Palette wird um einen Tupfer bunter

Der Backnanger Karnevals-Club hebt die Brauchtumsgruppe „Backemer Träppler Buaba“ aus der Taufe

Der Backnanger Karnevals-Club (BKC) ist breit aufgestellt. Von Garden und Tanzsolisten über Büttenredner bis hin zur Guggenmusik, den Lohkäs-Tramplern, reicht die Palette. Diese ist jetzt noch um einen Tupfer bunter geworden: Die Backemer Träppler Buaba wurden aus der Taufe gehoben, eine Brauchtumsgruppe, die an das historische Gerberhandwerk in Backnang erinnert.

Mit Backnang und seiner historischen Besonderheit verbunden: Mitglieder der Maskengruppe beim Kreisel mit dem Gerbersymbol. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG.„Wir wollten etwas machen, wo wir nicht regelmäßig zum Training gehen müssen und trotzdem aktiv mitwirken können“, schildert Zunftmeisterin Jessica Falb die ersten Anfänge. Die Idee war, eine Maskengruppe aus der Taufe zu heben. Aber wie sollte das Ganze aussehen, was für eine Figur, was für eine Gestalt sollte das Vorbild abgeben?

„Hexen gibt’s genügend“, erklärt Horst Klöpfer, im Verein der Experte für alles, was mit närrischen Traditionen zu tun hat. Faschingsfreunden ist er in seiner Rolle als „Nachtwächter“ aus der Bütt bekannt. Anstelle von Hexen oder Geistern, die schon vielerorts bemüht werden, sollte etwas Spezifisches für Backnang gefunden werden, etwas mit lokalem Hintergrund, etwas Typisches aus der Ortsgeschichte, womit sich die Backnanger Gruppe von anderen im Land abhebt. Damit lag man auch auf einer Linie mit dem Landesverband Württembergischer Karnevalvereine, dessen Reglement eine örtliche Verbindung fordert.

Was lag da näher, als an den altbekannten Spottnamen „Lohkästräppler“ anzuknüpfen? Gerade erst hatte auch der Germanist und Historiker Dr. Wolfgang Wulz den Begriff untersucht und sogar in den Titel eines Buches über die Ortsnecknamen in und um Backnang aufgenommen („Lohkästräppler, Henderwäldler ond Schnitzhäfa“).

Spottname wird zum Aufhänger

für närrisches Treiben

Die Gerberbuben früherer Zeiten also waren gefragt – Lehrlinge oder mitunter auch Schüler, die das Abfallprodukt aus der Lederherstellung, den Lohkäs, für ein geringes Entgelt oft mit bloßen Füßen tretend und stampfend bearbeiteten. Der Lohkuchen bestand aus der ausgelaugten Lohe, die wiederum aus Eichen-, Fichten- oder Tannenrinde gewonnen wurde und den Gerbstoff Tannin enthielt. Die Überreste aus dem Gerbprozess wurden in runde Behälter gefüllt und so lange niedergetrampelt, bis die Flüssigkeit herausgepresst und der Lohkäs genug verdichtet war, um die Laibe dann zu trocknen. Später konnten sie in der Werkstatt oder in der Wohnung zum Heizen verwendet werden, zudem eigneten sie sich zum Räuchern von Fleisch und Würsten.

Damit alles seine Ordnung hatte, ließen sich die Karnevalisten diesen historischen Hintergrund offiziell bestätigen: Stadtarchivar Dr. Bernhard Trefz setzte seine Unterschrift samt städtischem Stempel unter die Erklärung und bestätigte deren Richtigkeit. Für den Landesverband der Karnevalisten war damit auch ein plausibler Hintergrund geschaffen, um die Backemer Träppler Buaba, in einer leichten Abwandlung des verbürgten Spottnamens, zu beurkunden.

Eine weitere Herausforderung bedeutete es, die Figur an sich zu kreieren. Dass das Häs der Träppler Buaba, ihre Kleidung also, an die Gerberzunft erinnern sollte, war klar: Hemd, Lederschurz, Handschuhe und Gamaschen gehören dazu. Wobei ein schulterbreites handbemaltes Lederle das Hemd auf dem Rücken ziert, darauf steht – unter einer Skizze des Maskenbildes – der Name der Gruppe. „Wir haben das Häs im Vereinsheim selbst genäht“, erzählt Jessica Falb, „ein gutes halbes Jahr lang.“ Die Eigenarbeit diente auch der Gruppenfindung: Während des Schneiderns konnten sich die 13 Mitglieder im Alter zwischen 12 und 55 Jahren gut kennenlernen.

Was die Maske selbst betrifft, wandten sich die Backnanger Karnevalisten an einen versierten Schnitzer im Schwarzwald, der schon viele Brauchtumsgruppen bis nach Österreich hinein versorgt hat. Ein knitzes Gesicht sollte entstehen, der Kerle sollte spitzbübisch dreinschauen, ja, der Träppler Bua darf den Leuten sogar die Zunge herausstrecken. Entsprechend frech klingt auch der Narrenruf, den die Hästräger im Wechsel einer/Chor skandieren: „Träppler – Buaba, Zonga – raus, ond – bäääh!“

Zur Holzmaske gehört eine Pelerine mit Streifen aus Leder, die die Haare vollständig bedecken muss. Außerdem tragen die Narren ein Attribut mit sich – eine Zange und einen Stempfel, Werkzeuge, die ans Gerberhandwerk erinnern. In einer Häsordnung hat die Gruppe festgelegt, wie mit Kleidung und Maske umzugehen ist. Nur im Zeitraum zwischen 6. Januar und Aschermittwoch darf die Ausstattung öffentlich getragen werden, immer vor dem 6. Januar nimmt der Häswart – Daniel Roth – die jährliche Häskontrolle vor. Strenge Vorgaben macht zudem der Landesverband der Karnevalisten: Zu jedem Häs gehört ein Laufbändel mit Nummer, sie erlaubt es, jeden Hästräger zu identifizieren – dies beispielsweise für den Fall, dass der Unfug einmal zu weit geht. Darüber hinaus gibt es noch weitere Regeln, zum Beispiel, dass die Maske erst ab 16 Jahren getragen werden darf, jüngere Mitglieder sind stattdessen mit einer Mütze unterwegs.

„Die BKC-Mitglieder fanden es eine Bereicherung“, berichtet Anton Steckl, der die Vorstellung der neuen Maskengruppe – eine aufwendig gestaltete Präsentation – in einem Video festgehalten hat. Und Präsidentin Gabi Kallfaß schwärmt von der Novität: „Ich bin echt stolz.“ Sie kommt zwar – wie viele andere im BKC – vom rheinischen Karneval her. Aber: „Ich bin offen für Neues.“ Auch Horst Klöpfer ist überzeugt: „Das passt gut zusammen.“ Denn die Maskengruppe „kommt aus dem BKC heraus und bezieht sich auf die Stadtgeschichte“. Dass auch die Lohkäs-Trampler schon die Gerbertradition im Namen führen, stört dabei nicht: Als Guggenmusiker haben sie ihr eigenes Revier.

Der Verein verfügt nun aber bei Umzügen um eine Laufgruppe mehr. Beim Landesnarrentreffen in Reutlingen stellte er mit 94 Teilnehmern eine der größten Gruppen. Bis Aschermittwoch, wenn das Häs um Mitternacht eingemottet wird, sind die Backemer Träppler Buaba jedes Wochenende bei Umzügen und vielen anderen närrischen Anlässen im Einsatz.