Lebenslange Haft wegen Mordes

Landgericht Stuttgart hat beide Angeklagten im Fall Asien-Perle verurteilt – Richter: „An der Täterschaft bestehen keine Zweifel“

Beinahe sechs Monate dauerte die Verhandlung am Landgericht Stuttgart im Fall Asien-Perle an. Gestern wurde schließlich das Urteil verkündet. Wegen Mordes an der 53-jährigen Restaurantbesitzerin Aie Wu wurden die beiden 43und 46 Jahre alten Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Constantin C. (links) und Dumitru A. wurden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Fotos: A. Becher

Von Lorena Greppo

 

BACKNANG/STUTTGART. „In Ihrem letzten Wort haben Sie gesagt, dass Sie Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat haben“, sprach der vorsitzende Richter Joachim Spieth die beiden angeklagten Rumänen in der Begründung des Urteils an. Der Rechtsstaat wie auch die Polizei hätten ihre Arbeit gemacht. Das Ergebnis: Wegen heimtückischen Mordes aus Habgier in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge wurden beide Männer zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. „An der Täterschaft der beiden Angeklagten besteht kein Zweifel“, stellte Spieth klar. Zwar hatten beide Männer nur den Raub an der 53-jährigen Restaurantchefin zugegeben und den Mord geleugnet, durch die eindeutige Spurenlage sei diese Darstellung jedoch widerlegt worden.

In der Nacht zum 4. März 2016 hätten Dumitru A. und Constantin C. aufgrund einer finanziellen Notlage den Entschluss gefasst, in die Asien-Perle einzubrechen und dort Geld zu stehlen. Dass sich noch Personen, darunter auch Aie Wu, im Gebäude befanden, sei den Männern bewusst gewesen. Sie hätten sich das Überraschungsmoment zunutze gemacht, als die 53-Jährige sich im Damen-WC bettfertig machen wollte. „Das Opfer versah sich keines Angriffs gegen ihr Leben“, führte Spieth aus. „Sie konnte sich nicht wappnen.“ Mit massiver Gewalt hätten die Männer dann – mutmaßlich mit einem Werkzeug, das für den Einbruch gedacht war – auf die wehrlose Frau eingeschlagen, sie auch dann noch getreten und geprügelt, als sie bereits am Boden lag. Einer der Männer habe sich auf den Brustkorb der 53-Jährigen gesetzt, sodass fast alle Rippen des Opfers brachen.

„Den ominösen Dritten

gibt es nicht“

 

Dass die beiden 43 und 46 Jahre alten Rumänen nicht mit der Absicht in das Restaurant gekommen waren, Aie Wu zu ermorden, wollte der Richter ihnen nicht absprechen. Den Tod ihres Opfers hätten sie dennoch billigend in Kauf genommen. Auch hätten die DNA-Spuren eindeutig bewiesen, dass beide Männer in die Gewalttat verwickelt waren. Dumitru A. hatte behauptet, er habe, nachdem Aie Wu von beiden gefesselt worden war, das Opfer unversehrt in der Obhut Constantin C.s zurückgelassen und ihr Zimmer durchsucht. Da aber im Privatzimmer Blutspuren gefunden worden waren, sah Spieth auch diese Behauptung widerlegt.

„Mehrere DNA-Spuren an Opfer und Tatort sind Ihnen beiden zugeordnet worden“, führte er aus. Außerdem bewiesen die Handydaten Constantin C.s, dass er sich um 0.14 Uhr noch am Tatort befand. Und schließlich sei auch Dumitru A.s Verhalten nach der Tat eindeutig gewesen: Er hatte überstürzt seine Sachen gepackt und seine Wohnung verlassen, ohne auch nur dem Vermieter Bescheid zu sagen. Für Richter Spieth eine eindeutige Beweislage: „Auch ohne die Angaben, die Sie zum Tatgeschehen gemacht haben, wären Sie überführt worden“, erklärte er den Angeklagten. Und auch die Theorie eines dritten Täters, die Dumitru A.s Anwalt Hanno Haupt in seinem Plädoyer vertreten hatte, tat der Richter ab: „Den ominösen Dritten gibt es nicht.“ Dafür habe die Beweisaufnahme keinen einzigen Anhaltspunkt geliefert.

Beide Männer hätten ein starkes Motiv gehabt: die Geldnot. Wie viel Geld sie tatsächlich erbeutet haben, ließe sich nicht feststellen. Die Angeklagten hatten von 250 Euro gesprochen, der Sohn der Getöteten bezifferte die Beute auf etwa 20000 Euro sowie Uhren und Schmuck im Wert von etwa 8000 Euro. Für den Tatbestand sei das aber auch unerheblich, erklärte Spieth. Die Tat sei ein klassischer Raubmord.

Nach 15 Jahren kommen die Täter nicht automatisch frei

 

Das Merkmal der Heimtücke sah Spieth als erwiesen an, da die beiden Männer die Arg- und Wehrlosigkeit ihres Opfers bewusst ausgenutzt hatten. Auch seien die Habgier bewiesen wie auch die Absicht, durch den Mord eine weitere Straftat zu ermöglichen, nämlich das Stehlen des Geldes. Trotz dieser Voraussetzungen sei das Gericht zum Schluss gekommen, dass die Tat – „es fällt mir schwer, das auszusprechen“ – nicht über einen „normalen“ Mord hinausgehe. Trotz der brachialen Gewalt, mit der Dumitru A. und Constantin C. zu Werke gingen, liege keine besondere Schwere der Schuld vor. Eine Sicherungsverwahrung sei zudem schon aus formalen Gründen nicht möglich.

Was bedeutet diese Entscheidung? „Das heißt nicht, dass es sich um ein minder schweres Verbrechen handelt“, stellte Spieth klar. Auch bedeute die Tatsache, dass keine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, nicht, dass die beiden Männer automatisch nach 15 Jahren Haft auf Bewährung entlassen werden. Denn dafür müsse die Kammer zu der Überzeugung gelangt sein, dass die beiden Männer keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen und ihnen eine positiven Entwicklungsprognose bescheinigen. In dieser Sache würden auch die Vorstrafen der beiden Männer eine Rolle spielen. Dumitru A. hatte in Rumänien 10 Jahre wegen Raubs und schweren versuchten Totschlags in Haft gesessen. Constantin C. verbrachte 13 Jahre wegen Vergewaltigung und Körperverletzung mit Todesfolge im Gefängnis in Rumänien.

Pflichtverteidiger Hanno Haupt hatte nach dem Urteil angekündigt, auf jeden Fall Revision einzulegen. Sein Kollege Boris Müller, der Constantin C. vertritt, ließ dies noch offen, sagte aber: „Wir haben im Verfahren auf Raub mit Todesfolge plädiert und halten das auch nach wie vor für vertretbar.“