Brückenbau Richtung digitale Zukunft

Die Backnanger Beratungsfirma tkt teleconsult erschließt für Kommunen millionenschwere Fördertöpfe für schnelles Internet

Das Backnanger Unternehmen tkt teleconsult baut Brücken: von der Welt, wie wir sie kennen, zur digitalen Zukunft. Es berät Kommunen beim Auf- und Ausbau ihrer Glasfasernetze für ein schnelles Internet und öffnet dabei regelmäßig millionenschwere Fördertöpfe, sei es in Stuttgart, sei es in Berlin. Es gilt, so die Botschaft von tkt, einmal Geld in die Hand zu nehmen, dann hat man in Sachen Internet für Jahrzehnte ausgesorgt.

Glasfasernetze sind aus extrem feinen Leitungen aufgebaut, die in Kabeln und Rohren gebündelt werden. Harald Heinze (links) und Thomas Berkel, die Geschäftsführer von tkt teleconsult, zeigen den Aufbau solcher Verbindungsstränge. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Glasfaser, so erklären die Geschäftsführer Harald Heinze und Thomas Berkel, ist die Einstiegsvoraussetzung für all das, was in der Zukunft kommen mag: seien es digitale Modelle im öffentlichen Personennahverkehr, seien es neue Leistungen im Mobilfunk, sei es das autonome Fahren oder öffentliches WLAN.

„Alle Kommunen stehen vor der Herausforderung der Digitalisierung“, macht Berkel deutlich – beispielsweise für digitale Bürgerdienste. Bisher ist ein Antragsteller, der einen neuen Personalausweis braucht, an die Öffnungszeiten des Rathauses gebunden. Die tkt-Chefs sind überzeugt: Das wird bald auch einfacher von daheim aus gehen.

Für all das braucht es aber ein leistungsfähiges Leitungsnetz, das einen massiven Austausch von Daten ermöglicht – auch in entlegenen Ecken. Damit verbunden sind immense Herausforderungen, nicht nur finanzieller Art. Es gilt, beispielsweise auch Antworten auf Fragen des Datenschutzes zu finden. Diesem Thema müsse man sich stellen – klar sei aber auch, dass die Entwicklung, die in Asien und den USA vorangetrieben wird, nicht aufzuhalten sein werde. Wobei neuerdings auch eine Gegenentwicklung zu beobachten sei – weg von den großen Anbietern, die ihre Cloud in Servern weit weg pflegen, hin zu regionalen Lösungen. „Wollen Sie Ihre Daten Google oder Amazon geben oder sie in der Stadt lassen?“, fragt Berkel provokativ.

„Glasfaser wird uns als
Medium sehr lange begleiten“

Die Investition in ein flächendeckendes Glasfasernetz mit Glasfaserleitungen bis zum Hausanschluss oder, noch besser, bis unmittelbar zur Wohnung (FTTB – Fiber to the Building, FTTH – Fiber to the Home) stelle eine gute Investition dar: „Das Medium wird uns sehr lange in die Zukunft begleiten.“

Die Wunderfaser ist winzig klein. Das Kabel misst gerade mal 0,125 Millimeter im Durchmesser – und dabei ist das, was man sieht, nur die Hülle, der Mantel. Der Kern, also die eigentliche Glasfaser, die mit unsichtbarem Laserlicht beschickt wird, hat nur eine Größe von einem Mikrometer – ein tausendstel Millimeter. Zugleich aber ist die Datenmenge, die durch dieses feine Härchen transportiert werden kann, im Grunde unbegrenzt – ganz anders als beim herkömmlichen Kupferkabel, das dem Datenfluss eher noch hinderlich ist. Zu spüren bekommt das jeder, dessen Anschluss etwas weiter weg vom Kabelverzweiger liegt.

Vor diesem Hintergrund fordert Berkel ein Ende der Diskussion um Bit-Raten, ab wann ein Gebiet als unterversorgt gelten soll beziehungsweise welche Geschwindigkeit anzustreben ist. Stattdessen müsse man eine Infrastruktur-Diskussion führen, bei der es darum geht, das richtige Kabel zu verlegen. Aus heutiger Sicht richtig sei eben nur Glasfaser. Und aus diesem Grund müsse man auch auf FTTB- beziehungsweise FTTH-Lösungen setzen, statt mit anderen Bauweisen wie FTTC (Fibre to the Curb – bis zum Randstein/zum nächsten Verteiler) zufrieden zu sein, bei denen die letzte Strecke zum Abnehmer wiederum aus Kupfer besteht.

Das kostet in den einzelnen Städten und Gemeinden aber etliche Millionen, wobei der größte Teil der Kosten von 80 Prozent oder mehr auf Erdarbeiten entfällt. Die reinen Materialkosten machen dagegen nur 15 bis 20 Prozent aus. Um die Kabel zu verlegen, müssen die Gemeinden komplett umgegraben werden, deshalb sei es sinnvoll, schon jetzt bei Bauarbeiten und Sanierungen, etwa an der Kanalisation, Rohre für die Glasfaserleitungen einzulegen.

Zudem seien, so die Experten, neue Betriebsstätten nötig, von denen aus die einzelnen Abnehmer angesteuert werden. Ein solcher Point of Presence (Knotenpunkt) hat die Größe einer Garage und kann mit bis zu 10000 Fasern bestückt sein, sprich: Pro POP werden bis zu 10000 Teilnehmer angeschlossen.

Die lokalen Netze werden dann an die Backbone-Rohre angedockt, die der Landkreis als Rückgrat verlegen lässt und die als Datenautobahnen fungieren. Pro Kommune sind zwei solche Übergabepunkte vorgesehen.

Um den Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes zu unterstützen, haben Bund und Land jeweils eigene Förderprogramme aufgelegt. Stuttgart zielt dabei auf eigene kommunale Netze ab, also auf Lösungen, bei denen sich das Netz im Eigentum der öffentlichen Hand befindet – dieses Modell verfolgt derzeit der Landkreis für sein Backbone. Berlin hingegen hat sogenannte Wirtschaftlichkeitslücken im Auge – Bereiche, in denen die Rechnung für Betreiber wie die Telekom nicht aufgeht. Das ist der Fall, wenn die erwartete Nutzung im Verhältnis zur Investition zu wenig abwirft.

Für solche oftmals recht kleinen Gebiete wird dann über eine Ausschreibung ermittelt, welcher Betreiber die kleinste Wirtschaftlichkeitslücke angibt – und der erhält dann den Zuschlag. Was da alles zu tun ist, von der grundlegenden Breitbandstudie bis hin zum Lösungsvorschlag und zur Antragstellung, das erledigt tkt für die Gemeinden – und das mit großem Erfolg. So konnte das Unternehmen mit einem maßgeschneiderten Ansatz für die Stadt Murrhardt und die Gemeinden Althütte, Sulzbach und Großerlach insgesamt über 11 Millionen Euro an Zuschüssen lockermachen – 8,1 Millionen vom Bund, 3,2 Millionen vom Land.

Im Rahmen des jüngsten Förderaufrufs des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur hat tkt für Aspach 5,6 Millionen Euro geholt (es handelt sich dabei um ein interkommunales Projekt mit Spiegelberg, Wüstenrot, Beilstein), ferner für Kaisersbach 3,8, für Wolfschlugen 0,3 und für Forchtenberg 3,1 Millionen Euro. Diese Beträge stellen zusammen 50 Prozent der Investitionssummen für Tiefbau und andere begleitende Maßnahmen dar. Die Bescheide ermöglichen es den Kommunen, beim Land eine Co-Finanzierung von weiteren 20 Prozent zu erhalten, sodass die von tkt damit ermöglichten Fördergelder 70 Prozent der jeweiligen Gesamtinvestition darstellen.

In diesem Zusammenhang freut sich die tkt besonders darüber, dass mit den insgesamt 12,9 Millionen Euro etwa 82 Prozent der Gesamtförderung in Baden-Württemberg auf die von tkt betreuten Kommunen entfiel: „Angesichts des um 60 Millionen Euro überzeichneten fünften Förderaufrufs ist dieses Ergebnis ein deutlicher Beleg für unsere Kompetenz und Innovation in der Beratung.“