Kabarett zwischen Regalen und Kisten

Premiere der „Gruschtelkammer on Tour“ mit Uli Keuler im Hochregallager bei der Firma Lorch Schweißtechnik

Erstmals gab es eine Veranstaltung der „Gruschtelkammer on Tour“. Das Industrieambiente in der großen, hohen Halle des Logistikzentrums der Firma Lorch Schweißtechnik vermischte sich mit Kleinkunstbühnen-Atmosphäre. „Uli Keuler spielt...“ hieß das Solokabarettprogramm vor 270 Besuchern.

Das außergewöhnliche Ambiente und Uli Keuler als hochkarätiger Kabarettist waren eine Kombination, die beim Publikum bestens ankam. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

AUENWALD. Schon beim Betreten der Fabrikhalle in Mittelbrüden blickt man in staunende Gesichter der Besucher. Mitarbeiter der Lorch Schweißtechnik GmbH leiten die Freunde der Kleinkunst an mächtigen Maschinen vorbei zu der großräumigen Halle des Logistikzentrums. Zwischen Hochregalen mit Kisten und Paletten sind Tische und Stühle und eine Bühne aufgebaut. Eine solche Veranstaltung hatten Gruschtelkammer-Chef Charley Graf und Wolfgang Grüb, Inhaber der Firma Lorch Schweißtechnik, schon seit Langem geplant. „Die Idee ist aus einer Bierlaune heraus entstanden“, schmunzelt Graf. „Mir geht das Herz auf, was daraus geworden ist.“

Dass in dem außergewöhnlichen Ambiente ein hochkarätiger Kabarettist auf der Bühne steht, setzt dem Ganzen natürlich die Krone auf. Uli Keuler ist ein Urgestein des schwäbischen Kabaretts. Seit 45 Jahren steht er mit seinen Mundartprogrammen auf der Bühne und hat 2017 den Ehrenpreis des baden-württembergischen Kleinkunstpreises erhalten. Messerscharf beobachtet der Kabarettist Alltagsbegebenheiten seiner Landsleute. Dabei reitet er nicht auf Klischees über die Schwaben herum – die Situationen könnten sich auch außerhalb des Ländles so ergeben. Uli Keuler erzählt mit viel Wortwitz und Gespür für Alltagskomik in sich geschlossene Geschichten. Es geht etwa um detailverliebte Fahrkartenkäufer am Schalter auf dem Bahnhof, die den gesamten Betrieb aufhalten. Kleine Seitenhiebe auf die Deutsche Bahn sind subtil eingeflochten. In der langen Nacht der Museen gibt es einen Spurt durch die unterschiedlichsten Ausstellungen. Da wird im historischen Museum eine Einführung in mittelalterliche Empfängnisverhütung und im Anschluss eine Schwangerschaftsberatung angeboten. Oder der Besucher erfährt, „dass der Emu auch außerhalb von Kreuzworträtseln vorkommt“. In unglaublichem Tempo führen die Geschichten von einer Pointe zur anderen.

Die neuen Errungenschaften der digitalen Welt werden durch den Kakao gezogen, wenn es um die „intelligente Küche“ geht. Nichts klappt wie gewollt, und die Sprachbefehle an den Küchenschrank oder den Wasserhahn führen eher zum Chaos. Ob die Ansagen auf Schwäbisch missverstanden wurden? Das Publikum amüsiert sich köstlich.

Von übermotivierten Eltern, die dem ungeborenen Kind schon das kleine Einmaleins durch die Bauchdecke der Mutter blinken, geht es zu Wellness für das Auto, das wie ein menschliches Wesen verhätschelt wird. Keuler schlüpft in verschiedene Rollen, wie etwa in die des Hundenarrs mit übertriebener Tierliebe. Hintersinnig überspitzt er auf liebenswerte Weise Figuren und Situationen, die viele Besucher so ähnlich aus dem Alltag kennen.

„Uli Keuler spielt...“ ist der einfache, aber treffende Titel des Programms. Der Kabarettist spielt mit Worten, Situationskomik und Pointen. Die Zugabe ist ein Witz, der eigentlich gar keinen lustigen Schlusseffekt hat. Aber wenn Keuler ihn immer wieder von inbrünstig bis verzweifelt, dann mit zorniger Miene vorträgt, biegen sich die Besucher vor Lachen. Und am Ende lässt er sie doch nicht ohne echte Pointe gehen.

Ein voller Erfolg war der Abstecher der Kleinkunstbühne von der Sängerhalle zu „Gruschtelkammer on Tour“. Allerdings ist eine solche Veranstaltung mit großem Aufwand verbunden, weiß Charley Graf. Am Nachmittag holte man Tische und Stühle aus der Auenwaldhalle, die Bühne und die Beleuchtung wurden nur für diesen Abend errichtet.

Gemütlich noch zusammensitzen, wie nach den Programmen in der Sängerhalle, kann man an diesem Abend nicht. Schon während die Besucher das Firmengebäude verlassen, wird in der Halle wieder abgebaut. Denn am nächsten Tag muss der ganz normale Arbeitsalltag weitergehen.