier kann eine Maschine viele Arbeiten schneller, zuverlässiger und billiger erledigen. Das heißt aber nicht, dass diese Jobs ganz wegfallen. Denn die Maschine wird vor allem Assistenzarbeiten erledigen. Nehmen wir den Arzt: Er kann im Zweifel ein Computerprogramm fragen. Dieses analysiert dann für ihn Tausende von vergleichbaren Fällen, liest die Fachliteratur und diskutiert mit dem Arzt über die Ergebnisse. Den Kontakt zum Patienten hält der Arzt, denn hier ist die emotionale und soziale Kompetenz gefragt, die eine Maschine nicht leisten kann. Nicht zu unterschätzen ist, dass auch viele neue Jobs entstehen. Es werden Menschen gebraucht, die smarte Maschinen konstruieren, das Design der Mensch-Maschine-Schnittstelle entwerfen und die Systeme so sicher und zuverlässig wie möglich machen. Zugleich werden es Menschen sein, die als „Maschinenlehrer“ die richtigen Lernbeispiele finden müssen. Und es wird eine Verlagerung hin zu sozialen Berufen geben. Für all das müssen aber zwingend die Bildungspläne angepasst werden.

Kann KI für die Privatsphäre und den Datenschutz eine Bedrohung darstellen?

Lassen Sie es mich so sagen: Schon heute können mit Informationen, die Menschen freiwillig ins Internet stellen, sehr exakte Persönlichkeitsprofile automatisch erstellt werden. Bei einer entsprechenden Auswertung weiß dann zum Beispiel ein Personalmanager sehr viel über den Bewerber, ohne ihn je kennengelernt zu haben. Außerdem sind Menschen mit KI viel leichter zu verfolgen, etwa über ihr Einkaufsverhalten, die zunehmende Kameraüberwachung und die Gesichtserkennung, die heute schon hervorragend funktioniert. Hier braucht es Gesetzesänderungen, Einschränkungen und neue Transparenzregeln, um diesen Bedrohungen vorzubeugen.

Wie könnte ein Tag im Leben eines Menschen im Jahr 2050 aussehen?

Wir werden in einer Gemeinschaft zwischen Mensch und Maschine leben. Das wird so selbstverständlich sein, wie wir uns heute schon an das Smartphone gewöhnt haben. Aus meiner Sicht sollen smarte Maschinen vor allem Unterstützung bieten: „Hilf mir beim Kochen, Putzen und Aufräumen, geh für mich Einkaufen oder ruf mir ein autonomes Elektrotaxi, das mich ins Theater bringt.“ Wir werden die vielen elektronischen Helfer um uns herum gar nicht mehr wahrnehmen, sondern als selbstverständlich betrachten – und als notwendig, denn im Jahr 2050 wird jeder achte Mensch über 80 Jahre alt sein und allein dafür brauchen wir schon eine Menge smarte Maschinen. Zugleich werden wir uns als Menschen neu definieren müssen: Was wollen wir sein, was wollen wir selbst tun, was ist uns wichtig? Vielleicht dann eher Kreativität, Kunst, Kultur und soziale Kontakte als reine Routinejobs.

  Der Vortrag findet am Mittwoch, 31. Januar, um 19 Uhr, im Trude-Schüle-Haus, Justinus-Kerner-Straße 13 in Murrhardt, statt. Wer dabei sein möchte, kann unter der Mobilnummer 0157/56053683 Karten reservieren.